Bau eines Kohlemeilers - lebendige Heimatkunde im Schwarzwald

Ein Beitrag von Magdalene Dycke (Freie Waldorfschule Schopfheim)

Die 4.Klasse der Freien Waldorfschule Schopfheim im Süd-Schwarzwald hatte das große Glück, gemeinsam mit dem Köhler Peter Behringer im Rahmen  der ersten Klassenfahrt während 4 Tagen einen Kohlemeiler aus 13 Ster Buchenholz aufzubauen zu dürfen.

Auf engstem Raum erlebten die Kinder während dieser Zeit intensiv die typischen alten Berufe des Schwarzwaldes kennen, welche die heutige Landschafts- und Besiedelungsform geprägt haben. Wenige Meter vom Besucherbergwerk Finstergrund, in dem früher Fluorit abgebaut wurde, befindet sich der alte Köhlerplatz direkt am Bach.

Hier hatte Köhlermeister Behringer bereits den Holzrost und „Schacht" vorbereitet, auf dem die 1 Meter langen Buchenhölzer dicht an dicht in 2 Etagen um den Schacht angestellt wurden. Für den „Hut" wurden kurze Hölzer oben um den Schacht gelegt und bildeten so den Abschluss des Holzaufbaus.

Jetzt musste viel Reisig im Wald geholt und gleichmäßig lang zugerichtet werden. Etwa eine Spanne lang wurden die Zweige oben am Stiel abgeknickt, so dass ein „Haken" entstand, mit dem man die Zweige im Holz gut einhängen konnte. Für die Kohleherstellung ist es notwendig, den Meiler nahezu luftdicht zu „verpacken", damit beim  Durchglühen die Luftzufuhr ganz gezielt durch Luftlöcher und den unteren Rost erfolgen kann.

So bekam der Holzstapel einen dichten Mantel aus grünen Zweigen, bis am Ende kein Holz mehr zu sehen war. Jetzt kam die schwerste Arbeit: der ganze Meiler musste mit der „Lösche", dem Kohlestaub der alten Meiler, komplett abgedeckt werden. Schaufel um Schaufel hieß es anwerfen und andrücken, bis 1 Meter Höhe erreicht war. Durch Zugabe von Wasser wurde verhindert, dass die Lösche immer wieder herunter bröselte.

Mit dicken Meterhölzern und einer Schicht Reisig wurde der untere Teil stabilisiert und bildete gleichzeitig die Unterlage für den oberen Teil des Meilers. Mit viel Geduld und Anstrengung war es am Ende doch geschafft - der ganze Meiler war schwarz verpackt - und wurde zum Abschluss noch mit leuchtend gelben Herbstblättern geschmückt.

Am Michaelitag zünden wir im Beisein der Eltern den Meiler an. Dabei wurde der Schacht nach und nach mit viel Glut und Holzstücken befüllt. Als diese Befüllung gut brannte, konnte der Schacht oben geschlossen und mit Lösche abgedichtet werden. Durch gezielt angebrachte Löcher oben und unten für die Zu- und Abluft, kann der Verkohlungsprozess genau gesteuert werden. Köhler Peter Behringer versorgte für uns anschließend während 8 Tagen den glühenden Meiler, ständig wachsam, den Verkohlungsprozess beobachtend.

Am 8.Oktober machte sich die Klasse nochmal auf den Weg, um den spannenden Prozess des Aufmachens mitzuerleben. Tatsächlich: das ganze Holz hatte sich in schwarze Kohle verwandelt, wurde glutheiß auseinander gezogen und vorsichtig mit Wasser abgelöscht.

Staunend begutachteten die Kinder ihre Kohle und durften noch am Abend ein Säckchen voll mit nach Hause nehmen.

Da von 36 Kindern immer nur ein Teil am Meiler arbeiten konnte, war immer eine Gruppe im Wald rund um den Meiler unterwegs. Die Kinder schnitzten Runen-Stäbe, sammelten Pilze, bauten Hütten und gestalteten Wappen aus Blättern und Ästen. Besonders spannend war es, auf den alten Abraumhalden des Bergwerkes wunderschöne Quarzkristalle und Mineralien zu finden. Neben dem Meiler wurden an der Feuerstelle Holzkohle-Stifte aus Haselstöckchen hergestellt, mit denen anschließend gezeichnet werden konnte. Einige Kinder versuchten sich als Flößer, bauten kleine Modell-Flöße und flößten diese den Bach abwärts. Der Besuch in der Tiefe des Bergwerkes sowie die Wanderung auf den „Kopf" des Stollens beeindruckte die Kinder besonders. Zu Fuß ging es die steilen Hänge durch Weiden und Wiesen hinauf, vorbei an Ziegen- und Kuhherden, mächtigen „Weid-Buchen" und entlang langer Brennholz-Stapel, an denen man die Maßeinheit des „Ster" anschaulich erleben konnte. Dann weitete sich der Blick in die Ferne über das Wiesental mit Belchen und „Hoher Möhr" und im Süd-Osten zeigte sich sogar die Schweizer Alpenkette. Diese Eindrücke fügten sich insgesamt zu einem Gesamtbild der Heimat „Schwarzwald" zusammen, wie es eindrücklicher nicht sein könnte. Ich bin allen dankbar, die diese gelungene Woche unterstützt und ermöglicht haben.

Wieder einmal für mich ein Plädoyer: Schule muss zunehmend draußen in der Welt stattfinden!

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