Die Reise des kleinen Kreises

Eine Geschichte zum Schreiben und Zeichnen (von Christina Singer, Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Inspiriert durch das selbstgemachte Lesebuch vom kleinen Quadrat wollte ich für meine 2. Klasse eine Geschichte erstellen, die die im Laufe des Schuljahres erworbenen Fähigkeiten der Kinder zusammenfasst. So entstand die Geschichte über einen kleinen Kreis, der sich auf die Reise macht. 

Gesichtspunkte beim Erstellen der Geschichte: 

  • Es sollten Formen entstehen, die wir schon aus dem 1. und 2. Schuljahr kannten.
  • Die Formen sollten einen inneren Bezug zum Inhalt der Geschichte haben, so dass die Schüler sie selbst entwickeln können würden.
  • Auch die farbliche Gestaltung der Formen und ihrer Hintergründe sollte den Inhalt der Geschichte aufgreifen.
  • Mit den Texten sollten die kleinen Druckbuchstaben geübt werden, die wir im 2. Schuljahr gelernt hatten.
  • Die besonderen Laute der deutschen Sprache, die uns im 1. und 2. Schuljahr immer wieder begegnet waren, sollten in den einzelnen Texten hervorgehoben werden.
  • Die Texte sollten so aufgebaut sein, dass langsame Schreiber nur etwa die Hälfte schreiben mussten und dann trotzdem eine stimmige Geschichte im Heft stehen hatten. 
  • Die Sätze sollten möglichst einfach gebaut sein, um das Lesen zu erleichtern und um Satzzeichen zu vermeiden, die wir ausführlich erst in der 3. Klasse behandeln werden.
  • Die Geschichte sollte nicht viel mehr als 10 Kapitel haben, damit wir sie in einer dreiwöchigen Epoche gut bewältigen könnten. 

Methodische Hinweise:

  • Jeden Tag erzählte ich zunächst, was der kleine Kreis als nächstes erlebte. Dann überlegten wir gemeinsam, wie er wohl dabei aussehen würde. Die Kinder zeichneten ihre Ideen in die Luft oder auf die Tafel. Schließlich zeichnete ich die Form auf die Tafel, die dann alle in ihr Heft eintrugen. Die Farben gab ich vor.
  • Nach dem Zeichnen klappte ich die andere Tafelseite auf, auf der schon der entsprechende Text stand. Wer bereits fertig mit Zeichnen war, las sich diesen still durch. Als alle mit dem Zeichnen fertig waren, betrachteten wir zunächst den Text als Ganzes: Was fällt auf? Ein besonderer Laut. Wie oft kommt er in dem Text vor? Wie viele großen Buchstaben sehen wir in der 2,5,7... Zeile und welche sind es? Wie viele Punkte und Kommas gibt es? Dann lasen wir den Text gemeinsam laut, wobei ich mit der Hand mitfuhr.
  • Anschließend schrieben die Kinder den Text in ihr Heft ab. Die Satzanfänge fingen immer an einem Zeilenanfang an. So markierte ich die obligatorischen Sätze mit einem Punkt vor dem Zeilenbeginn. Alles Weitere war freiwillig. (Fast alle Kinder schafften immer den ganzen Text.) Wer im Unterricht nur die obligatorischen Sätze abgeschrieben hatte, aber gerne den vollständigen Text gehabt hätte, konnte diesen zu Hause vom Hausaufgabenblatt abschreiben. Dort waren außerdem, als Hausaufgabe für alle, verschiedene Schreib- und Leseübungen zum betreffenden Laut aufgeführt. 

Es entstand ein kleines Buch, das die Schüler mit Feuereifer gestalteten. 

Kommentar
12.06.2018 | Christa Leitenberger | Mutter, Groß- und Urgroßmutter
Was für eine durch und durch künstlerische und höchst kreative Möglichkeit und Methode für den Erwerb der schriftlichen Sprache! Danke!
Ihr Kommentar