Einführende Gedanken

Im 5. Schuljahr findet der Übergang vom Formenzeichnen zur Geometrie statt. Geht es beim Formenzeichnen um das Erleben der Formen an sich – Gerade und Gebogene in all ihren Varianten - , kommt bei der Geometrie das Bewusstsein von den Gesetzmäßigkeiten der Formen hinzu.

Wenn der Übergang vom Zeichnen zum Konstruieren durch Freihand-Geometrie bewerkstelligt wird, hat das folgenden Sinn: Im geometrischen Freihand-Zeichnen erleben die Schülerinnen und Schüler einerseits die zeichnerische Sicherheit, die sie sich in vier Schuljahren angeeignet haben. Für die geübte Zeichenhand ist es ein Leichtes, Kreise rund zu zeichnen, Linien gerade auszuführen und das geübte Auge sieht sofort, ob die Zeichnung stimmt oder ob es Unregelmäßigkeiten in der Linienführung gibt. Andererseits kommt nun das Bewusstsein für die Gesetzmäßigkeiten der Formen hinzu: Was ist der geometrische Unterschied zwischen Kreis und Ellipse? Was unterscheidet ein Quadrat von einem Rechteck? Was bedeutet die Maßeinheit des Grades und wie heißen die verschiedenen Winkel?

Dass der fachgerechte Einsatz von Zirkel und Lineal hierbei noch keine Rolle spielt, ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, das Spannungsfeld zwischen freihändigem Zeichnen und Bewusstsein über die Form intensiv zu erleben. Anders ausgedrückt: das innere Formgefühl, das beim Freihandzeichnen erforderlich ist, trifft auf äußere Gesetzmäßigkeiten, die gedanklich erfasst werden wollen. Das Zusammenspiel des aus der Kindheit kommenden gefühlsmäßigen, bildhaften Erlebens mit der zunehmenden Möglichkeit, die Welt gedanklich zu erfassen, kennzeichnet das Lebensgefühl von 5.-Klässlern. 

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