Fahrgastführerschein (2)

Ein Projekt im Rahmen der Heimatkundeepoche der 4. Klasse von Detlef Bosse (Freie Waldorfschule Neumünster)

Angeregt durch einen Artikel in der Erziehungskunst, der über ein ähnliches Projekt einer 5. Klasse in der Westpfalz berichtete (im Waldorf-Ideen-Pool: „Fahrgastführerschein Nr. 1"), begann ich selbst die Planung für das im Nachhinein sich als äußerst lohnenswert herausstellende Projekt des „Fahrgastführerscheins".

Neumünster liegt im Herzen Schleswig-Holsteins und wie wohl überall haben wir viele Fahrschüler aus der Umgebung.

So lag es nahe, im 2. Teil der Heimatkundeepoche, die „nähere" Umgebung, sprich ganz Schleswig-Holstein, zu erkunden und zu „erfahren". Der Umgang mit dem öffentlichen Nahverkehr und dessen Nutzung sollten gelernt werden und für die Zukunft als Fähigkeit zur Verfügung stehen.

 

Welche Schritte würden uns diesem Ziel näher bringen:

  1. Das Beschreiben des eigenen Schulwegs: Verkehrsmittel, durchfahrene Orte, Stadtteile, usw.
  2. Das Lesenlernen von Fahrplänen, das Heraussuchen von Anschlüssen.
    1. zunächst beim örtlichen Busverkehr,
    2. dann bei Linien, die ins Umland führen und
    3. schließlich beim Zugverkehr (Unterschiede von Ankunfts- und Abfahrtsplänen, Bedeutung von RB, RE, IC ...)
  3. Wie ermittle ich Fahrpreise? Welche Auskunftsmöglichkeiten gibt es? Was ist ein Wagenstandanzeiger oder die Bahnhofsmission?

 

Gebraucht wurden viele Fahrplanbücher (Klassensätze) und Unterstützung für die Erstellung längerer Routen durch Schleswig Holstein. Denn das Gelernte sollte natürlich praktisch angewendet werden.

Dafür wurde der örtliche Energieversorger (SWN) angesprochen, der gleichzeitig für den Busverkehr zuständig war. Der Mitarbeiter für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei der SWN konnte schnell für das Projekt begeistert werden.

Vierzehn Tage lang würde nun im Klassenzimmer geübt. Schließlich konnten die 8 Gruppen mit je 4 Kindern selbständig Verbindungen heraussuchen, Anschlüsse finden, Auskunftsmöglichkeiten nutzen.

Der vorletzte Tag der Epoche nahte - der Tag, an dem 8 Schülergruppen morgens 8 verschiedene Routen erhielten, die sie in die verschiedensten Regionen Schleswig-Holsteins führen sollten.

Es blieben 30 Minuten Zeit, um im Klassenzimmer die ersten Verbindungen herauszusuchen. Dann mussten alle zum Bus, der zum Hauptbahnhof fuhr. Hier trennten sich die Wege der 8 Gruppen, die jeweils nur von einem „stummen" Erwachsenen (Elternteil) begleitet wurden. Dieser durfte nicht helfen (nur im echten Notfall) und diente als Aufsichtsperson.

Alle Gruppen trafen 5 - 6 Stunden später wohlbehalten wieder in Neumünster ein: stolz, um viele Erfahrungen und echte Fähigkeiten bereichert.

 

Hier sehen Sie einen Aufgabebogen, den zum Beispiel eine der 8 Gruppen am Morgen des Praxistages erhielt.

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