Das nährende Feedback

Gestaltung einer Konferenzeinheit. Ein Beitrag von Christina Singer.

Einführung

Was bedeutet „Feedback“? In der Übersetzung des englischen Wortes ins Deutsche wird schnell deutlich, dass er hier ums „Füttern“ oder „Nähren“ geht. Das kleine Wörtchen „back“ macht darauf aufmerksam, dass etwas zurückkommt. Feedback kann somit verstanden werden als eine Rückmeldung, die den anderen nährt bzw. ihm etwas zurückgibt, was ihn wachsen lässt.

In einer Sitzung der Allgemeinen Pädagogischen Konferenz führte ich mit diesem Gedanken ein. Ich veranschaulichte ihn durch verschiedene eigene Feedbackerfahrungen: Im Referendariat bekam ich Rückmeldung u. a. zu meiner Körpersprache, die ich nach dem Feedback bewusster ergreifen und damit meine in Ausbildung befindliche Lehrerpersönlichkeit stärken konnte. Im Studium erhielt ich im Rahmen einer Hausarbeit eine Rückmeldung, die mir bewusst machte, wo meine Stärken liegen. Dadurch konnte ich meinen Fokus stärker als vorher auf bestimmte Fähigkeiten richten und sie noch weiter ausbauen. Diese beiden Beispiele zeigten, dass sowohl Feedback auf Lernfelder als auch Feedback auf Gelungenes stärkend wirken kann.

Aber wie muss ein Feedback aussehen, wenn es den anderen stärken und zu Entwicklung anregen soll? Oft wird dies besonders deutlich bei Rückmeldungen, die verletzen, kränken oder ratlos machen. Dann fällt auf, dass etwa der Rahmen nicht stimmte, die Wortwahl oder die Absicht.

Gruppenarbeit

In Gruppen von ca. 7 Personen wurden im Anschluss an diese Einführung Kriterien für ein nährendes Feedback erarbeitet. Eigene Erfahrungen sollten eingebracht und daraus Kriterien abgeleitet werden. Jedes so entwickelte Kriterium sollte möglichst in einem Wort zusammengefasst und groß auf ein A4-Blatt geschrieben werden.

Zusammenführung der Ergebnisse

Im anschließenden Plenum stellte jede Gruppe ihre Kriterien kurz vor. In der Mitte des Raumes waren große, verschiedenfarbige Tonpapierbögen ausgebreitet. Ein neues Kriterium erhielt eine neue Farbe, thematisch ähnliche Kriterien wurden dazugelegt. Auf diese Weise entstand ein großformatiges Mindmap, das in seinem Aufbau und seinen Inhalten von allen gut gesehen werden konnte.

Im Anschluss an die Sitzung habe ich das Mindmap in eine Liste verwandelt und eine Kopie jedem ins Fach gelegt.

Ausblick

In drei Wochen werden wir nochmals auf die von uns erarbeiteten Feedbackkriterien schauen. Was hat sich bewährt und was nicht? Bis dahin sollten sich alle Kollegen mindestens eine Situation gesucht haben, in der sie ein Feedback geben und eines empfangen.

 

Hier unsere Arbeitsergebnisse. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Vollständigkeit.

Das Feedback soll sein:

wohlwollend

unterstützend, aufbauend, überlegt, wertschätzend, im richtigen Ton, „abgekühlt“, d. h. nicht emotionsgeladen, auf die Form der Ansprache achten, empathisch, konstruktiv

beschreibend

von sich sprechen, in echten Ich-Botschaften sprechen

gut platziert

Raum und Zeit, den richtigen Rahmen finden, Ruhe

erwünscht

Empfänger: Eine Frage formulieren, auf die man ein Feedback haben möchte

Sender: Erlaubnis einholen, Bereitschaft erfragen

auf Augenhöhe

Gespür für die Rolle: Rollen überwinden und auf Augenhöhe sprechen

konkret

sachlich, offen, ehrlich, verstehbar, mutig

monologisch

Während des Feedbacks spricht nur der Feedbackgebende. Der Feedbackempfänger kann Verständnisfragen stellen. Das Feedback wird bewusst beendet. Danach kann man bei Bedarf ins Gespräch gehen. 

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