Backhaus

Ein Beitrag von Henning Kullak-Ublick (Freie Waldorfschule Flensburg)

Da unser alter Backofen einem Schulgebäude weichen musste, standen wir in der dritten Klasse ohne Backhaus da. Deshalb hatten wir die Idee, uns in der Hausbauepoche kurzerhand selbst einen zu bauen. Da ich möglichst viele Gewerke mit den Kindern probieren wollte, entstand die Idee zu einem kleinen Backhaus.

Nach einigem Hin und Her entschied ich mich, die Ofenkammer aus feuerfestem Beton zu bauen, denn Beton ist nun mal das Baumaterial, mit dem heute sehr viel gebaut wird und das sollten die Kinder auch in dieser Form kennen lernen.

Zuerst wurde die Bauanleitung gezeichnet, dann der Grundriss vermessen. Wir gruben ein 80cm tiefes Ringfundament und schütteten eine mit Baustahl verstärkte Sohle.

Dann wurde die Holzkammer mit Ziegelsteinen gemauert. Die Ecken wurden innen mit Kalksandsteinen verstärkt und mit Betonstürzen verbunden, damit sie das Gewicht des eigentlichen Ofens tragen könnten. Anschließend wurde die Zwischendecke aus stahlbewehrtem Beton gegossen. Auf diese Zwischendecke mauerten wir die Seitenwände und Giebel und setzten vorne und hinten jeweils eiserne Türen ein - hinten klein, um den Luftzug regeln zu können, vorne eine große Ofenklappe, die wir von einem Schmied geschenkt bekamen, der sie aus einer ganz alten Ofenklappe zusammengeschweißt hatte.

Dann legten wir Schamottesteine auf die Zwischendecke und formten darüber mit Sand den Ofenraum. Oben und bei den Ofenklappen hielten wir die Zugänge und den Abzug mit Styropor frei. Danach wurde die Ofenwand aus feuerfestem Beton auf den Sand aufgetragen - 12 cm dick.

Nachdem das zur allgemeinen Erleichterung geglückt war, mauerten wir den Kamin auf die Schamotteplatte, die zwischen Beton und Schornsteinrohr gesetzt war. Die Zwischenräume zwischen den gemauerten Wänden und der Ofenwand füllten wir mit Isoliermaterial (später erfuhr ich, dass einfacher Sand es auch getan hätte) und zimmerten danach die Dachkonstruktion, auf die wir schließlich die Regenschutzfolie nagelten und dann Dachziegel aufsetzten. Oben drauf kam der Dachfirst und dann wurde der erste Probelauf gefeuert. Zu unser aller Freude backt der Ofen bis heute gutes Brot und bei allen Schulfesten auch leckere Pizza!

Bei dieser Konstruktion war es unvermeidlich, dass manch ein Gewerk nach Schulschluss fertig gestellt werden musste, damit das Ganze funktionierte. Wir haben den Ofen bei unserem Schulhort gebaut, was den Hortnerinnen die Möglichkeit gegeben hat, einmal wöchentlich mit den Kindern zu backen.

 

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