Maria Lichtmess im Waldorfkindergarten Krefeld Fichtenhain
Ein Beitrag von Christiane Schneider
Maria Lichtmess ist bei uns kein großes Fest, sondern eher ein kurzes Intermezzo im Jahreslauf. Es ist ein stiller Übergang, ein erster Blick in den kommenden Frühling.
Wir legen ein Ofenblech mit Alufolie aus, die glänzende Seite nach außen. Darauf stellen wir alle Kerzenreste, die sich im Kindergarten im Laufe der Advents- und Weihnachtszeit angesammelt haben. Diese werden angezündet und dürfen im Laufe des Tages ganz ausbrennen. So verabschieden wir symbolisch die Zeit der vielen Kerzen und des Winterlichtes.
Im Morgenkreis erzähle ich den Kindern von Maria Lichtmess als einer Zeit, in der das Licht spürbar zurückkehrt. Die Tage werden heller und länger, und auch die Natur beginnt sich langsam wieder zu öffnen. In dieser Zeit, so erzählt es eine alte Überlieferung, zieht die heilige Jungfrau Brigitta mit ihrem Hirsch über das Land. Alles, was sie berührt, beginnt zu erwachen: Schneeglöckchen und Märzenbecher zeigen sich, die ersten Weiden treiben aus und auch die Hasel beginnt zu blühen.
Passend dazu spielen wir gemeinsam ein kleines Fingerspiel:
Brigitta zieht übers weite Land,
(Hand sanft durch die Luft „wandern“ lassen)
der Hirsch geht still an ihrer Hand.
(Zwei Finger „laufen“ lassen)
Wo sie die kalte Erde berührt,
(Mit Fingerspitzen auf Boden oder Tisch tippen)
wird neues Leben sanft gespürt.
(Hände über den Boden streichen)
Schneeglöckchen wecken sich ganz leis,
(Finger langsam nach oben wachsen lassen)
Märzenbecher folgen im Kreis.
(Zweite Hand daneben wachsen lassen)
Die Weide zeigt ihr erstes Grün,
(Hand öffnen wie Blatt)
die Hasel lässt die Kätzchen blüh‘n.
(Finger locker nach unten schwingen lassen)
Das Licht wird heller, Tag für Tag –
(Hände langsam nach oben heben)
weil nun der Frühling kommen mag.
(Hände weit öffnen)
An unsere Gruppentür hängen wir ein selbst gemaltes Bild und einen Spruch zu Maria Lichtmess. So bekommen auch die Eltern einen kleinen Impuls und haben im Blick, dass wir diese besondere Zeit im Jahreslauf gemeinsam begehen.
In der Freispielzeit draußen nehme ich die Stimmung mit in den Garten. Gemeinsam mit den Kindern schaue ich, was sich bei uns schon regt: Ob wir erste Blüten entdecken, Knospen, die sich zeigen, oder vielleicht sogar ein Schneeglöckchen, das vorsichtig aus der Erde schaut.
So ist Maria Lichtmess für uns kein großes, festliches Ereignis, sondern ein leiser Moment des Wahrnehmens, ein Übergang vom Kerzenlicht zum wachsenden Tageslicht, vom Ruhen der Natur zum ersten Erwachen.
