Texte zur Ackerbauepoche

Ein Beitrag von Elina Sieber (Freie Waldorfschule Cuxhaven)

In den folgenden Texten kam es mir nicht darauf an, den Kindern eine „ver-rückte“ Naturbetrachtung zu vermitteln, sondern dem natürlichen Bedürfnis nach Wesenhaftigkeit gegenüber der Natur, welches diesem Lebensalter noch gegeben ist, Rechnung zu tragen. Die Texte können sowohl zum Schreiben als auch zum Lesen dienen.

Elina Sieber

 

Des Menschen Speise

Die Erde war geschaffen. Sonne, Mond und Sterne wärmten und erhellten sie. Tiere liefen umher und allerlei Pflanzen wuchsen in Berg und Tal und auf den Wiesen. Da berieten sich die Pflanzen, was denn nun die Menschenspeise sein solle: „Welche Pflanze steckt alle Kraft in die Frucht und weniger in die Blüte?“

 

Der Rat der Pflanzen

Nachdem die Blumen sich lange beraten hatten, trat ein kleines schüchternes Blümlein hervor und sagte: „Wenn meine Früchte den Menschen als Nahrung dienen können, dann verzichte ich gerne auf schöne große Blüten.“ Alle bewunderten nun das bescheidene Pflänzlein, lobten es und bedankten sich. Als endlich die Früchte im Herbst reif wurden, sah man das goldgelbe Getreide in der Sonne leuchten.

 

Viele Helfer

Da staunten die anderen Pflanzen nicht wenig. Halm für Halm trug viele gelbe Körnlein. Da versprach die Sonne: „Ich werde dich noch mehr wärmen, damit du noch süßere Früchte tragen wirst.“ Auch der Regen stimmte mit ein: „Du sollst von mir durch die saftige Erde reichlich zu trinken bekommen.“ Wind, Frost und Schnee wollten auch das Ihre dazu beitragen: „Du sollst im Winter ruhen und Kräfte sammeln.

 

Das Geheimnis

Das Pferd und die Kuh sprachen: „Wir wollen den Acker bereiten helfen mit unserem Mist.“ Noch viele andere Geschöpfe der Erde, wie der Regenwurm und der Käfer, wollten nicht hinten anstehen: „Wir lockern den Boden auf und machen ihn fruchtbar.“ Sie redeten von einem Geheimnis. „Der Mensch muss durch fleißige Arbeit mithelfen, das Getreide zu gewinnen und zu ernten.“

 

Die Feldbestellung

Große Steine mussten die Bauern zuerst vom Feld entfernen. So begannen sie es zu bestellen. Dann brachten sie den Mist der Stalltiere auf, um die Erde fruchtbarer zu machen. Nun konnte das Pferd den Pflug über den Acker ziehen. Bei dieser mühevollen Arbeit musste der Bauer das Zugtier geschickt führen. Schnurgerade Furchen zog er kraftvoll durch die schwere Erde. War der Boden umgebrochen, konnte die Egge die Krume zerkleinern.

 

Aussaat – Reife – Ernte

Endlich war es Zeit für die Aussaat. In gleichmäßigen und langsamen Schritten ging der Landmann über das Feld und streute den Samen aus. Das Jahr hindurch konnten die Kräfte der Natur zur Wirkung kommen: Sonne, Mond, Wind und Regen, Frost und Schnee. Auch die kleinen Tiere in der Erde sorgten alle auf ihre Art für das Gedeihen und Wachsen des Getreides. Langsam reifte das Korn heran zur Ernte.

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