Gregor Seggewies

Dort unten, in der Erde Schoß,
von Dunkelheit umhüllet
ein kleines Stückchen, gar nicht groß,
an dem sich Wunsch erfüllet.

Dort ruhet schon, seit Jahr und Tag
ein Kohlenstückchen dunkel
und was der Berg mit Druck vermag,
das gibt ein schön Gefunkel.

Nun gehe in die Tief` hinab,
musst tüchtig danach graben,
und schürfen danach, nicht zu knapp,
du musst viel Glück schon haben.

Die Kohle wurd ein Edelstein,
man schleift ihn und polieret,
der funkelt dann im Sonnenschein,
wenn er ans Licht geführet!

 

 

Klitzekleine Katzenkinder liegen dort im Körbchen,
tapsen durch die Katzenstube, putzen ihre Öhrchen.
Katzenmutter gibt gut Acht, schaut auf ihre Kleinen,
scheltet den, der Unfug macht, führt sie in das Leben.

 

 

Ein ruhiger See liegt tief und mild,
zeigt Schwäne dir im Spiegelbild
auf seiner glatten Fläche.

Und aus dem See fließt dort ein Bach,
wird immer stärker, nach und nach,
treibt Mühlen schon die Räder!

Er schäumt und spritzt,
zeigt seine Kraft
und hat damit schon viel geschafft!

 

 

Siegfried, der Herrscher und Kämpfer,
als Kind schon so mutig und kräftig
tötete er einen Drach,
barg aus dem Berg einen Schatz.
Stets stritt er für das Gute
und mied das Geschwätz und Gerede;
unverletzbar und doch
starb er durch einen Speer.

 

 

Wenn ich `ne Lerche wär,
dann würd` ich ungefähr
aus Himmelshöhen flöten.

Nun trag ich Menschenkleid
und schau ich Menschenleid,
helf ich in allen Nöten.

 

 

Welche zarte Elfenhand
gibt den Pflanzen Blüten?
Welcher Stein am Wegesrand
hat nicht Schön`s zu bieten?
Welche Kräfte, welcher Plan
steckt in allen Dingen?
Schau die Schöpfung richtig an,
hebt sie an zu singen.

 

 

Bienentiere gibt es viel,
sie schwirren, fliegen, sirren.
Doch fliegen sie zu einem Ziel,
sie lassen sich nicht irren.
 

Ihr Flug gilt einer Blüt` allein
die lieben langen Tage,
von früh bis spät im Sonnenschein,
sind fleißig, ohne Frage.

Wie die Bienen, die braven, die Blüte nur sehn
und sie emsig und tüchtig besuchen,
soll`n wir Menschen in allem auf Ziele hin gehn,
ohne Umweg das Ziel immer suchen.

 

 

In der Nacht, in der Früh
an den Waldesrand zieh.
Warte ruhig, sieh dich um
wie`s erwacht ringsherum.

Es taget, rings die Sterne schwinden,
weit im Osten wird es hell.
Wirst bald dort am Himmel finden
Lichtessäule, schwindet schnell.

Alle Farben sind zugegen,
feierlich dort ausgerollt.
Majestätisch sich erheben
donnernd Mutter Sonne wollt.

Blitzet auf und scheinet mild,
alles zu durchlichten.
Weckt uns auf, das Sonnenbild,
Gutes zu verrichten.

 

 

Menschen auf Erden, aus himmlischer Welt
gehn auf ihren Wegen.
Suchen das Licht, das auf Erden nun fällt,
suchen nach dem Segen.

Hilf diesen Menschen, die einsam und klein
durch das Leben gehen!
Gib ihnen Mut, denn sie sind nicht allein,
mach die Herzen sehen:

Fühl doch die Schönheit der menschlichen Welt,
wo wir alle leben.
Weißt du, was sie im Innersten hält?
Liebe und Vergeben.

 

 

Von den Söhnen des Jakob der zweitjüngste war,
wie man weiß, immer schön bunt gekleidet.
Die Brüder, die boten als Sklaven ihn dar,
sie zerrissen das Kleid, das beneidet.

Und der Pharao träumte gar seltsam und klar,
aber Josef, der konnte es deuten:
„Kommen nach sieben fett` sieben magere Jahr,
baue Speicher für Korn mit den Leuten!“

Er wurde hoher Mann im Staat
und brachte allen Speise.
Die Brüder hatten keine Saat
und machten weite Reise.

Der Josef schenkte ihnen Korn
ohn seinen Nam` zu nennen.
Er sprach: „Ich hege keinen Zorn!“
und gab sich zu erkennen.

 

 

Wenn Schmetterling zur Blüte kommt,
dann treffen sich die Farben.
Die Pflanze bietet Nektar an,
das Tier kann sich dran laben.

Und manchmal klebt der Schmetterling
ein Ei an einen Stängel.
Ein Räupchen schlüpft als winzig Ding
und frisst vom ersten Tage.

Die Raupe frisst und häutet sich
und frisst und häut sich wieder.
Wird immer größer, bis sie dann
sich einpuppt, alle Glieder.

In der Ruh geht sodann die Verwandlung voran,
doch wir sehen es nicht, bis die Haut dann zerbricht.
Ein wunderschönes Farbenwesen steigt dort aus der Hülle,
hebt sich in die Lichtesweiten, in die Farbenfülle.

Wenn ein Mensch einmal stirbt, wie die Raupe es tat,
ist er auch nicht auf ewig verloren.
Wie der Schmetterling dort aus der Puppe geschlüpft,
wird im Himmel die Seele geboren.

 

 

Auf dem Rücken der Pferde
reit ich weit um die Erde,
komm ich einst auch zurück
und erzähl von dem Glück.

Himmelsreise war so schön,
konnt die Sterne greifen,
will jetzt auf der Erde gehn,
will sie fest ergreifen.

 

 

Im Walde und auf freiem Feld
da tönen viele Lieder.
Da klingt, durchdringt die ganze Welt
der Klang aus dem Gefieder.

Der Kuckuck kommt mit klarem Lied,
die Spatzen schwätzen munter,
die Lerche man im Himmel sieht,
es schallt von dort herunter.

Und wenn man fragt:
„Was treibt euch denn, ihr Spatzen, Amseln, Meisen?“
Dann wird mir so, als ob man sagt:
„Wir müssen Gott stets preisen!“

 

 

Bächlein sprudelt durch das Tal,
gurgelt, nippt am Rande.
Nimmt bald auf manch Rinnensal,
gluckert durch die Lande.

Der Bach, er netzet Feld und Wald,
dort spielen Jungen, Mädchen,
er wächst heran zum Fluss jetzt bald
und er durchquert ein Städtchen.

Auf dem Fluss siehst du Kähne und Boote jetzt schon,
die flussauf- und flussabwärts verkehren,
und als breiter, behäbiger, langsamer Strom
sucht er schließlich die Ruhe im Meere.

 

 

Wirk in der Welt,
pflüge das Feld!
Säe es sacht,
birg, was erbracht!
Back Menschen Brot,
gibts niemals Not.

 

 

Über den Höhen der Berge,
wo Menschen nur selten zu Gast sind,
lebt wie ein König der Lüfte
der Adler und zieht seine Bahnen.
Herrliches, kräftiges Wesen,
mit scharfem und stechendem Blicke!
Hat er ein Tier dann erspähet,
im rasenden Flug geht`s hinunter!
Schlägt es mit mächtigen Krallen
und bringt`s in den Horst zu den Jungen.
Was will der Adler mich lehren?
Den Weltüberblick zu behalten,
sich alles genau zu betrachten,
im richtigen Augenblick handeln.

Ich stehe morgens auf und seh
die eigenen vier Wände.
Doch wenn ich dann nach draußen geh,
da winken viele Hände.

Ihr Nachbarn hier, ihr winkt mir all,
hier kennt der Ein` den Andern.
Ich kenn hier jedes Haus mit Stall,
doch nun, da will ich wandern.

Ich geh hinaus und dich, mein Land,
dich möcht ich kennenlernen,
möcht wissen, wo man Schönes fand,
möcht wandern nah und ferne.

 

 

Was du gesät,
hege es gut!
Komm nicht zu spät,
lieb` Regenflut!

Keime, o Korn,
zeig einen Streif,
reck dich empor,
werde bald reif.

Ernte ich dich,
gibst reiches Brot,
nährest du mich,
hab keine Not.

 

 

Aus der Höh herab
stürzt der Wasserstrahl,
gibt sein Wasser ab,
bodenlos ins Tal.

Und im Staube dort
bricht das Sonnenlicht,
strahlt verwandelt fort,
siehst du es noch nicht?

 

 

Donnernd grollendes Brüllen schallt,
schallt durch das Land, durch die Weite.
Schreitet ein Tier durch das Gras, durch den Wald,
was will der Löwe uns zeigen?

Er ist Herrscher im Wald und im Busch.
So herrscht der Mensch auf der Erde.
Herrscht über Tiere und Pflanzen und Stein,
Herrscher im Guten er werde.

Stolz und aufrecht der menschliche Gang,
stolz wie der König der Tiere.
Edel die Stimme, edel der Klang,
Edles zum Guten uns führe.

 

 

Siehst du die Menschen sich mühen?
Verrichten ihr tägliches Handwerk.
Wirken auf vielerlei Art,
arbeiten fleißig und hart.
Wollen die Welt ganz verwandeln
und redlich und tüchtig nur handeln.
Mir sei`s zum Vorbild bestellt,
schaffe auch ich in der Welt.

 

 

Auf dem weiten Weg zum Gipfel
kann es sehr beschwerlich sein,
wenn man über hohen Wipfeln
alle Lasten trägt allein.

Mit Freunden ist es halb so schwer,
wir tragen schwere Sachen,
doch geht es meistens lustig her,
denn leichter geht`s mit Lachen.

Und gemeinsam erklimmen die Gipfel wir nun,
wollen ein` nach dem andern bezwingen.
Wir genießen den Weg, denn es wird leichtes Tun,
und wir singen mit heiteren Stimmen.

 

 

Wenn an einem Frühlingsabend
Vögel durch die Lüfte ziehn
und, an frischem Nass sich labend,
Wald und Wiese werden grün,

weißt du, wer ist eingezogen,
endlich ist der Frühling da!
Vögel kommen hergeflogen,
künden es von fern und nah.

 

 

Klettert eine Rose still,
klettert dort im Garten.
Was die Rose werden will,
wenn wir etwas warten?

Blühen will sie, Duft versprühn,
Blütenfarben tanzen!
Ganz im Farbenrausch verglühn,
Königin der Pflanzen.

 

 

Führe deine Lebenswege stets den rechten Pfad entlang,
höre auf die innre Stimme, höre auf des Herzens Klang.

Ich geh zum Licht, ich geh zur Sonn,
ich wähl die rechten Pfade,
und spüre, dass ich näher komm,
bin selbst schon Licht geworden.

 

 

Richter hört die Menschen an,
hört, was jeder hat getan.
„Sucht den Urteilsspruch alleine,
geht das nicht, so sag ich meinen.
Bildet das Urteil euch selber, ihr Leut,
höret doch auch auf die andere Seit.“

 

 

Wie herrlich duftet uns das Heu,
der Juni macht uns alles neu!
Der Bauer mäht im Sonnenschein
und birgt es dann und bringt`s herein.

Im Winter dann, in dunkler Nacht,
die Feldarbeit muss ruhen,
da nimmt er, was er eingebracht,
die Kuh dankt ihm durchs Muhen.

 

 

Der Kuckuck ruft im Baume hoch
und ruft und wird nicht müde,
verschönet uns den Frühling doch
mit seinem schönen Liede.

Und wenn er ruft, dann weiß ich schon:
Jetzt kommt der Sommer balde.
Ach, flieg doch nicht so rasch davon
und bleib in unsrem Walde!

 

 

Kerle rufen von den Bergen,
Kerle klobig anzusehn.
Rufen runter zu uns Zwergen:
„Bleibt doch einfach einmal steh`n!“

Kommen dort herabgelaufen,
reden laut mit kräftgem Ton:
„Wollen schaffen, wollen schnaufen,
wenn ihr ruft. Wir kommen schon!“

 

 

Zieh durch das Tor,
schau dich nur um,
zieh durch das Land,
reise herum!

Weit in die Welt
reite dein Pferd,
spürst du den Wind,
riechst du die Erd?

Bleib in der Burg, wenn es regnet und blitzt,
bis du dereinst auf dem Pferd wieder sitzt.

 

 

Schwere Regentropfen rollen,
rollen von den Blätter-Rücken,
tropfen von der Blätter Ränder,
tropfen auf die Erde nieder.

Die Erde saugt das Wasser auf,
sie trinkt es, nimmt es alles auf.
Und in dem unterirdisch Lauf
durch Klippen, Höhlen, Kalkgestein
da bildet sich ein Bächlein klein
und tritt als Quelle bald zutag.

 

 

Trage den Speer,
schau vor dir her!
Wach allezeit,
wirf in die Weit!
Triff gut dein Ziel,
siegst du im Spiel.

 

 

Weit in die Welt, frei geht der Blick,
frei geht er in die Weite.
Steig auf den Berg, schaue zurück,
was du geleistet hast heute.

Hier ist die Luft köstlich und rein,
schau nur, da kommen noch andre!
Platz wird hier wohl für alle sein,
warte auf sie und dann wandre!

 

 

Ein schwerer Sturm im weiten Meer
wirft große Schiffe hin und her.
Der Sturm, der wirft ein Schifflein hoch,
die Mannschaft schläft dort immer noch.

„Wacht auf, wacht auf! Der Sturm, der drückt
und trieb uns vor die Küste!
Kein Ausweg mehr, wohin ich blick,
jetzt gleich es krachen müsste!“

Der Sturm wirft`s Schiff aufs Felsenriff,
die Planken knirschen, bersten.
Das Riff hält`s Schiff im festen Griff,
auf Deck sind schon die ersten.

Und merk, der Sturm hat abgeflaut,
die Erde hat sie wieder!
Das feste Land ist so vertraut,
sie sinken dankbar nieder.

 

 

Manche meinen, von den Bäumen
kommt im Herbst nur Blättersegen.
Doch beacht`, in diesen Räumen
siehst du viel Getier sich regen.

Wintertags, da ist es still,
Krähen krächzen Lieder.
Doch wenn Frühling kommen will,
kehren alle wieder!

Baut eure Nester und Vögelchen, schlüpft,
bis ihr dereinst aus dem Nestchen dann hüpft.
Traut euch zu fliegen und fliegt hoch hinaus,
baut euch dereinst aber selbst solch ein Haus.

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