Gregor Seggewies

Als ein Engel niederkam
sah er sich die Erde an.
Sprach: „Hier ist noch viel zu tun,
hier darf ich nicht länger ruhn.

Erde, ich bin angekommen,
habe deinen Ruf vernommen,
knüpf ich an das alte Band,
schaffe ich mit Herz und Hand.“

 

 

Vor dem hohen, breiten Tor
stand einmal ein Mann davor.
Von den Räubern hörte er,
wie hineinzukommen wär.
Hatte erst noch große Bange,
zögerte er auch recht lange.
Schließlich rief er doch hinauf:
„Semsi, Semsi, tu dich auf!“

 

 

Hoch oben in dem Baumgeäst
ein Tier sich manchmal sehen lässt;
es ist nicht groß, so rot und braun
und gar possierlich anzuschaun.
„Ich bin so flink, tagein, tagaus
und baue mir mein kleines Haus.
Dem großen Baume ich vertrau,
er gibt mir Halt für meinen Bau.“

 

 

Drache kommt aus dunklen Tiefen,
wo die Ungeheuer schliefen.
Mit dem Feuerschweifesblick
kehrt er auf die Erd zurück.
Flammen, stiebt aus schwarzen Nüstern!
Wie die Baumeswipfel knistern!
Da kommt schon ein starker Held
mit der Lanze, frisch gestählt!
Er vergießt des Drachen Blut.
Drache stirb! Durch Heldenmut!

 

 

Frühmorgens kommt zum Waldesrand
wer Waldes König wird genannt.
Des Waldes König kommt herbei
mit seinem mächtigen Geweih.
Es ist der Hirsch in seiner Pracht,
er gibt gut auf die Rehlein acht.
Er spricht zu ihnen: „Folget mir,
ich bin das allergrößte Tier,
Gott schuf mich, auf euch achtzugeben,
das will ich tun mein ganzes Leben.“

 

 

Ein Bächlein fließt durch unsern Wald,
die Steine drin sind groß und alt.
Es tost und braust der kleine Bach,
doch hin zum Meer, da wird er flach.
Als Bächlein noch hat er geschäumet,
als Flüsschen nun er stille träumet.

 

 

Es gibt ein Loch, darin ein Tier.
Wie heißt es wohl, verrat es mir!
Es sammelt Körnlein, Beeren, Früchte
und wärmt sich gern im Sonnenlichte.
Wenn du es weißt, so geh ihm nach
und folg ihm in sein Schatzgemach.

 

 

Steck ein schön gestreiftes Korn
in die Erde tief hinein.
Tu das vor dem Hause vorn,
gieß es und behüt es fein.

Kommt schon bald ein Spross hervor,
sucht das Licht und findet`s mild.
Reckt zur Sonne sich empor,
menschenhoch ein Sonnenbild.

Wenn die Sonne tiefer sinkt
wird es nicht mehr wärmer.
Hell der Vögel Lied erklingt,
holn gestreifte Körner.

 

 

Durch die Wälder läuft ein Mann,
trägt auf seinem Rücken
Holz, damit es brennen kann,
muss sich ständig bücken.
Ächzt so unter seiner Last
und der Rücken schmerzt so sehr;
habe ich mit angefasst,
ist es nur noch halb so schwer.

 

 

In einem kleinen Land am Meer,
da ging ein großer Mann umher.
Es stapfte durch das ganz Land
ein großer Riese, wohlbekannt.
Der haute alles kurz und klein,
doch fühlte er sich nur allein.
Da horchte er ganz tief nach innen,
es sagten ihm ganz feine Stimmen:
„Ein Kerl wie du hat reichlich Kraft,
wenn er nur etwas Gutes schafft!“
Er half den Menschen, zog den Pflug
und hatte Freunde bald genug.

Durch die Wälder geh ich fort
hin zum großen Berge.
Schau ich am kristallen Ort,
seh ich tausend Zwerge.
Manche, die klopfen alles Gestein,
manche, die gehn in die Erde hinein.
Schaufeln und graben, fleißig und fromm;
sehen sie dich, so sind sie davon.

 

 

Es war ein kleines Schiff im Meer,
das schüttelte der Sturm so sehr!
Schickt häuserhohe Wellenberge,
die Menschen fühlten sich wie Zwerge.

Da fasst der Käpt`n den Entschluss:
nun ich das Ruder führen muss!
Matrosen, steht mir bei im Kampf
mit Fluten, Wellen, Wasserdampf!“

Und sie haben`s geschafft, trotz der haushohen Wellen,
die Segel gerafft, trotz der Winde, der schnellen!
Mit vereinigten Kräften und jedermanns Tat
den Sturm überstanden, die wildeste Fahrt!

Und am Ende der Geschicht
sahen sie ein Blinkelicht.
Leuchtturm wollt sie heimwärts führen,
Hafen sehen, Erde spüren.

 

 

Am Morgen geht die Sonne auf
und geht so stetig ihren Lauf.
Ihr liebes Licht sie allen schenkt,
mit Wärme alle sie bedenkt;
durch ihre schöne Sonnenkraft
in Ruhe sie den Tag erschafft.

 

 

In einem Garten wunderschön,
da konnte man viel` Blumen sehn.
Doch mitten in dem Garten stand
und strahlte in das ganze Land

die prächtigste Rose, die je man gesehn
und alle, die kamen, die fanden sie schön.
In herrlichsten Farben, so sah man`s von fern,
die Menschen, sie staunten und kamen so gern.

Einer, der stand hintenan
und das war der Gärtnersmann;
gab der Rose gute Sachen,
freut sich nun, dass Menschen lachen.

 

 

Wie mein Pferdchen so schnelle von dannen mich trägt,
über Stock, über Stein seinen Hufe fein schlägt!
Kann ich ihm befehlen, recht langsam zu gehen,
kann ich ihm befehlen, ganz stille zu stehn.
Aber dann, wenn ich will, läuft es wieder Galopp,
steht dann nirgends mehr still, macht dann nirgends mehr Stopp.

 

 

Ja, im Zirkus ist es schön,
kann man viele Dinge sehn:
Tiger, Pferde, Löwen, Affen,
Clowns, bei denen Menschen lachen.
Einmal doch, da schaut man auf
einer geht aufs Seil hinauf!
Er tastet, er schreitet,
voraus und zurück.
Er weiß, wer ihn leitet,
beweist sein Geschick.

Hell der Klang der Glocke klingt
die durchs Tal ihr Liedlein singt.
Klingt und singt in hohem Ton,
sagt euch auch, wie spät ist`s schon.
Kündet euch mit frohem Klang:
„Liebe Leute, seid nicht bang!
Ich ruf euch im Tale zu
wann ist Arbeit, wann ist Ruh.
Jeder schaffe schöne Sachen,
aber muss auch Päuschen machen.

 

 

Pusteblume am Wegesrand,
treibt der Wind durch das ganze Land.
Wie die kleinen Sternlein fliegen!
Sieh den Wind die Halme biegen!
Fällst du auf die weiche Erde
Regenkraft geschenkt dir werde.
Gieße den Samen, gieße ihn gut!
Schenke dem Sprösslein den richtigen Mut!
Wurzelst und wachsest, wirst dann auch du
prächtig und mächtig ein Blümelein im Nu.

 

 

Mit Schwert bewaffnet zieht er los
zu kämpfen gegen Drachen.
Der kommt auch schon mit viel Getos
und tut gar schrecklich Sachen.
Sankt Michael ergreift mit Mut
sein großes Schwert und kämpft!
Der Drache liegt im eigen Blut,
die Freud ist ungedämpft.

 

 

Festen Schrittes geh ich gerne
von zu Hause in die Ferne.
Seh ich schöne, gute Sachen,
lerne ich, sie selbst zu machen.
Komm ich reicher wieder heim,
lad ich arme Leute ein.

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