Pilze

Hans Reismann

Unter Büschen und Bäumen in der feucht-modrigen Dämmerwelt ist der liebste Aufenthalt der Pilze. Sie werden nicht von Bienen und Schmetterlingen besucht. Sie bilden keinen süßen Nektar, riechen höchstens erdig, manche stinken sogar. Pilze bilden ein eigenes Reich. Eigentlich gehören sie nicht zu den Pflanzen, denn sie besitzen kein Blattgrün und kommen weitgehend ohne Tageslicht aus. So wachsen zum Beispiel Champignons auch in völliger Dunkelheit.
 


Pilze haben weder Blüten, noch Blätter, noch Stiele und im Grunde auch keine Wurzeln. Was wir als den Pilz bezeichnen ist eigentlich nur die Frucht wie ein Apfel. Der Pilz an sich wächst nämlich unter der Erde. Er besteht aus einem blassen, weitverzweigten Fadengeflecht, welches man Myzelium nennt. Es kann sich über mehrere Quadratmeter ausdehnen.

Im Wald findet man Pilze nicht selten im Kreis angeordnet. Solche Kreise nennt man Hexenringe. Ursprünglich hat in ihrer Mitte ein Pilz gestanden. Von dort aus breitete sich sein Fadengeflecht unterirdisch gleichmäßig nach allen Seiten aus, daher die Kreisform.

Würde man einen Pilz nehmen und ihn in Gartenerde pflanzen, so würde er dort nicht gedeihen. Ihm fehlt die Kraft, vom Sonnenlicht und den Nährsalzen der Erde zu leben, wie es die Pflanzen tun. Ihr Fadengeflecht durchzieht den Boden wie Schimmel ein feucht gelagertes Brot. Pilze brauchen abgestorbene Pflanzenreste oder sich zersetzen Teile von Tieren. Von diesen ernähren sie sich und beschleunigen deren Zersetzungsprozess. Pilze erscheinen dort, wo etwas krank ist, etwas zerfällt, abstirbt oder verrottet. An gesunden Bäumen findet man keine Pilze.
 


Die meisten Pilze haben einen Hut mit einem „Futter“, in dem sie Sporen bilden. Bei manchen ist das Futter weich und schwammig und von Röhren durchzogen wie beim Steinpilz. Bei anderen besteht das Futter aus Lamellen wie beim Kleiner Waldchampignon, aber auch beim Roten Fliegenpilz.

Den größten Teil des Jahres führen sie ein Leben unter der Erde. Jedoch im Spätsommer und Herbst schießen Pfifferlinge, Champignons und Steinpilze beinahe über Nacht aus dem Boden. Jetzt kann man sie sammeln, die Pilzsaison hat begonnen. Man darf aber nur die Pilze nehmen, die man ganz sicher kennt. Manche kann man mit giftigen Pilzen verwechseln. Neunzig Prozent aller Pilzvergiftungen mit tödlichem Ausgang gehen auf den grünen Knollenblätterpilz zurück. Er riecht angenehm süßlich und hat einen milden Geschmack. Zahlreiche Gifte wirken erst Stunden nach dem Verzehr – teilweise erst 5 bis 20 Stunden. Dann kann eine Magenentleerung nicht mehr helfen.