Drache

Der Drache ist ein langgestrecktes Sternbild. Es schlängelt sich zwischen dem Großen und dem Kleinen Bär am Himmel. Unter dieser Konstellation kann man sich tatsächlich einen Drachen oder eine Schlange vorstellen.

Allerdings besitzt er keine auffälligen, hellen Sterne. Um ihn zu finden, muss man schon genauer hinschauen. Da der Drache nie untergeht, hat man das ganze Jahr über die Chance, ihn zu finden. Er ist ein zirkumpolares Sternbild. Am günstigsten beobachtet man ihn zu Beginn des Sommers, wenn er am Abend direkt über unseren Köpfen steht.

 

Mythologie

Der Drache taucht in den Sagen und Märchen stets als der Hüter einer Königstochter oder eines Goldschatzes auf. Er schläft niemals und ist so weise, dass er in alle Vergangenheit schauen kann.

Auch in der Herakles-Sage lernen wir den Drachen als den Hüter der goldenen Äpfel der Hesperiden kennen. Die Hesperiden hüteten in einem wunderschönen Garten einen Wunderbaum mit goldenen Äpfeln, den Gaia der Hera zu ihrer Hochzeit mit Zeus wachsen ließ. Diese Äpfel waren etwas ganz besonderes. Nicht nur weil sie golden erschienen. Sie waren vor allem aufgrund ihrer Wirkung so begehrt. Denn der Verzehr der goldenen Äpfel versprach ewige Jugend und Unsterblichkeit. Der Baum wurde durch den hundertköpfigen Drachen Ladon bewacht. Nur Herakles war in der Lage, die Äpfel zu rauben. Durch eine List bewog er Atlas, den Vater der Hesperiden, für ihn die Äpfel zu pflücken, da er sie für die Erfüllung seiner zwölf Arbeiten benötige. Dazu musste der Drache allerdings getötet werden. Hera trauerte um ihren treuen Drachen und versetzte ihn zur Erinnerung an den Himmel.

 

Gustav Schwab berichtet dazu Folgendes:

Einst, bei der feierlichen Vermählung des Zeus mit Hera, als alle Götter dem erhabenen Paar ihre Hochzeitsgeschenke darbrachten, wollte auch Gaia, die Erde, nicht zurückbleiben. Sie ließ am Westgestade des großen Weltmeeres einen astreichen Baum voll goldener Äpfel wachsen. Vier Jungfrauen, Hesperiden genannt, Töchter der Nacht, waren die Wächterinnen dieses heiligen Gartens, den außerdem noch ein hundertköpfiger Drache bewachte, Ladon, ein Sprössling des Phorkys, des berühmten Vaters so vieler Ungeheuer, und der erdgeborenen Keto. Kein Schlaf kam je über die Augen dieses Drachen, und ein fürchterliches Gezisch verkündete seine Nähe; denn jede seiner hundert Kehlen ließ eine andere Stimme hören. Diesem Ungeheuer, so lautete der Befehl des Eurystheus, sollte Herakles die goldenen Äpfel der Hesperiden entreißen. Der Halbgott machte sich auf den langen und abenteuervollen Weg, auf welchem er sich dem blinden Zufall überließ, denn er wusste nicht, wo die Hesperiden wohnten.  [...]

Unter mancherlei Abenteuern zog der Held weiter, befreite, wie schon erzählt worden ist, den an den Kaukasos geschmiedeten Titanen Prometheus, und gelangte endlich, nach der Anweisung des Befreiten, in das Land, wo Atlas die Last des Himmels trug und in dessen Nähe der Baum mit den goldenen Äpfeln von den Hesperiden gehütet wurde. Prometheus hatte dem Halbgott geraten, sich nicht selbst dem Raube der goldenen Früchte zu unterziehen, sondern den Atlas auf diesen Fang auszusenden. Er selbst erbot sich dafür diesem, solange das Tragen des Himmels auf sich zu nehmen. Atlas bezeugte sich willig, und Herakles stemmte die mächtigen Schultern dem Himmelsgewölbe unter. Jener dagegen machte sich auf, schläferte den um den Baum sich ringelnden Drachen ein und tötete ihn, überlistete die Hüterinnen und kam mit drei Äpfeln, die er gepflückt, glücklich zu Herakles. "Aber", sprach er, "meine Schultern haben nun einmal empfunden, wie es schmeckt, wenn der eherne Himmel nicht auf ihnen lastet. Ich mag ihn nicht wieder tragen." So warf er die Äpfel vor dem Halbgott auf den Rasen und ließ diesen mit der ungewohnten, unerträglichen Last stehen. Herakles musste auf eine List sinnen, um loszukommen. "Lass mich", sprach er zu dem Himmelsträger, "nur einen Bausch von Stricken um den Kopf winden, damit mir die entsetzliche Last nicht das Gehirn zersprengt." Atlas fand die Forderung billig und stellte sich, nach seiner Meinung auf wenige Augenblicke, dem Himmel wieder unter. Aber er konnte lange warten, bis Herakles ihn wieder ablöste, und der Betrüger wurde zum Betrogenen. Denn jener hatte kaum die Äpfel vom Rasen aufgelesen, als er mit den goldenen Früchten sich aus dem Staube machte. Er brachte diese dem Eurystheus, der sie, da sein Zweck, den Herakles aus dem Wege zu räumen, doch nicht erreicht war, dem Helden wieder als Geschenk zurückgab. Der legte sie auf dem Altar Athenes nieder; die Göttin aber wusste, dass es der heiligen Bestimmung dieser göttlichen Früchte zuwider war, irgendwo anders niedergelegt zu werden, und so trug sie die Apfel wieder in den Garten der Hesperiden zurück.

 

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