Gregor Seggewies

Ein kleiner Falter kommt heran,
dies Wesen bunt und zarte,
die Blüte zeigt mit Farben an,
dass sie den Gast erwarte.

Und als der Falter niedersinkt,
am Nektar sich zu laben,
die Farbensymphonie erklingt,
verschmelzen all die Farben.

Blüte: bist ein Schmetterling,
an die Erd gebunden.
Falter: du bist Blumending
in den Himmelsrunden.

 

 

An einem schönen Tag im Mai
bei uns zuhaus im Garten,
da nehm ich mir mein Glas herbei
und will nicht länger warten.

Aus einem zarten Hauch entsteht
und schillert wunderprächtig
`ne Kugel, die recht schnell vergeht,
sie steigt hinauf bedächtig.

Sie schwebt hinauf bis zu dem First,
- das ist `ne große Reise -
wo sie dann lautlos leicht zerbirst,
auf Seifenblasenweise.

 

 

Im Acker sieht man meistens nur
nichts sonst als braune Erde.
Auf einer ganz besond`ren Flur,
da scheuten doch die Pferde!
Man fing sie ein und schaute hin,
was hat sie so erschrecket?
Da hat man in der Erde drin
`nen Goldesglanz entdecket!
Ein Glanz von Gold! Wie geht das zu?
Hier müssen wir jetzt graben!
Und was man fand? Was glaubst denn Du?
`Nen Riesenschatz wir haben!

 

 

Was du gesät,
hege es gut!
Komm` nicht zu spät,
lieb` Regenflut!

Keime, o Korn,
zeig` einen Streif,
reck` dich empor,
werde bald reif.

Ernte ich dich,
gibst reiches Brot,
nährest du mich,
hab` keine Not.

 

 

Wirk` in der Welt,
pflüge das Feld!
Säe es sacht,
birg, was erbracht!
Back` Menschen Brot,
gibt`s niemals Not.

 

 

Schäfer, Schäfer, guter Mann,
gehst der ganzen Herd voran.
Führst sie heimwärts, in den Stall,
zählest deine Tiere all.
"Hunde, habt ihr eins vergessen?
Hat der Wolf eins aufgefressen?
Lauft schnell hinaus in den Regen und Wind,
Suchet mit mir, bis das Lämmlein sich find`!"
Ging er voran in die finstere Nacht,
Lämmlein war bald heimgebracht.

 

 

Ein Drache tauchte tosend auf
fraß Tiere erst, dann Menschen.
Die Mädchen mussten losen drauf,
wer ihm zuerst geopfert.

Des Königs Tochter ging hinab,
der Drache sollt sie fressen.
Ein Reiter kam im schnellen Trab,
sich mit dem Drach zu messen.

Er siegt nach langem, schweren Streit,
der König will ihm danken.
"Sankt Georg bin ich, stets bereit,
verwies ihn in die Schranken."

 

 

Ein winzig kleines Körnlein fein,
man wirft es in die Erd hinein.
Der Schnee, der deckt die Erde zu,
da hat das Körnlein seine Ruh,
Ein zarter Spross, er drängt zum Licht,
bis er die Erdenhaut durchbricht.

Das Korn, es ist dem Tod geweiht,
daraus wächst eine Ähre,
und bald schon kommt die Erntezeit,
damit das Brot uns nähre.

 

 

Wir bauen, wir bauen ein prächtiges Haus
mit Mörtel und mit Steinen.
Wir bauen es fest und es schauen hinaus
die Großen und die Kleinen.
Behaglich und warm macht der Ofen die Stub`
mit Blumen vor den Fenstern.
Es fühlt sich geborgen im Arm hier der Bub,
geborgen vor Gespenstern.

 

 

Riesenkraft!
Ochse schafft!
Stark genug,
zieht den Pflug.
Geht voran
einem Mann,
der ihn lenkt,
von ihm denkt:
du dienst mir,
ich dien` dir,
danken will ich dir dafür.

 

 

In der tiefen, dunklen Erde
manches Gold gefunden werde.
Bringt hervor das schöne Gold,
strahlt im Sonnenlicht so hold!
Schmilz es, bereit es und hämmre es fein,
wird unser Glanz, unsre Königskron sein.

 

 

Ein Bauer schreitet übers Feld
Mit feierlichem Schritte.
Er wirft das Korn, wie`s Gott gefällt
und spricht: „Gib Regen, bitte!“

Die Krume barg das Korn ganz tief
und barg`s geschützt im Boden.
Und als die Sonne kräftig rief,
das Korn erstand vom Tode.

Der Bauer sorgt für Mensch und Feld
und heget Pferd und Kühe.
Er pflegt das Land, wie`s Gott gefällt
mit Sorgfalt und mit Mühe.

 

 

Sieh wie der Schmied
immer gut zielt,
wie ihm geschickt
manches Werk glückt.
Trifft er den Stahl,
klingt es mit Schall.

Er formt ihn gut, er formt ihn mit Kraft,
und endet die Glut, so hat er`s geschafft.

Er betrachtet das Stück
und er legt`s in die Glut.
Nur noch einmal mit Glück,
aber dann ist es gut.

Die Form ist da, das End ist nah,
der Schmied ist frohgemuten,
und was noch eben glühend war,
erstarrt in Wasserfluten.

 

 

Der Schneider sitzt im Schneidersitz,
mit Fingerhut, die Nadel spitz.
Es ist bald großer Krönungsball
im königlichen Krönungssaal.
Und in Ruh` näht er ganz
Für den Prinzen ein Wams.
Es wird bunt, dieses Kleid,
es wird schwer, es wird weit.
Birgt den Prinz wunderbar,
für den Ball in dem Saal.

 

 

Wie herrlich duftet uns das Heu,
der Juni macht uns alles neu!
Der Bauer mäht im Sonnenschein
und birgt es dann und bringt`s herein.

Im Winter dann, in dunkler Nacht,
die Feldarbeit muss ruhen,
da nimmt er, was er eingebracht,
die Kuh dankt ihm durch`s Muhen.

 

 

Tritt durch das Tor,
komm` in die Schmied`!
Sprüht Flamm‘ empor,
Kohle, die glüht.

Kirschrote Glut
forme ich flink,
kraftvoll und gut,
Hammer nun sing`!

 

 

Im Himmel, in der klaren Luft
ein Tier mit klarer Stimme ruft:
„Ich sehe weit und sehe klar,
betracht die Erde wunderbar.
Ich kehre heim ins schöne Nest
und bringe Futter, welch ein Fest!
Die Jungen wachsen und gedeihn
und fliegen bald im Sonnenschein.“

 

 

Ein junger Bursch aus hohem Haus,
der sollte Kämpfer werden.
Er ritt einst aus der Stadt hinaus,
war schneebedeckt die Erden.

Ein alter Bettler hob die Hand
und trug fast keine Kleidung.
Sankt Martin hat sich umgewandt
und stand vor der Entscheidung.

Mit seinem blitzesscharfen Schwert
den Mantel er zerschneidet,
er gibt ihn rasch herab vom Pferd,
der Mann ist warm gekleidet.

Des Nachts im Traume sah er dann
den Christus vor sich wandeln.
Der sprach: "Du bist ein guter Mann,
gabst mir den halben Mantel."

 

 

Ich ging an einem Feldessaum
und hörte schöne Lieder.
Ich hört sie wohl, doch sah ich kaum
das Tierlein im Gefieder.

Ein Pünktchen nur am Himmelszelt
war dieses kleine Tierlein,
erfreuet doch die ganze Welt
mit seinem schönen Liedlein.

Wie stürzt die Lerche sich hinab,
hat uns genug gesungen,
und schmiegt sich an den Acker knapp,
zu bergen ihre Jungen.

 

 

Im Golde liegt die stille Kraft
der tiefen Erd verborgen.
Es leuchtet in der dunklen Nacht,
vertreibt uns alle Sorgen.

 

 

Von Gott kam eine Regenflut
und Noah baut` die Arche gut
als Heimstatt für die Tiere.

Die Arche schwamm im weiten Meer,
die Taube suchte rings umher,
hat schließlich Land gefunden.

Als Zeichen für den neuen Bund
da wölbte sich im Himmelsrund
ein schöner Regenbogen.

In dem Walde, da lebte ein einsames Tier,
setzte alles in Angst und in Schrecken.
Dieser Wolf schlich herum, um das Haus, um die Tür,
wollte jeder sich vor ihm verstecken.

Franziskus kam in diese Stadt,
er sprach zum Wolf am Tore:
"Du hattest Hunger, warst nicht satt,
nun spitze deine Ohren:

In meine Hand leg deine Prank!"
Er nahm sie ohne Zittern.
"Der Wolf ist zahm, o Gott, hab Dank!
Wir Leute wolln ihn füttern!"

 

 

Reite los in andre Reiche,
ziehe in die Welt hinaus!
Dort betrachte und vergleiche,
kehre ein in manches Haus.

Hast du dann genug erfahren,
komm zurück ins Heimatland!
Sprich von Freuden und Gefahren,
sage, was dein Herz dort fand.

 

 

Mühle, Mühle an dem Bach,
schaust dem kleinen Bächlein nach.
Bächlein treibt den großen Stein,
Stein, der mahlt das Korn so fein.

Sieh, wie das Bächlein das Mühlrad fein schlägt,
sieh, wie der Müller die Hände fein regt.
Mehl, das gebraucht unser Bäcker sodann,
dass er daraus gutes Brot machen kann.

Brot, das wir essen, aus Mehl ist`s gemacht,
Mehl aus der Mühle, als Korn wurd`s gebracht.
Korn drosch der Bauer aus Ähren hervor,
Ähren, die reiften zur Sonne empor.

 

 

Ein festes Haus braucht festen Grund,
das Fundament muss liegen.
Dann Stein auf Stein, und ja nicht rund,
die Mauer darf nicht biegen!

Jetzt kommt das Dach, Herr Zimmermann,
bereite mir die Balken,
und dann die Pfannen, nach und nach,
es soll ja lange halten.

Nun kommen noch die Fenster rein
und dann zuletzt die Türe,
im Haus soll immer Frieden sein,
für Menschen und für Tiere.

 

 

Bau ein Haus und bau es fest,
gib ihm starke Wände,
Fenster, das die Sonn reinlässt,
rege nur die Hände!

Wenn einmal die Sonne lacht,
öffne Fenster, Türen!
Komm vor´s Haus, genieß` die Pracht,
hast nichts zu verlieren!

 

 

Im Walde wird heut Holz gehackt,
zur Arbeit geht ein Mann dort,
hat Axt und Beil fest angepackt
und zieht jetzt in den Wald fort.

Und er hackt mit dem Beil,
und es knackt - gib den Keil!
Treib den Keil tief hinein,
hei, dann spaltet es fein!
Nur noch einmal mit Kraft
und dann ist es geschafft.

 

 

Ein Riesenkerl war Offerus,
hat Kräfte gar im Überdruss.
Wollt dienen nur dem stärksten Herrn,
ein stolzer König nahm ihn gern.
Es hatte aber dieser König
wohl Angst vorm Teufel, nicht zu wenig.
So ging denn unser starker Held
den Teufel suchend in die Welt.
Jedoch auch dieser wurd gebannt
von einem Kreuz am Wegesrand.
Es sprach so zu sich Offerus:
"Den Christus ich wohl suchen muss!"
Er diente eine lange Zeit
an einem Fluss, der tief und breit.
Stand dann zu Diensten immerfort,
trug Wanderer von hier nach dort.
Nach sieben Jahren kam ein Kind,
er trug es schwer durch Nacht und Wind.
Da sprach das Kind: "Ich bin der Christ,
des Diener du geworden bist."

 

 

Von den Söhnen des Jakob der zweitjüngste war,
wie man weiß, immer schön bunt gekleidet.
Die Brüder, die boten als Sklaven ihn dar,
sie zerrissen das Kleid, das beneidet.

Und der Pharao träumte gar seltsam und klar,
aber Josef, der konnte es deuten:
„Kommen nach sieben fett` sieben magere Jahr`,
baue Speicher für Korn mit den Leuten!“

Er wurde hoher Mann im Staat
und brachte allen Speise.
Die Brüder hatten keine Saat
und machten weite Reise.

Der Josef schenkte ihnen Korn
Ohn` seinen Nam` zu nennen.
Er sprach: „Ich hege keinen Zorn!“
und gab sich zu erkennen.

 

 

Am Morgen, Mittag, Abend wacht
und freut und wärmet alle
die Sonne, die am Himmel lacht,
auf dass es Dir gefalle.
Und diese Wärme, die Du spürst,
die hast Du auch im Innern,
und wenn du Dich durchs Leben führst,
sollst stets Dich dran erinnern.

 

 

Vom Grunde bis zu seinem Dach
sei dieses Haus ein festes.
Nun wird es fertig, nach und nach
und jeder geb sein Bestes.

Auf dass in diesem neuen Haus
die Menschen friedlich leben
und Frohsinn strahl ins Land hinaus,
dies möge Gott uns geben.

 

 

Der Sämann streut aus seiner Hand
die Samenkörner auf das Land.
Nun müssen alle helfen,
die Zwerge, Nixen, Elfen!

Die Erde nimmt das Körnlein auf,
es falle sanfter Regen drauf.
Zum Atmen braucht der Spross jetzt Luft,
Die Wärme ihn zum Reifen ruft.

Wasser, Sonne, Erde, Luft,
die ihr den Spross zum Wachstum ruft,
ein jeder gebe`s rechte Maß.
Dann wird auch aus dem SprössIein was.

Ein ganzes Kornfeld reift heran,
der Bauer erntet es sodann,
August, da sitzt er auf der Bank,
hat Korn, hat Stroh, hat Erntedank.

 

 

Im Winter ruht die Erde still,
die Tiere stehn im Stalle,
der Bauer liest in der Postill`
und pflegt die Werkzeug alle.

Das Frühjahr drängt mit großer Macht,
es sprossen Wald und Heide,
die Bäume stehn in Blütenpracht,
das Vieh kommt auf die Weide.

Im Sommer scheint die Sonne warm,
lässt Kornesähren reifen,
das Heu und Stroh wird eingefahrn,
die Schwalben fliegen Schleifen.

Der Herbst bringt Frucht am Apfelbaum
und Erntedank für alle.
Die Tiere stehen tags im Zaun
und abends dann im Stalle.

 

 

Es lebte ein Füchslein, das war ja so schlau,
zwang den Wolf und das Huhn und den Bären.
Es hieß Malepartus sein Burg und sein Bau,
konnt ihm bestens ein Schlupfloch gewähren.

Dem Tod zu entkommen, das schaffte der Fuchs,
er erzählet vom Schatz ganz geduldig.
Meister Lampe, den Hasen, verspeiset er flugs
und er spricht dann den Widder für schuldig.

Dann schließlich, da fordert der Wolf ihn heraus,
und sie kämpften recht lang und erbittert.
Der Fuchs war rasiert, kam geölt angesaust,
so dass schließlich der Wolf vor ihm zittert.

Das Füchslein, das wurde der königlich Rat,
Meister Wolf und der Bär mussten weichen.
War alles gerecht oder gut, was er tat?
Er bereut es, will Bessres erreichen.

 

 

Ein Sprösslein leg ich in den Grund,
bedeck es schön mit Erde.
Es schaut hervor zum Sonnenrund,
auf dass es größer werde!

Die Wurzeln gehen tief, ganz tief,
das Pflänzchen soll ja stark sein.
Und was so in der Erde schlief,
das reckt sich in das Licht hinein.

 

 

Ein Herzog hieß einst Eticho,
Odilie seine Tochter.
In ferne Länder sie einst floh,
sie töten, das vermocht er.

Denn sie war blind, bis zu dem Tag,
da Erhard sie getauft hat.
Der Bruder holt sie heim geschwind,
wie Vater da geschnauft hat!

Er gab dem Hugo einen Hieb,
Odilie hats verbunden,
und als der Herzog sie dann trieb,
wurd er vom Stein geschunden.

Odilie brachte Kranken Licht,
das Licht von Gott, das warme.
Des Vaters Herz auf einmal bricht,
er nahm sie in die Arme.

 

Der Sonnengesang des Franziskus

Lieber Gott, Du Schöpfer der Welt,
der durch die Sonne am Leben uns hält,
gepriesen seist Du allezeit
durch Deiner Werke Herrlichkeit!
Geheiligt soll Dein Name sein,
ihn auszusprechen bin ich nicht rein.

Sei gepriesen, mein Herr, durch Schwester Sonne,
sie bringt den Tag und alle Wonne.

Gelobt seist Du durch Bruder Mond,
der mit funkelnden Sternen am Himmel wohnt.

Das Wetter lobt Dich mit allen Orkanen,
auch Regen und Wind preisen Deinen Namen.

Durch Schwester Quelle sollst gelobt Du sein,
sie ist demütig, köstlich und rein.

Bruder Feuer verherrlicht Dich allezeit
durch sein Licht und seine Fröhlichkeit.

Sei gelobt, o Herr durch Mutter Erde,
im Steinchen Dein Name verherrlicht werde.
Dich loben, o Herr, die Pflanzen und Bäume,
Dich loben alle Meeresräume.
Und Dich als Schöpfer preisen die Tiere
mit ihrem Gezwitscher und ihrem Gewiehre.
Auf Erden die Menschen wollen Dich loben,
wenn durch Vergebung wird Schuld behoben.

Es preist Dich, o Herr, sogar Bruder Tod,
wer Dir gehorcht, der hat keine Not.

All Deine Werke jubeln Dir zu:
Du, unser Schöpfer, heilig bist Du.

Kommentar
11.02.2018 | Anita Heinzelmann | Reitpädagogin DKThR/ Studentin Freie Hochschule Stuttgart
Hallo in welchem Jahr wurde der Artikel veröffentlicht? Toller Artikel!
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