Halligen

Die Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Inseln im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Die „sichtbare" Besonderheit einer Hallig besteht darin, dass sie während einer starken Flut mit Ausnahme der Warften, künstlich aufgeschütteten Hügeln, auf denen die Häuser stehen, überspült wird („Landunter"). Wichtiger ist die nicht auf den ersten Blick ersichtliche Tatsache, dass der Halligboden kein Süßwasser speichert, sodass Halligen außer Regenwasser kein natürliches Süßwasser haben. Früher wurde deswegen Regenwasser in Fethingen gesammelt.

Die zehn bis 956 Hektar großen Halligen sind meist Reste des Festlandes oder von Inseln, die als Überbleibsel des in Sturmfluten untergegangenen Landes stehengeblieben sind oder teilweise durch Aufschwemmungen der Nordsee entstanden. Es gruppieren sich die zehn deutschen Halligen kreisförmig um die Insel Pellworm, die selbst keine Hallig ist.

 

Lebensweise auf den Halligen

Da Landwirtschaft auf den Halligen nicht möglich war, arbeiteten fast alle Männer als Seefahrer und Walfänger, während die Frauen Heu machten und sich um das Vieh, auch Sommervieh vom Festland, kümmerten. Bis in die 1940er Jahre herrschte auf Hooge Allmendewirtschaft, während auf anderen Halligen das Land jedes Jahr nach den Winterstürmen neu vermessen und aufgeteilt wurde. Durch Verarbeitung von Schafwolle und Verkauf der Erzeugnisse verdienten die Frauen Geld hinzu.

Für die tägliche Ernährung war man auf das angewiesen, was man auf der und um die Hallig herum fand (Porren, Fische, Vogeleier und Seevögel). Baumaterialien mussten von weither zu den baumlosen Halligen gebracht werden, weshalb man gerne Strandgut nutzte. Als Brennmaterial wurde bis ins letzte Jahrhundert hinein der Schafkot aus den Winterställen gesammelt, zu Ditten genannten Klumpen geformt und in der Sonne getrocknet. Zu diesem Zweck wurden manchmal auch Kuhfladen benutzt. Als Alternative konnte bei Ebbe Seetorf gewonnen und getrocknet werden.

Da der Marschboden der Halligen kein Süßwasser speichert, war die Bevölkerung auf Regenwasser angewiesen, das in zwei verschiedenen Reservoirs an der höchsten Stelle der Warft, dem Sood, einer vor Verschmutzung geschützten Zisterne für das Trinkwasser der Menschen, und dem Fething, der dem Vieh zugänglichen Wasserkuhle, gespeichert wurde. Seit den 1960er Jahren wurden Wasserleitungen vom Festland zu einigen Halligen gebaut. Die Halligen Südfall, Norderoog und Süderoog verfügen jedoch bis heute nicht über eine Frischwasserleitung.

 

Salzgewinnung

Geld verdienen auf der Hallig ließ sich fast nur durch Torfabbau und Salzsiederei, auch wenn der Anteil, den König und Herzog forderten, enorm war. Geschützt durch Kajedeiche wurde der unter dem Marsch- bzw. Wattboden liegende Salztorf, abgestorbenes, mit Salzwasser vollgesogenes Moor, abgebaut, getrocknet und verbrannt. Die Asche wurde mit Salzwasser vermischt und in der „Salzbude" in einem Kessel gesiedet, bis das Salz vollkommen trocken war. Alleine auf Galmsbüll gab es 16 Salzbuden. Die Torfgewinnung war in hohem Maße gefährlich, wenn die abgebauten Gebiete unter das Niveau des mittleren Hochwassers gerieten. Die Halligbewohner gruben sich sozusagen selbst das Land ab. 1515 wurde der Salzabbau verboten, um den Landverlust zu stoppen, trotzdem wurde auf Galmsbüll noch bis 1782 Salz abgebaut. 1800 musste die stark geschrumpfte Hallig aufgegeben werden.

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