Kurzprojekt: Leuchtturm, Windmühle oder Eiffelturm

Ein Beitrag von Laura Heinze

Wir beschäftigten uns in dieser Erdkundeepoche mit Europa und im Speziellen mit den Nachbarländern Deutschlands. Unser Kurzprojekt dauerte einen ganzen Hauptunterricht und eine halbe Stunde des Folgetages. Von zwei Ländern nahmen wir uns charakteristische Bauwerke und versuchten sie in einer relativ kurz bemessenen Zeit nachzubauen.

Für die Niederlande wählten wir die Windmühlen, für die französische Bretagne den Leuchtturm und für die Hauptstadt Paris den Eiffelturm.

Wir hatten uns zuvor eingehend mit diesen Ländern beschäftigt und taten uns für diese Aufgabe in Zweiergruppen zusammen. Die Planung geschah zwei Tage vor Beginn der Umsetzung, damit man ausreichend Zeit hatte, um sich notwendige Materialien zu besorgen. Die Materialwahl war vollkommen freigestellt, ja - sie sollte sogar geheim gehalten werden.

Voller Eifer wählten die Gruppen zunächst eines der Bauwerke aus. Dann besprachen sich die Kinder, wie und aus welchen Materialien gebaut werden sollte. Man klärte, wer was zu besorgen hatte.

Es gehört wohl zu den schönsten Momenten des Lehrerberufes zu sehen, wie Kinder in Ideen schwelgen, Gedankenblitze den Raum durchzucken und sich der Tatendrang in gut durchbluteten Köpfen zeigt.

Die Umsetzung war ausgesprochen vielfältig. Jede Gruppe hatte einen anderen Ansatz gewählt und brachte andere Materialien mit. Wir begannen gleich nach den Zeugnissprüchen und endeten mit dem Klingelton des Hauptunterrichtes. Eine Gruppe erzählte, wie sie sich bei der Materialsuche in einem Baumarkt so vertieften hatte, dass sie schlussendlich von ihren Eltern an der Kasse ausgerufen werden musste. Andere überlegten, was Zuhause für die Sache gefunden werden könnte.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, den Bau so zu planen, dass die Fertigstellung in der kurzen Zeit gelingen konnte. Zwar wollten wir unsere Planungen zunächst geheim halten, beim Bau jedoch galt eine andere Devise: Gute Ideen darf man sich abgucken und wenn möglich, auch umsetzen.

Die meisten Gruppen wählten den Leuchtturm. Dabei faszinierte selbstverständlich das Leuchten und die aufregende Umgebung der hohen Wellen. Einige brachten selbst gebastelte Lichtkreisläufe mit Batterien mit in die Schule, andere setzten ein Teelicht in ihren Leuchtturm und schützten das Dach von innen mit Alufolie. Eine Gruppe baute eine Windmühle und setzte auch hier einen Antrieb ein.

Sehr froh war ich über den Eiffelturm. Dies war eine Gruppe, die sich besonders mit dem Material auseinander gesetzt hat. Die Kinder waren die ganze Zeit mit Eifer dabei, den Draht in Annäherung an das Original zu bringen. Eine äußerst schwierige Aufgabe.

Eine andere Gruppe setzte ihren Leuchtturm in eine Schuhkarton, den man als Bild an die Wand hängen könnte.

Ich selbst hatte eine solche Vielfalt gar nicht erwartet.
Sollten diese Kinder, wenn sie einmal groß sind, mit solcher Hingabe an der Umsetzung von Ideen arbeiten, dann dürfen sich Unternehmen freuen ....

Kommentar
09.04.2019 | Christiane Sattler | Förderlehrerin und Klassenlehrerin an Schule für Erziehungshilfe und Fördernhungshilfen
Glückwunsch für diese wunderbare Idee! Absolut wertvoll. Tief unbewusst können die Bauwerke für den dreiteiligen Menschen in seiner Aufrechten und in seiner Seelenverfassung mit Denken, Fühlen und Wollen stehen. Der Leuchttutm steht mit seiner weiten Leucht- und Strahlkraft für klares Denken, und wenn ihn die raue See umspült, ist es ein Bild für standhafte und feste Willenskraft. Mit seiner bunten Ringelung schaut er fröhlich aus und bleibt doch ganz gerade und im Gleichgewicht, so wie wir es im Fühlen anstreben. Auch das Windrad zeigt bewegliches Denken. Beide Bauwerke waren früher bewohnt. Nur der Eifelturm steht ganz besonders stark für Konstruktion und Denkkraft. Insgesamt wäre die Frage interessant, ob sich die jeweilige Konstitution der Kinder in der Wahl ihrer Bauwerke spiegelt?
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