Praktische Medienkunde in der Mittelstufe

Das Smartphone ist der Faustkeil unseres neuen digitalen Zeitalters. Einerseits ein unglaublich effektives, vielseitig verwendbares Arbeitsgerät, andererseits eine gefährliche Waffe und modernes Totem. War vor 20, 30 Jahren der Fernsehkonsum an Waldorfschulen noch ein Reizthema, so ist es heute das Smartphone. Während der Fernseher früher das Freizeitleben zuhause beeinflusst hatte, dominiert heute das Smartphone sowohl unseren beruflichen als auch unseren privaten Alltag bis in den letzten Winkel: sogar im Lehrerzimmer, in dem Rudolf Steiners Bild an der Wand hängt, wird fleißig dem Touchscreen gehuldigt.

Wie gehe ich als WaldorflehrerIn, insbesondere als Klassen- und FachlehrerIn der Unter- und Mittelstufe mit diesen neuen Entwicklungen um? Einerseits gibt es gute und vernünftige Argumente gegen einen unkritischen und zu frühen Einsatz von elektronischen Medien in der Schule. Auf der anderen Seite spielen diese Geräte im alltäglichen Leben für mich selbst, für meine SchülerInnen und für die Eltern eine immer größere Rolle und prägen eine neue zivilisatorische Stufe. Wir wissen nicht, wie diese technologische Entwicklung weitergeht, wir wissen aber, dass es keinen Weg mehr zurückgeben wird.

Kann es vor diesem Hintergrund noch zeitgemäß sein, dass in Waldorfschulen ein praktischer Medienkundeunterricht, meist als Informatik unterrichtet, erst in der Oberstufe einsetzt? Unsere SchülerInnen nutzen diese Geräte aber schon weit früher, trotz aller Appelle an Eltern und SchülerInnen. Verzichten wir selbst darauf? Was würde es bedeuten, einen praktischen Medienkunde zeitlich bereits vor der Oberstufe in den Unterricht zu integrieren? Warum werden in Waldorfschulen elektronische Medien einseitig negativ und angstbesetzt behandelt, statt sie proaktiv sinnvoll und kreativ zu nutzen? Nehmen wir unseren Erziehungsauftrag als Schule wirklich ernst, wenn wir Kindern und Jugendlichen in einer entscheidenden Lebensphasen lediglich signalisieren: Pfui, spiel nicht mit dem Faustkeil.

Im vorliegenden Script hinterfrage ich die Praxis des heutigen Medienkundeunterrichtes an Waldorfschulen kritisch und versuche zu begründen, warum es mir sinnvoll erscheint, Medienkunde schon in der Mittelstufe ganz praktisch und phantasievoll mit und ohne elektronische Geräte in den Unterricht zu integrieren, anders als das an den meisten Schulen bis heute der Fall ist und offiziell propagiert wird.

Autor: Martin Carle, Praxishandbuch im Selbstverlag, 100 Seiten, 20 Euro plus Porto

online zu beziehen über: www.lernenistbewegung.weebly.com