Vorurteile?

Ein Beitrag von Christian Kenthoff

Die meisten Dinge kann man von wesentlich mehr als einer Seite aus anschauen. Die Außenseite mancher Situation drängt uns häufig ein gewohntes, anerzogenes oder gewünschtes Bild auf. Mit der Innenansicht muss dies aber nicht im Entferntesten etwas zu tun haben. Das Urteil, das man schnell mal einfach so fasst, entpuppt sich möglicherweise als Vorurteil.

 

Ein Beispiel:

Neulich saß ich in einem sehr netten Cafe und bestellte mir einen Cappuccino. Er wurde gebracht und ich wollte ihn nun in aller Ruhe genießen. Nicht weit von mir, aber so, dass ich den Tisch um die Ecke nicht einsehen konnte, fing gerade jetzt ein Säugling an zu schreien. Er tat es herzerfrischend schrill und traf in seiner Höhenlage den berühmten Nerv, der einen denken lässt: Alles ertrag ich, nur das nicht!

Nun verebbte das Geschrei nach einiger Zeit und ich dachte: Dies wäre überstanden - bis der Säugling von neuem anhub. Mit immer größerer Ungeduld fragte ich mich: Warum verlässt diese rücksichtslose Frau mit ihrem schreienden Blag nicht endlich das Cafe??? Keiner konnte mehr in Ruhe seinen Cappuccino trinken. Da ich die Frau zudem nicht sah, wurde mein wachsendes Feindbild nur immer größer. (War es überhaupt eine Frau?)

So war die Situation bis mir der Gedanke kam: Vielleicht ist es für diese Frau (Mann, Oma, Babysitter …) in ihrer persönlichen Situation, von der ich gar nichts weiß, für dieses Kind, das ich auch nicht kenne, genau richtig, in diesem Cafe, bei diesem Geschrei trotz der Störung sämtlicher Cappuccinogenüsse einfach sitzen zu bleiben!

 

Aufgabe für die Schüler:

Erfindet die Geschichte dieses Menschen, sodass ihr hinterher sagen würdet: „Ja, er hat allen Grund, in dieser Situation dort sitzen zu bleiben!

 

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