Der Islam

Das Weltreich der Kalifen besteht längst nicht mehr. Die Glau­benslehre Mohammeds aber ist zu einer Weltreligion geworden, die heute etwa 350 Millionen Anhänger zählt. Ihr Name Islam bedeutet Hingabe an Allah. Er ist der allmächtige Herrscher der Welt, ohne dessen Willen nichts geschieht, es sei gut oder böse. Darum ergibt sich der Gläubige getrost in sein Schicksal und hofft auf Gottes Erbarmen beim Weltgericht. Denn Allah ist auch Rahman, der Erbarmer.

Der Koran, die Bibel der Mohammedaner, beginnt mit dem Gebet:
Preis sei Allah, dem die Welt Untertan, dem König des Gerichts, dem barmherzigen Rahman! Dich beten wir an, dich rufen wir an: Leite du uns auf die gerade Bahn, zu wandeln als solche, denen du wohlgetan, die dein Zorn verschont und die frei sind von Wahn!

Mohammed gilt als Allahs Gesandter, der nach Abraham, Moses und Jesus die ganze Wahrheit Gottes ans Licht gebracht hat und den Menschen den rechten Weg weist. In jeder mohammedanischen Stadt hallt fünfmal täglich vom Minarett der Moschee, dem schlanken Tempelturm, das Bekenntnis des Gebetrufers über die Dächer:

Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah! Ich bezeuge, dass Mohammed Gottes Gesandter ist!

Dann eilen die Männer in die Moschee, waschen sich und beten, beides nach genauen Vorschriften. Sie knien in Reihen, das Gesicht gegen Mekka gewandt, erheben mehrmals bittend ihre Arme und beugen sich wieder vornüber, bis ihre Stirn den Boden berührt. Wer keine Moschee erreichen kann, betet auf dem Felde, unterwegs, im Familienkreis. Zur Waschung darf notfalls auch Sand verwendet werden.

Die Familie eines Moslem - so heißt der mohammedanische Gläu­bige - kann groß sein; denn Mohammeds Lehre erlaubt ihm gleich­zeitig bis zu vier Frauen, sofern er seine Kinder genügend versorgt. Doch soll ein Zehntel seines Einkommens armen Leuten, Waisen, Pilgern und Bettlern zugute kommen. Im Monat Ramadan, dem neunten im mohammedanischen Mondjahr, darf der Fromme von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht essen, trin­ken, rauchen. Und wenigstens einmal im Leben soll er eine Pilger­fahrt nach Mekka unternehmen, die Kaaba umschreiten und den schwarzen Stein küssen.

 

Die fünf Säulen des Islam

Das sind die «fünf Säulen des Islam»:

das Glaubensbekenntnis,
das Gebet,
die Almosenspende,
das Fasten und
die Wallfahrt.

Die tiefste Frömmigkeit aber bekundet der Moslem dadurch, dass er auch in Not und Trübsal geduldig bleibt und lebens­lang mehr an die andern als an sich selber denkt. Alte Überlieferung berichtet von Aussprüchen des Propheten, die an Jesus Christus erinnern:

Speise die Hungrigen und verbreite Frieden unter Bekannten und Unbe­kannten! Wünsche deinem Bruder, was du dir selber wünschest! Tue Gutes deinem Nächsten! Wer einen Gläubigen von einer Traurigkeit dieser Welt befreit, den befreit Allah von einer Traurigkeit am Jüngsten Tage. Wer einem Bedrängten Erleichterung schafft, dem schafft Allah Erleichterung in dieser und jener Welt. Allah hilft dem Menschen so, wie der Mensch seinem Bruder hilft.