Advents- und Weihnachtszeit im Waldorfkindergarten Krefeld Fichtenhain
Ein Beitrag von Christiane Schneider
Die Advents- und Weihnachtszeit beginnt bei uns Ende November mit dem Adventgärtlein, das immer am Freitag vor dem ersten Advent stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt ist das Haus bereits weihnachtlich geschmückt. Ab diesem Morgen treffen wir uns zum Morgenkreis nicht mehr im Nebenraum, sondern versammeln uns im Gruppenraum zu einem Stuhlhalbkreis um den Jahreszeitentisch. Bis sich alle Kinder die Hände gewaschen haben, stimmen wir uns mit einem Kreisspiel ein, zum Beispiel mit dem Klatsch-Singspiel „Was machen wir in der Weihnachtszeit“ oder mit dem Bewegungs-Lied „In dem Tannenwald”. Der Adventskranz steht auf einem Hocker in der Mitte des Kreises. Die Kerze auf dem Jahreszeitentisch entzünde ich mit dem Spruch:
„Es brennt eine Kerze, ein helles Licht,
es dunkelt der Tag und verdichtet sich,
es kommt nun die stille, die heilige Zeit,
wir machen das Herz für das Kindlein bereit.“
Nach dem ersten Advent singen wir beim Anzünden die erste Strophe von „Wir sagen euch an den lieben Advent“, nach dem zweiten Advent die erste und zweite Strophe und so weiter in den folgenden Wochen. Auf dem Jahreszeitentisch liegt ein Weg aus goldenen Sternen, der die Tage bis zu den Weihnachtsferien symbolisiert. Maria und Josef wandern diesen Weg entlang, begleitet vom Lied:
„Wandern, wandern, nah und fern,
leuchtet uns ein heller Stern,
durch das Dunkel, durch die Nacht,
Gott hält über alle Wacht.“
Der jeweilige Stern wird anschließend vom Weg genommen und an das blaue Tuch hinter dem Jahreszeitentisch geklebt, während der Spruch gesprochen wird:
„In der dunklen Nacht ist ein Stern erwacht,
leuchtet hell am Himmelszelt,
schenkt sein Licht der ganzen Welt.“
Bis zum Nikolaus singen wir das Lied „Lasst uns froh und munter sein“. In der zweiten Woche singen wir „Wann ist Weihnachten?“ mit Gitarrenbegleitung (Die Kinder lieben dieses Lied.), und in der dritten und vierten Adventswoche singen wir bekannte Weihnachtslieder wie „O Tannenbaum“ oder „Kling, Glöckchen“, welche die Kinder in allen Strophen mitsingen können. An manchen Tagen erzähle ich den Kindern frei weihnachtliche Verse, etwa: „Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen.”
In der Woche nach dem Adventgärtlein beginnen wir mit der Gestaltung der Krippengärtlein. Jedes Kind erhält eine kleine Tonschale, die es zunächst mit Sand füllt. Darauf legen die Kinder Moos und stecken einige Zweige Tannengrün hinein, das von der Adventsspirale stammt. Die Krippengärtlein stehen auf der Fensterbank auf einem blauen Tuch, jedes an seinem festen Platz. Damit die Kinder ihre Schale wiedererkennen, bemalen sie einen kleinen gelben Stern, auf den ihr Name geschrieben wird. Mit Bienenwachs an einem Holzspieß befestigt kommt er in das Krippengärtlein. Alle zwei Tage dürfen die Kinder ihr Krippengärtlein vorsichtig mit Wasser besprühen, damit das Moos nicht austrocknet. In dieser Zeit kneten die Kinder Maria und Josef aus kostbarem Bienenwachs, das mit Wollfett vermischt wird. Dadurch wird das Wachs besonders geschmeidig und lässt sich gut formen. Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit ist die Arbeit mit dem warmen, duftenden Bienenwachs eine wohltuende Sinneserfahrung. Die Figuren finden später ihren Platz im Krippengärtlein. Mit den Vorschulkindern baue ich in der Werkstatt einen Stall auf einer Baumscheibe. Aus Naturmaterialien wie Jute, Leder, Holz, Tannengrün, Wolle, geschnittenen Weidenhölzern und Rinde entsteht so ein ganz individueller Stall.
Ein fester Bestandteil der Adventszeit ist auch das Kerzenziehen, das wir draußen durchführen. Die Kerzen aus reinem Bienenwachs schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Ihr warmes, ruhiges Licht vermittelt Geborgenheit, und der unverwechselbare Duft des Bienenwachses weckt in der kalten Jahreszeit Erinnerungen an warme Sonnentage. Diese Kerzen werden ebenfalls Teil der Krippengärtlein.
Während der Freispielzeit fädeln die Kinder gern Stroh-Gold-Ketten aus geschnittenen Strohhalmen und kleinen Schnipseln aus Goldpapier. Mit großer Ausdauer entstehen dabei feine, schimmernde Ketten. Ich spicke Apfelsinen mit Nelken, die den Raum mit ihrem warmen, würzigen Duft erfüllen. Tannenbaumanhänger werden aus Wachsplatten ausgestochen. Sterne aus Tonkarton, die von den Erziehern vorbereitet und mit Transparentpapier hinterlegt werden, bekleben die Kinder mit bunten Schnipseln. Auch Orangenschalen oder Mandarinenschalen werden auf Draht gefädelt und als Anhänger gestaltet. Engel entstehen aus Goldfolie oder aus rotem, etwas festerem Papier gefaltet, mit einer kleinen Perle als Kopf und Goldband versehen. Fröbelsterne werden gefaltet, von denen jedes Kind einen in sein Krippengärtlein legt. Außerdem fertige ich für die Krippengärtlein kleine Engel aus weißer, gekämmter Wolle an. Die Kinder arbeiten in dieser Zeit auch gerne frei mit Wolle, Stroh, Goldfolie und anderen Restmaterialien und sind dabei ganz vertieft. Die Jesusbabys werden von mir heimlich gefilzt und in Nussschalenhälften mit weicher Wolle gebettet. Am Ende der Adventszeit werden sie nicht an die Kinder verschenkt, sondern in blaues Seidenpapier eingewickelt, mit einer Schleife versehen und heimlich den Eltern mitgegeben. Diese legen das Jesusbaby an Heiligabend in das Krippengärtlein ihres Kindes, sodass es dort auf besondere und stille Weise seinen Platz findet.
Nach Nikolaus beginnen wir mit dem Krippenspiel. In diesem Jahr wurde es, durch einen Artikel in der Zeitschrift Erziehungskunst angeregt, bewusst nach draußen verlegt. Wind, Kälte und Weite wurden Teil des Geschehens. Unsere Weidenhütte wurde zum Stall. Für die Kinder und auch für mich war diese Form des Krippenspiels eine tief berührende neue Erfahrung – sinnlich, echt und getragen vom Rhythmus der Natur.
Der Nikolaus bringt eine Nusskette, von der jeden Tag eine Nuss abgeschnitten wird. Jeden Morgen steht dazu eine kleine goldene Schachtel auf dem Jahreszeitentisch, in der sich ein Stern mit dem Namen des Kindes befindet, das an diesem Tag die Nuss abschneiden darf. Begleitet wird dies vom Vers:
“Schnipp, schnipp, schnapp,
Der/ die.........schneid‘ die Nuss heut ab.”
Das Kind darf die Nuss öffnen (manchmal mit etwas Hilfe, weil die Adventsengel gut gearbeitet haben), dazu spreche ich:
“Knackt die Nuss, springt der Kern,
Weihnachtsnüsse hab‘ ich gern.”
Das Kind schaut hinein, darf rumgehen und allen Kindern zeigen, was sich in der Nuss befindet. In den Nüssen befinden sich z.B. kleine Strohsterne, ein kleiner Zwerg, eine Mini-Bienenwachskerze usw. Bei Abholung durch die Eltern nimmt das Kind seine Nuss mit nach Hause. Jede Woche öffnen wir ein Nikolaussäckchen, im ersten finden wir Edelsteine, im zweiten Strohblumen und im dritten Muscheln, die ebenfalls ihren Platz im Krippengärtlein der Kinder finden.
In der Adventszeit backen wir außerdem Plätzchen. Am Donnerstag ist Backtag, da werden statt Brötchen auch schon mal Sterne, Herzen und Tannenbäume ausgestochen und gebacken. Am letzten Kindergartentag verpacke ich die Krippengärtlein in blaues Seidenpapier und gebe sie den Kindern mit nach Hause. Die Eltern bekommen von uns ein Waldorf-Weihnachtslicht und einen kleinen selbstgebauten Holzengel.
So ist auch die Advents- und Weihnachtszeit geprägt von Wiederholung, Rhythmus, Sinneserfahrungen und einer ruhigen, erwartungsvollen Stimmung, die die Kinder durch diese besondere Zeit des Jahres trägt.
