Die drei Hüllen des Menschen

Ein Beitrag von Franka Paul

 

Als Einstieg in die Hausbauepoche griff ich auf den Beginn des Alten Testaments zurück und spannte den Bogen von der Weltenschöpfung bis zum Bau des ersten Hauses auf Erden. 

 

Einstieg
 

1. Bildhafter Lehrervortrag

„Am Anfang des Schuljahres haben wir von der Weltenschöpfung gehört: Gott erschuf in sechs Schöpfungstagen die Welt. Er schied zunächst das Licht von der Finsternis. Dann schuf er das Himmelsgewölbe, das Wasser und die Pflanzen. Er machte Sonne, Mond und Sterne und setzte sie ans Himmelsgewölbe. Nun schuf er all die Tiere, die in der Luft, im Wasser und auf der Erde leben. Dann schuf Gott den Menschen als letztes Werk seiner großen Schöpfung. Bei all diesen Schöpfungstaten halfen ihm viele geistige Wesen und sie taten es mit großer Weisheit und Liebe.

Den ersten Menschen, Adam und Eva, gab Gott einen Garten, das Paradies. Adam und Eva nahmen sich die Früchte der Bäume und des Feldes, um ihren Hunger zu stillen und tranken vom Wasser der Flüsse und Seen. Die Tiere waren zutraulich und selbst die wilden Tiere taten ihnen nichts. Im Paradies gab es nichts Böses und so waren Adam und Eva umgeben von Licht und Wärme. Ihre Körper waren ganz zart und umgeben von einem hellen Schein, engelsgleich.

Dann aber gelang es Satan, in die Schlange zu schlüpfen und ins Paradies einzudringen. Er verführte Eva und Adam, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Und als sie in den verbotenen Apfel bissen, wurde es auf einmal kühl. Es begann zu stürmen und zu brausen und Gottes mächtige Stimme erklang. Der Engel Gabriel vertrieb Adam und Eva mit seinem Feuerschwert aus dem Paradies auf die Erde, wo sie sich mit ihrer Hände Arbeit ein neues Zuhause erschaffen mussten.

Gott aber gab die Menschen nicht verloren. Er festigte und kräftigte ihre Körper, damit sie auf der Erde bestehen könnten. So gab er ihren lichten Seelen eine irdische Hülle, ein erstes Haus. Nun merkten Adam und Eva, dass es auf der Erde sehr kalt werden konnte und dass die Sonne heiß auf sie herniederbrannte. Da nahmen sie große Blätter und später auch Tierfelle, um ihre Körper damit zu bedecken. Sie banden sich Rindenstücke unter die Füße, damit die Dornen ihnen nicht wehtun konnten. So schufen sich die Menschen mit der Kleidung eine zweite Hülle, ein zweites Haus. Wind, Regen und Schnee waren sie aber immer noch schutzlos ausgesetzt.

Nun hatten Adam und Eva Söhne bekommen, Abel und Kain. Kain hatte mächtige Hände und große Kräfte in Armen und Beinen. Er vermochte große Steine und ganze Baumstämme zu tragen. Abel war geschickt: er lernte, biegsame Zweige zu einem Geflecht zusammenzufügen. Mit diesen Kräften und diesem Geschick konnten sich die Menschen nun eine dritte Hülle, ein drittes Haus schaffen.“

 

2. Unterrichtsgespräch

Wenn wir uns vorstellen, wir hätten die kräftigen Hände und den starken Willen Kains und wären so geschickt wie Abel, wie würden wir uns ein Haus bauen? Was würden wir herbeischaffen? (Hinweis: Kain hatte die Axt erfunden. Ansonsten gab es keine Werkzeuge außer scharfe oder schwere Steine. Das Schmieden war noch unbekannt.)

Ideen der Schülerinnen und Schüler: 

  • Ich würde mir vier dicke Baumstämme besorgen, vier Löcher graben und die Baumstämme dort hineinversenken…
  • Ich würde Weidenzweige in die Erde stecken und mit dünnen, biegsamen Weidenzweigen zwischen den senkrechten Zweigen flechten…
  • Ich würde Baumstämme in viele kürzere Stücke zerhacken und im Kreis legen und dann weitere kurze Stämme darauflegen und immer höher bauen…
  • Ich würde viele Stämme nebeneinander in die Erde pflocken und die Ritzen zwischen ihnen mit Lehm verdichten…
  • Ich würde in der Mitte des Hauses einen hohen Stamm in die Erde einpflocken und dann von den Wänden aus dicke Äste zum Stamm in der Mitte führen als Dach…
  • Ich würde auf das Holzdach noch Stroh legen...

 

Individualisierung
 

1. Malen des eigenen Hauses

Im Anschluss malten die Kinder ihre Ideen zum Bau eines ersten Hauses und malten auch eine Landschaft dazu. Als alle fertig waren, legten wir die Hefte gesammelt auf den Boden und betrachteten die Bilder: einzelne Kinder beschrieben, welche Materialien sie in welcher Art verbaut hatten. Wir entdeckten Häuser mit und ohne Tür, mit und ohne Fenster. Es gab Spitz- und Flachdächer. Die Häuser standen in unterschiedlichen Landschaften: an einem Bach, auf einer Wiese, im Tal, in den Bergen an einem Felsvorsprung, auf einer Lichtung...

Die entstandenen Bilder waren berührend anzusehen, weil sie viel vom Wesen und Temperament des einzelnen Kindes zum Ausdruck brachten: 

 

Ein luftiges Weidenhaus auf einer Lichtung (von einem sanguinischen Jungen). 

Ein stabiles, gedrungenes Haus (von einem phlegmatisch-cholerischen Mädchen).  

Ein solides Haus mit besonders schönem Eingang (von einem sehr ausgeglichenen, tüchtigen Mädchen). 

Ein solides Haus in abwechslungsreicher Landschaft. 

Ein stabiles, rundes Haus mit starkem Türsturz und Feuerstelle (von einem zarten, melancholisch-phlegmatischen Mädchen).  

Ein stabile, schön anzusehendes Haus. Die Eingangstüre ist über Seile (Binsen) mit dem Türpfosten verbunden und lässt sich somit bewegen (von einem sehr ausgeglichenen, vielseitigen Jungen). 

2. Den eigenen Hausbau beschreiben 

Nach einer Stichwortsammlung an der Tafel - Material (Namenwörter), Arbeitsschritte beim Bauen (Tunwörter) - beschrieben die Kinder ihren Hausbau schriftlich. Hier zwei Beispiele: 

„Ich habe Steine in einem Kreis gelegt und Bäume daraufgestellt. Dann habe ich mit Weiden dazwischen geflochten und mit Lehm verdichtet. Dann habe ich einen Pfahl in die Mitte gestellt. Danach habe ich von der Wand aus Stöcke an den Pfahl gelehnt. Das ist das Dach. Dann habe ich die Schlitze mit Lehm abgedichtet.“

„Ich habe mein Haus aus Weiden gebaut. Erst habe ich kleine Löcher in den Boden gegraben, dann habe ich die Weiden in die Löcher gesteckt. Danach habe ich Weidenzweige um die anderen Weiden herum geflochten.“

 

Erkenntnisgespräch

Am nächsten Tag erzählten wir die Geschichte von den drei Hüllen des Menschen nach und hielten kurz inne bei dem wunderschönen und für manche auch tröstlichen Gedanken, dass der Mensch drei Hüllen besitzt, die ihn kräftigen und schützen. 

Dann haben wir uns gefragt, welche Art von Haus welchen Ort braucht: 

  • Das luftige Weidenhaus steht gut in warmen Gefilden. Es lässt den kühlenden Wind hindurchstreichen. 
  • Die stabilen Blockhäuser halten selbst Schneelawinen im Bergland aus. 
  • Einfache Häuser stehen gut im Flachland. 
  • Ein langfristig stabiles Haus braucht einen festen Untergrund. Zu nah am Wasser sollte man deshalb nicht bauen.  

Die Überleitung zu unserem praktischen Bauprojekt war damit möglich: Aus welchen Materialien sollte das Spielzeug- und Gerätehäuschen sein, das wir auf dem Gelände einer Kinderkrippe bauen würden? Wie groß sollte es sein? Wie könnte es aussehen? Anschließend stellte ich den Kindern das bereits fertige Modell unseres Bauprojektes vor, mit dem sie sehr einverstanden waren.

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