ISLAND zwischen Eis und Feuer

Aus Feuer geboren und von Eis überzogen. Es ist, als blicke man auf Island direkt ins Herz der Erde. Island ist naturgewaltig, extrem, wunderschön, mystisch. Überall auf der Insel kocht, brodelt und dampft es. Geysire, Polarlichter, Vulkane, zu mystischen Figuren erstarrte Lava, atemberaubende Wasserfälle, hier sind die Sagen von Trollen und Elfen noch lebendig. Island ist anders.

Im 9. Jahrhundert nach Christus machten sich Wikinger auf Schiffen mit ihren Pferden und Schafen von Norwegen ins Nordmeer auf, um ein besseres Leben zu finden. Aus Norwegen waren sie vor einem grausamen König geflohen. Auf den britischen Inseln fanden sie keine geeigneten Siedlungsgebiete und so segelten sie bis nach Island, das von Norwegen 1000 km entfernt war. Als sie an Land gingen, glaubten sie sich in der Welt ihrer Götter wiederzufinden. Genauso hatten sie sich den Beginn der Welt vorgestellt. Hier schien es, als würden sich die Feuerriesen von Muspelheim auf die Eisriesen von Niflheim treffen. Hoch oben auf den Eisbergen thronte der Göttervater Odin.

Auf dieser Vulkaninsel konnten die Wikinger ihren germanischen Götterglauben lange Zeit ganz unbeeinflusst pflegen. Erst im 13. Jahrhundert erreichte die Christianisierung auch das ferne Eiland im Polarmeer. Der Glaube an die Existenz von Elfen und Trollen ist in Island noch immer verbreitet. Und selbst beim Straßenbau nimmt man auf mystische Orte Rücksicht.

Für die ersten Wikinger war es nicht leicht in dieser Wunderwelt zu leben. Island ist ein Land voller Hindernisse. Ursprünglich und schroff, voller Wasserfälle und Flüsse, die sich einem in den Weg stellen. Die Pferde waren für die Isländer mehr als zähe Arbeitstiere, sie galten als Wesen zwischen den Welten, als treue Gefährten der Menschen und Götter. Die Islandpferde haben sich zu einer weltweit gefragten reinen Rasse entwickelt. Ein Pferd, das einmal außer Landes gekommen ist, darf nie mehr zurück.

Hoch oben im Norden liegt Europas jüngste Insel. Sie ist vor rund 20 Millionen Jahren entstanden. Island liegt exakt auf dem mittelozeanischen Rücken, der auf der Insel sogar sichtbar wird. Auf Island begegnen sich die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte. Man kann stellenweise beide Kontinentalplatten mit einer Armspanne gleichzeitig berühren. Seine Lage macht Island zur größten Vulkaninsel der Welt. Alle fünf Jahre bricht auf Island im Schnitt ein Vulkan aus. Niemand weiß wann und wo das geschehen wird. Im Bewusstsein dieser Gefahr leben die Isländer. Unter der gesamten Insel brodelt eine gigantische Menge flüssigen Gesteins. Man könnte meinen, hier sei das Tor zur Unterwelt. Vulkane sind Fenster in das Innere der Erde.

Heute ist Island eine karge Insel. Als die Wikinger vor 1100 Jahren kamen, waren weite Regionen Islands von Wald bedeckt. Er reichte von den Bergen bis hinunter zum Meer. Die Isländer rodeten das Holz und bauten daraus ihre Häuser und Schiffe. Auf den dadurch entstandenen freien Flächen ließen sie ihre Schafe weiden. Bis heute dürfen sie sich ungehindert im Hochland bedienen. Jeden neuen Keimling fressen sie sofort weg. Einst war mindestens ein Viertel von Island bewaldet. Aus Wald wurde Wüste.

Die Isländer hatten sich damit ein Problem selbst geschaffen: Wie sollten sie bloß ohne Holz leben, noch dazu als Seefahrernation? Holz war für ihre Schiffe unabdingbar. Ihre Rettung ist eine Laune der Natur. An Islands Nordküste wird Holz einfach angeschwemmt. Die Bäume kommen aus dem Meer. Ganze Wälder konnte man hier im Laufe der Zeit einsammeln. Aber wie ist das zu erklären? Das Holz stammt aus dem rund 4500 km entfernten Sibirien. Dort gibt es riesige Wälder und die großen Flüsse spülen viele Holzstämme ins Meer. Vor der Küste Russlands frieren die Bäume im Eis fest. Diese Schollen werden vom Transpolarstrom und vom Grönlandstrom Richtung Island getragen. Dieser Transport dauert etwa 3-4 Jahre.

Trotz seiner nördlichen Lage ist Island überraschend grün. Der Golfstrom beschert der Vulkaninsel Temperaturen, die im Schnitt 10 °C über dem der Ozeane auf demselben Breitengrad liegen.

Die Landschaft

Nicht nur die Sagen, Legenden und Götterbotschaften auf Island sind voller Mythen – es ist vor allem auch die Landschaft, die voller dunkler Ahnungen und Überraschungen steckt. Island wirkt auf Schritt geheimnisvoll. Der Mythos steckt tief in seinem Landschaftschaftscharakter. Hinter Felsnasen und über gleißenden Gletscherbahnen, in hochaufragenden Steilwänden, die blau und violett schimmern, hinter Nebelschleiern und in brausenden Wasserfällen zeigen sich Gesichter und Erscheinungen.
Schon die Namen der Fjorde bringen zum Ausdruck, was den Besucher auf Island erwartet. Sie heißen Höllenbucht, Schwanenmoor, Kalte Lagune, Wonnetal, Hünebucht.

Die Insel – die zweitgrößte Europas hinter Großbritannien –ist gebirgig, ungefähr drei Viertel des Landes liegen mehr als 200 Meter über dem Meer und über als die Hälfte mehr 400 Meter. Der höchste Gipfel ist der Hvannadalshnúkur (2.119 m), der aus dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, aufragt.

Große Teile Islands sind gänzlich unbewohnt, 11% seiner Fläche sind von Gletschern bedeckt, 10% von Lavafeldern und 3% von Wasser, nur 1% ist kultiviert. Diese Vulkanzone erstreckt sich über gut 35.000 Quadratkilometer und bedeckt etwa ein Drittel der 103.000 Quadratkilometer großen Insel. Das vulkanische Gebiet ist damit beinahe so groß wie die Schweiz (41.000 Quadratkilometer). Das vulkanische Gebiet zieht sich als Streifen von Norden nach Süden durch die Mitte der Insel. Hier gibt es Kegelvulkane, Gletschervulkane, Tafelvulkane und Ringwallvulkane. Man stößt auf Feuerspalten, Lavahöhlen, kochende Schwefeltümpel, heiße Quellen und Geysire, die ihre Fontänen viele Meter in den nordischen Himmel schleudern. Eine Landschaft wie geschaffen für Mythen und Sagen.

 

Bewohner

Island ist mit rund 103.000 Quadratkilometern der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas. Mit etwa 317.000 Einwohnern auf dieser Fläche ist die Insel aber auch eines der dünnst besiedelten Gebiete auf unserem Kontinent. Im Gegensatz zu anderen westlichen Staaten wächst die Bevölkerung, von der etwa 93 Prozent die isländische Staatsbürgerschaft hat, stetig an. Ein Großteil der Einwohner lebt in der Hauptstadt Reykjavík (119.848, Stand Juni 2010) und den umliegenden Gemeinden, die anderen entlang der Küste, denn Islands Mitte ist nicht nur unbewohnt, sondern auch unbewohnbar.

 

Das Klima ist gar nicht so kalt

Island liegt im Nordatlantik südlich des nördlichen Polarkreises. Das Klima ist aufgrund des warmen Golfstroms milder als in anderen Regionen dieser Breitengrade. Im Winter ist es vergleichsweise mild, im Sommer eher kühl. Die Durchschnittstemperatur beträgt im Juli 12°C, im Januar minus1°C. Das Wetter in den verschiedenen Landesteilen wird stark von der Windrichtung beeinflusst. Bei Südwind kann es an der Südküste regnen, während im Norden die Sonne scheint und es über 20°C warm werden kann. Trotz guten Wetters im Tiefland kann es auch im Sommer im Hochland bei Nordwind und niedrigen Temperaturen schneien.

 

Plötzliche Wetterstürze

Gefürchtet sind auf Island die plötzlichen Wetterstürze. Sie kommen in den Westfjorden nicht selten vor. Auch im Sommer können aus heiterem Himmel dichte Nebel die Orientierung erschweren und die Fahrt auf den holprigen wenig befestigten Straßen noch beschwerlicher machen. Das Wetter ist in der Regel sehr viel unbeständiger als in Mitteleuropa, und es regnet auch sehr viel häufiger. Bei einem Aufenthalt in Island sollte man daher nie ohne Regenschutz auf Wanderschaft gehen, denn das Wetter schlägt oftmals blitzschnell um, so ähnlich wie wir es vom April her gewohnt sind.

 

Geysire

Faszinieren sind auch die vielen Geysire auf Island. Es gibt dort so viele Geysire, weil die Insel auf dem mittelatlantischen Rücken sitzt. An dieser Schwachstelle der Erdkruste steigt Magma auf, und es bilden sich Magmakammern in Hohlräumen des Gesteins.

Dadurch werden die benachbarten Gesteine erhitzt. Wasser, das im Untergrund zirkuliert, wird dabei erwärmt. Kann sich dieses Wasser frei zur Erdoberfläche zurückbewegen, entstehen lediglich heiße Quellen oder blubbernde Schlammlöcher.
Ist eine Quellröhre jedoch derart gebaut, dass das Wasser teilweise im Gestein eingeschlossen bleibt, kann es nicht sieden, auch wenn die entsprechende Temperatur längst überschritten ist. Es überhitzt und eine Dampfblase baut sich auf, wodurch das heiße Wasser explosionsartig nach oben geschleudert wird.

Tritt nur Dampf aus, spricht man von einer Fumarole. Ein steter Wasserzufluss bewirkt die ständige Wiederholung dieses Vorgangs - oft in regelmäßigen Abständen. Daher braucht man nur ein wenig Geduld, um den nächsten Geysir beobachten zu können.

 

Vulkanfelder an der Krafla

 

Lavaströme

Mitternachtssonne und dunkle lange Winter

In ganz Island sind die Sommermonate hell, und sowohl Frühling als auch Spätherbst erfreuen sich langer Dämmerungsphasen. So geht während der Sommermonate in Island die Sonne nie richtig unter. Um Mitternacht wird es kurz dämmrig und auch kühler, nach einer kurzen Dämmerphase wird es dann allmählich wieder heller. Besonders im Landesnorden lässt sich die Mitternachtssonne in Juni gut beobachten. Dort kann man durchgehend die Strahlen der Mitternachtssonne genießen. Die wirklich dunkle Zeit mit drei bis vier Stunden Tageslicht dauert von Mitte November bis Ende Januar. Die Durchschnittstemperatur in den Monaten von Juni bis August liegt in Island bei etwa fünfzehn Grad Celsius.

Trotz aller Fortschritte der Technik und trotz allem Komfort ist das Leben vor allem im Winter rauh und beschwerlich. Über Wochen hinweg fällt kein einziger Sonnenstrahl in die Gassen der Städte und auf die Gehöfte draußen, die von den Lavafelsen verdeckt oder eingekesselt sind. Wenn allerdings das Tagesgestirn rot wie ein Feuerball zum ersten Mal wieder über den kahlen Gipfeln erscheint, wird gefeiert. Dann treffen sich die Bewohner „zum Sommerkaffee“, wie sie ihre Feten nennen.

 

Das Nordlicht

Im Herbst und frühem Winter kann man oft Nordlichter bei klarem Nachthimmel beobachten. Nordlichter werden auch als Polarlichter oder Aurora Borealis bezeichnet. Sie werden von hochenergetischen Teilchen, die von der Sonne stammen, verursacht. Die Teilchen dringen in die Atmosphäre der Erde ein, stoßen dabei mit Luftmolekülen zusammen und regen diese zum Leuchten an. Da die Teilchen elektrisch geladen sind, folgen sie den Feldlinien des Erdmagnetfeldes und werden so hauptsächlich in Richtung Nord- und Südpolarregion gelenkt. Deshalb sind die durch sie verursachten atmosphärischen Leuchterscheinungen in den Polregionen wesentlich häufiger zu sehen, als z.B. in Deutschland.

Die Stärke der Polarlichter hängt vor allem von der Stärke des Teilchenstromes von der Sonne ab. Da die Aktivität der Sonne nicht konstant ist, kommt es zu erheblichen Schwankungen in der Stärke des Teilchenstromes. Polarlichter sind nur zu sehen, wenn er eine gewisse Mindeststärke erreicht. Die Aktivität der Sonne zeigt gewisse Zyklen, u.a. den elfjährigen Sonnenfleckenzyklus. Je mehr Sonnenflecken auftreten, desto aktiver ist die Sonne und umso mehr hochenergetische Teilchen schickt sie Richtung Erde.

Die beste Zeit, um Nordlichter in Island zu beobachten, ist natürlich das Winterhalbjahr - bei Tageslicht ist das Phänomen nicht zu erkennen. Voraussetzung ist außerdem ein möglichst wolkenfreier Himmel, da das Nordlicht weit oberhalb der Wolken entsteht und von ihnen geschluckt wird.

Die Polarlichter können in unterschiedlichen Farben auftreten. Während grünes Licht von Sauerstoffatomen in etwa 100km Höhe stammt, kommt das rote Licht von Sauerstoffatomen in rund 200km Höhe. Nur relativ selten reicht die Energie der Sonnenteilchen aus, um Stickstoffatome zum Leuchten anzuregen - sie senden dann blaues und violettes Licht aus.

Heutige Entwicklung

Der zweitgrößte Inselstaat Europas hatte im letzten Jahrhundert eine rasante Entwicklung vom landwirtschaftlich geprägten Land zur Dienstleistungsgesellschaft mit inzwischen jährlich mehr Besuchern als Einwohnern. Bis heute ist der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle Islands. Die Westfjorde profitieren von den modernen Fangmethoden unserer Zeit. Sie haben es dadurch zu einem gewissen Wohlstand gebracht. Ihr Lebensstandard ähnelt heute bereits dem anderer skandinavischer Länder. Die Lebenshaltungskosten bewegen sich ebenfalls auf dem Niveau von Skandinavien.