Tief im Fischteich

Ein Beitrag von Christiane Schneider (Waldorfkindergarten Krefeld Fichtenhain)

Nach Maria Lichtmess, also etwa zwei Wochen vor Karneval, beginnen die Vorbereitungen für unser Karnevalsfest. Zunächst werden wie immer die Tücher gebügelt und die Materialien bereitgelegt, dann starten wir langsam mit dem Schmücken. Zu Beginn gibt es einen Aushang zum Karnevalsthema. In diesem Jahr stand alles unter dem Motto „Unterwasser“. Karneval ist eigentlich kein Fest, das bei uns im Waldorfkindergarten im Mittelpunkt steht. Wir greifen es eher deshalb auf, weil es in der Lebenswelt der Kinder eine Rolle spielt, und versuchen, dem Ganzen auf unsere Art einen stimmigen Rahmen zu geben. Die Gruppenräume werden entsprechend umgestaltet: Ein Fischernetz wird an die Decke gehängt, Krepppapierstreifen in hell- und dunkelblau an der Decke sorgen für eine wellenartige Wasseroptik. Ein Junge brachte ein Buch zum Thema Unterwasser mit. Gemeinsam konnten wir darin viele spannende Dinge entdecken, wie Kraken, Quallen, Haie und kleine Fische. An unseren Backtagen haben wir thematisch passend gearbeitet: Statt Brötchen haben wir Fische, Quallen und Seesterne gebacken. Außerdem haben wir zwei Flaschenposten hergestellt. Die Kinder haben die Flaschen zunächst mit etwas Sand, Muscheln und wenigen Edelsteinen befüllt. Dann haben sie einen kleinen Brief „geschrieben“, welcher mit in die Flasche gelegt wurde. Die Flaschen wurden auf die Reise geschickt (blaues Tuch auf dem Jahreszeitentisch). Auf Tonkarton werden Fische in verschiedenen Farben gezeichnet, die die Kinder ausschneiden und bemalen können. Die fertigen Fische werden unter anderem als Fischschwarm an die großen, bodentiefen Küchenfenster geklebt.
 


Außerdem entstehen Seepferdchen, Seesterne, Kraken und kleine Quallen aus Tonkarton. Die Kinder lochen die Quallen und ziehen Wollfäden durch, die als Tentakel dienen. Diese Quallen werden in der Gruppe aufgehängt, an den Wänden und auch draußen im Flur. Zusätzlich wird grünes Krepppapier in Stücke geschnitten, gedreht und senkrecht an die Wände geheftet, sodass es wie Algen oder Wassergras aussieht. Auch Hexentreppen falten wir gemeinsam mit den Kindern. Während der gesamten Karnevalszeit stehen den Kindern die Fische, ihre anderen geschnittenen Werke sowie Glitzerstifte frei zur Verfügung, sodass sie ihre Arbeiten weitergestalten können oder auch im freien Spiel nutzen können. Als Freispielimpuls steht den Kindern eine Verkleidungskiste zur Verfügung, die sehr gerne und intensiv genutzt wird. Die winterliche Dekoration bleibt teilweise bestehen und wird nur punktuell vom Karneval überlagert, zum Beispiel am Jahreszeitentisch, der weiterhin winterlich gestaltet bleibt, während einige Hexentreppen die Karnevalsstimmung ankündigen. Auch einzelne Fenster und Fensterbänke werden zusätzlich zum Unterwasser-Thema geschmückt. Eine Woche vor Karneval hängt eine Liste für das Buffett aus. Die Eltern können sich eintragen und sehen, welche Leckereien besonders willkommen sind.

 


Am Tag vor Karneval, nachdem die Kinder abgeholt wurden, bereiten wir alles für den großen Tag vor. Die Brezelkette wird quer durch den Gruppenraum gespannt, ein „Fischteich“ aus blauen Tüchern wird ausgelegt, in den Fische gelegt werden. Darunter befinden sich auch kleine Überraschungsfische, bei denen zwischen zwei Fischen jeweils eine Hälfte von einem Bio-Obstriegel liegt. Auf einem der Gruppentische liegt ein blaues Tuch, auf welchem ein Körbchen mit Lochmuscheln, Gummiband und Nähnadeln steht, damit die Kinder später Muschelarmbänder fädeln können. Auf dem Tisch liegen Masken bereit, die die Kinder am nächsten Tag ausschneiden, mit Glitzersteinchen und Federn bekleben und mit einem Gummiband versehen können. In der Küche steht eine Schüssel mit Spülmittel und Strohhalmen für das Blubbern im Wasser.
 


Am Karnevalstag kommen die Kinder verkleidet in den Kindergarten. Als Begrüßung darf jedes Kind als erstes auf die Leiter steigen und sich eine Brezel von der Kette abbeißen, ohne die Hände zu benutzen. Danach können sie im Wasser mit Spülmittel blubbern, Masken ausschneiden und gestalten sowie Muschelarmbänder fädeln. Im „Fischteich“ können die Kinder Fische angeln, die mit Drahtösen versehen sind, und die geangelten Fische sowie die Überraschungsfische dürfen sie später mit nach Hause nehmen. Ich bin sonst ein Verfechter vom Freispiel, aber an solchen besonderen Tagen, an denen die Kinder besonders aufgeregt sind, finde ich es gut, wenn sie gezielt in Aktivitäten eingebunden werden. So können sie sich richtig auf die Angebote konzentrieren, ohne dass der Vormittag zu chaotisch wird, und erleben die Spiele und Aktionen bewusst mit. Nach dem Vormittag im Freispiel werden die Hände gewaschen, und die Tafel wird mit den von den Eltern mitgebrachten Leckereien eingedeckt. Tischservietten werden zu Fischen gefaltet, alles ist schön angerichtet und einladend. Dann versammeln sich die Kinder zum Morgenkreis: Der Tag wird mit dem Spruch begrüßt:

„Sei willkommen, lieber Tag,
die Nacht vor dir nicht bleiben mag,
leucht‘ uns mit deinem hellen Schein
in jedes Fensterlein hinein.“

Es folgt ein gemeinsames Lied, bei dem jedes Kind in seinem Kostüm begrüßt wird:

„Und wer als Qualle gekommen ist, tritt ein, tritt ein, tritt ein.
Und mache im Kreis einen tiefen Knicks, recht fein, recht fein, recht fein.
Und nun dreh dich, und nun dreh dich, hei hoppsa sa sa.
Und nun dreh dich, und nun dreh dich, hei hoppsa sa sa.“

Dieses Lied wird auf alle Kostüme übertragen, sodass jedes Kind einmal in der Kreismitte begrüßt und wahrgenommen wird.

Anschließend folgt ein lustiges, kleines Kreisspiel:

„Adam hatte sieben Söhne, sieben Söhne hatte Adam.
Sie aßen nicht, sie tranken nicht, sie waren alle liederlich
und machten so wie ich.“

Dazu beginne ich mit einer Bewegung oder Geste, z.B. Backen aufblasen oder in die Hände klatschen. Dann geht es einmal im Kreis herum, sodass jedes Kind an die Reihe kommt und die Gruppe seine Bewegung gemeinsam nachmacht. Ein lebendiges Spiel, bei dem alle Kinder aktiv beteiligt sind.

Mit dem Lied:

„Wir feiern heute Fasching, schimm, schamm, schumm.
Fifa, fifa, Fasching, pim, pam, pum.
Machen dies, machen das, machen Spaß, machen Spaß.
Pimme, pumme, pag, am Faschingstag.“

ziehen alle singend zurück in den Gruppenraum. Dort setzen sich die Kinder an die wunderbar gedeckte Tafel und genießen das Frühstücksbuffet. Nach dem gemeinsamen Essen gehen die Kinder nach draußen zum Freispiel, um sich nach dem aufregenden Vormittag auszupowern. Mittags werden die Reste des Frühstücks auf frische Teller verteilt, sodass die Kinder weiter schlemmen können. Am Ende des Tages dürfen die Kinder ihre Fische, die Masken und die Muschelarmbänder mit nach Hause nehmen und haben viel zu erzählen. So endet ein fröhlicher, bunter Karnevalstag.

Im nächsten Jahr wird uns auf jeden Fall der Kasper besuchen. Er wird ein bis zwei Wochen vor Karneval in der Gruppe einziehen, seinen Schabernack mit uns treiben und sicherlich viele Geschichten zu erzählen haben.

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