Spielzeug

S.Grönefeld von der Böhmezeitung interviewte Rahana Sonneck (Kindergarten Benefeld)

Seit den 90er-Jahren gibt es ein Konzept für spielzeugfreie Kitas. Spielzeug wird dabei als ein Konsumgut eingestuft, das die Kreativität blockiert. „Spielzeugfrei" ist der Benefelder Waldorfkindergarten nicht, es gibt aber kein Plastikspielzeug. Das Spielmaterial ist aus Naturstoffen. Im Kaufmannsladen liegen Muscheln, Steine und Kastanien. Es gibt Holzbauklötze, Tiere aus Wolle, eine „Waldorfpuppe" und auch Puppengeschirr. Dennoch wird das Thema „Spiel­zeug" nicht unkritisch betrachtet, wie Erzieherin Rahana Sonneck im Interview erklärt.

BZ: Was spricht dagegen, dass Kinder mit Spielzeug spielen?

Sonneck: Es spricht eigentlich nur etwas dagegen, dass das Spielzeug mit der Zeit den Kindern das Spielen abgenommen hat: Alles ist vorbestimmt, die Funktionen festgelegt, die Puppen sprechen selber, die Autos fahren selber, alles macht selbstständig Geräusche. Das Kind wird eher Zuschauer.

BZ: Gibt es in Ihren Augen „gutes" und „schlechtes" Spielzeug?

Sonneck: Es gibt in jedem Fall „gutes" Spielzeug. Ich spreche lieber von Spielmaterial, das Kind braucht Material, das es bespielen kann. Die Phantasiekräfte des Kindes sind in dieser Entwick­lungsphase unglaublich stark, sodass ein gewöhnlicher Stock im Sandförmchen je nach Bedarf und wie selbstverständlich sowohl als Kerze oder auch als Löffel, Messer oder Schokola­de benutzt wird. Jedes Spielmaterial, welches nicht auf eine Funktion festgelegt ist, sondern das Kind geistig und seelisch aktiv werden lässt, unterstützt die Phantasiekräfte des Kindes, die es auch im späteren Leben befähigen, mit vielen Dingen selbstständig und kreativ umzugehen.

BZ: Ist „spielzeugfrei“ mehr als eine Zeitgeist-Erscheinung?

Sonneck: Die Idee wird schon sehr viele Jahre immer wieder diskutiert und ausprobiert, ganz besonders auch im Hinblick auf die Suchtprävention. Die Kinderzimmer sind übervoll, aber die Kinder spielen nur kurz und ohne eine dauerhafte Befrie­digung. Das wirft berechtigt Fragen auf und ist mehr als eine Erscheinung des Zeitgeistes, es ist die Grundsatzfrage danach, was das kleine Kind wirklich braucht. Braucht es eigentlich wirklich das, was uns die funkelnde Konsumwelt vorgibt? Viele Dinge, die das kleine Kind braucht, kann man eben nicht kaufen: Liebe, Zeit, Zuwendung, Geborgenheit, Freiheit, Freunde.

BZ: Liegt die Wahrheit nicht auch in der Mitte - also kein Kon­sumrausch, aber in Maßen?

Sonneck: Natürlich. Die goldene Mitte ist immer ein guter Weg und Extreme sind einschränkend. Wichtig ist doch, dass wir Kin­dern ermöglichen, ihre Fähigkeit, „aus nichts alles machen zu können" zu gebrauchen und ihnen auf den Lebensweg mit­geben, dass sie die Welt gestalten können. Genau das erleben Kinder im freien Spiel und das macht sie glücklich.

 

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