Laternenumzug

Corinne Ammann (Kindergarten der Rudolf Steiner Schule Oberaargau, Langenthal, Schweiz)

Es dämmert bereits, als die ersten Kinder mit ihren Laternen eintreffen. Sie kennen den Besammlungsplatz, wo sie sich auch zum wöchtentlichen Waldtag treffen. Aber heute ist alles anders, statt Rucksack und Wurst tragen sie heute ein Räbeliechtli mit sich: Heute ist Martinstag, heute ist Laternenumzug

Wie auch die letzten Nachzügler eingetroffen sind, geht es los.Vorneweg die Kinder und die Kindergärtnerinnen, dahinter die Erwachsenen und Geschwister, die den Umzug begleiten. Gespräche verstummen, Lieder erklingen. In der einfallenden Dunkelheit beginnen die liebevoll geschnitzten Räben wunderbar zu leuchten.

Fröhlich zieht der Umzug durch den dunklen Wald, fast etwas unbeschwert und doch feierlich ist die Stimmung.

Alle sammeln sich dann in zwei Kreisen: im inneren die Kinder, im äusseren die Erwachsenen. Die Laternen im Zentrum des Kreises erleuchten die gebannten Kindergesichter.

Nach dem Reigen mit Versen und Liedern darf jedes Kind eine Kerze in das Zwergenreich tragen, das die Kinder mit den Kindergärtnerinnen am Vortag gebaut haben.

Alle gehen dann zurück in den Kreis, wo es ganz still wird: Es ist Zeit für eine Geschichte.

Danach zieht der Umzug weiter durch den Wald. Die eine oder andere Laterne
muss gerichtet werden, Arme werden langsam müde und Kerzen müssen neu angezündet oder ersetzt werden, weil durch zu eifriges Schwingen der Wachs ganz ausgelaufen ist.

Nach der Dunkelheit des Waldes wirkt der mit Kerzen beleuchtete Tisch am Waldausgang warm und einladend. Es gibt etwas Warmes zu trinken und ein frisch gebackenes Brötchen, dann machen sich alle mit leuchtendem Herzen auf den Heimweg.

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