Kettenreaktionsmaschine (Video)

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Solch ein Projekt wie der Bau einer Kettenreaktionsmaschine ist mit einer Klassenstärke von 24, wie wir sie hier konzeptionell in Freiburg St. Georgen haben, sehr schön umsetzbar. Ich hatte diese Aufgabenstellung schon einmal als Nachmittags-AG mit Oberstufenschülern gesehen. Nun wollte ich es gerne mit meiner ganzen 7. Klasse im Hauptunterricht probieren.

Wir beschäftigten uns in der Physik der 7. Klasse ausführlich mit der Mechanik. Gleich am Anfang unserer vierwöchigen Epoche stellte ich das Prinzip einer Kettenreaktionsmaschine vor. Im Grunde funktioniert sie nach dem Dominoprinzip. Am Anfang wird sie durch leichtes Antippen in Gang gesetzt, um dann von allein in einer Kettenreaktion zu verlaufen. Ich beschrieb meiner Klasse lediglich allgemein mögliche Elemente einer solchen Maschine. Auch Feuer und Wasser durften zum Einsatz kommen. Der Fantasie war im Grunde keine Grenzen gesetzt, aber - und das war das pädagogisch Ergiebige - es musste später umsetzbar sein.

Am Anfang ließ ich sogar offen, ob wir die Maschine wirklich bauen würden. Ich wollte zunächst sehen, wie die Klasse einsteigen und sich verschiedene Ideen konkretisieren würden. Die Schülerinnen und Schüler hätten dafür in den ersten drei Wochen jeweils nur eine Übstunde zur Verfügung. Der Hauptunterricht wurde zunächst nicht tangiert. Ich teilte die Klasse unter pädagogischen Gesichtspunkten in 6 Gruppen zu je 4 Kindern ein. Es waren also keine frei gewählten Sympathiegruppen. Jede Gruppe sollte 2-3 Meter Strecke der Maschine gestalten. Anfangs- und Endpunkt einer jeden Gruppen waren durch jeweils 3 Dominosteinchen festgelegt. Dadurch konnte jede Gruppe für sich frei arbeiten. Die letzte Gruppe durfte sich ein spektakuläres Ende ausdenken Lächelnd

Die Arbeit begann emsig und es stellte sich schnell heraus, dass genug Potential vorhanden war, um die Maschine zu bauen. Dafür reservierte ich am Ende der Epoche 3 ganze Hauptunterrichte. Am 4. Tag (Freitag) hatten wir eine interne Schulfeier und am Samstag eine öffentliche Schulfeier mit den Eltern der Schule. Wenn alles klappen sollte, wollten wir natürlich gerne auftreten.

Was die Schülerinnen und Schüler an Materialien brauchten, mussten sie sich selber mitbringen, auch das Werkzeug dazu. Wir haben allerdings einen sehr netten Werklehrer, der immer mal wieder ein wenig Holz oder eine Säge herausgab.

Was mich im Verlauf der Arbeit am meisten faszinierte, war der Prozess von der Idee zur Umsetzung. Wie bringt man tolle Ideen auf den Boden - mit eigenen Mitteln - mit den eigenen Händen?

Das Probieren ging los - Misserfolg - Analyse - Korrektur - Umbau - erneuter Versuch - kleine Verbesserung - Analyse - Verwerfung - anderes Material - neue Dimensionierung - erneutes Probieren - Analyse usw. usw. usw. ...... Erfolg.

Das war learning by doing! Es war nicht immer einfach, weil Misserfolge nie wirklich Spaß machen, aber es war zutiefst befriedigend, wenn dann etwas klappte. Man motivierte sich auch gruppenübergreifend, wenn dort etwas gut lief.

Schon die Zwischenproben auf dem Schulhof waren Zuschauermagnete und dann kam die Schulfeier. Besonders für die öffentliche Feier, bei der wir vorher keine Aufbaupause hatten, musste alles wie am Schnürchen laufen. Alle Kinder halfen emsig mit. Anfangs- und Endpunkt einer jeden Gruppe unserer Kettenreaktionsmaschine hatten wir im Probelauf schon mit Markierungen auf der Bühne versehen. So konnte überall gleichzeitig in Windeseile aufgebaut werden. Die Zeit war aber wohl doch ein wenig knapp, weil hier und da in der Schnelligkeit und Anspannung die Abstände nicht in Ruhe ausgerichtet werden konnten. Somit musste man manchmal dem Kettenreaktionsimpuls etwas nachhelfen. Das tat der Sache aber keinen Abbruch. Sehen Sie selbst das Video der öffentlichen Schulfeier.

Ach ja: Wir filmten den Ablauf und projizierten ihn live im Hintergrund auf eine große Leinwand. Ansonsten hätten die Eltern im Saal zu wenig gesehen, da sich alles in einer Ebene abspielte.

Insgesamt war es in vielerlei Hinsicht ein ausgesprochen lehrreiches und begeisterndes Unterrichtsprojekt, das die Schülerinnen und Schüler mit Sicherheit nicht vergessen werden.

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