Steh doch mal gerade!

Ein Beitrag von Axel Schliwa


Ein bedeutendes Erlebnis in der Kindheit ist das Stehen lernen. Ehe die Aufrechte gefunden werden kann, sind viele Versuche fehlgeschlagen.

Traurige Menschen lassen gern die Schultern hängen. Oft kommt dann der Ratschlag: „Steh doch mal gerade.“ Die Ratgeber meinen es sicher gut, aber wenn der Beratene versucht sich willentlich aufzurichten, hilft ihm das dauerhaft wenig. Erst wenn sein Seelisches soweit ist, dass er sich wie von oben gehalten spürt, findet er das, was ihn wirklich aufrichtet.

Dasselbe Erlebnis stellt sich ein, wenn versucht wird einen aufrechten Menschen zu plastizieren. Rein physikalisch ist es notwendig den Ton zu stabilisieren. Das geschieht meist, indem man einen Stab aufstellt, um den das Material aufgebaut wird. Der sollte, bevor der Ton ganz trocken ist, wieder herausgezogen werden. Geschieht das zu früh, sackt das Gebilde bald zusammen. Geschieht das zu spät, frisst sich der Stab fest und gibt es Trocknungsrisse.

Überhaupt sollte der untere Teil erst filigran ausgearbeitet werden, wenn der Ton fast lederhart ist, damit die auf ihm lastende Masse ihn nicht von oben zusammenstaucht. In diesem Fall gibt es ungewollt Proportionsverschiebungen und kurze dicke Beine.

Um dies zu vermeiden, ist es hilfreich, die Masse der Figur an einen Faden zu hängen. Das bringt nicht nur technisch eine Erleichterung, sondern unterstützt auch das gefühlsmäßige Einmessen in das Gleichgewicht und die Dynamik der Figur. Diese ist so weniger starr und nicht so von der Schwere bestimmt. Außerdem lässt sich die Figur so gut ohne Rändelscheibe drehen und von allen Seiten anschauen.

In jedem Fall sollten dünne Baumwollfäden benutzt werden. Diese können verschlungen und verknotet im Ton bleiben. So wir ein Abrutschen verhindert. Der Faden schrumpft mit und es entstehen keine Trocknungsrisse. Beim Brand sollte langsam genug angeheizt werden, damit der Faden langsam verkohlt.

Je nachdem wie die Figur aussieht, kann unten ein Sockel angesetzt werden. Bei schmalfüßigen Standflächen kann ein Loch gebohrt werden, in die ein Befestigungsstab eingelassen wird, der eine Verbindung mit einem Holzsockel ermöglicht.
 

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