Akrobaten am Seil ...

... oder wenn alles an einem Faden hängt

Ein Beitrag von Axel Schliwa

Der Traum des Menschen vom Fliegen hat archaischen Charakter, aber es dauerte lange, bis die ersten Flugzeuge erfunden wurden. Die fliegen zwar schnell und hoch, aber ob sich der Traum vom Fliegen damit restlos erfüllte, ist zu bezweifeln. Die Akrobaten am Seil träumen von einer anderen Art. Das Fliegen und Schweben soll den ganzen Leib erfassen. Sie wollen wirklich selbst fliegen. Ihre Bewegungen zeigen dabei eine Dynamik und Harmonie, wie sie am Boden nicht aufrecht zu halten ist.

Wenn wir also solch eine harmonische Bewegung fast in der Schwerelosigkeit bildnerisch erfassen wollen, ist auch hier das Seil eine Hilfe. Schwebende Figuren haben keine Standfläche. Wenn die Masse hängt, braucht es keine. Die charakteristische Bewegung kann durch die Vereinfachung der Figuren viel besser zum Ausdruck gebracht werden. Das Knochengerüst stört den Bewegungsfluss nicht mehr.

Am Seil lässt sich der Körper sofort in eine Grundgeste fassen, die nach und nach differenziert werden kann. Bei komplizierten Körperhaltungen muss das Seil, wenn der Ton etwas fester (lederhart) geworden ist, herausgezogen werden. Die Figur kann dann in der Hand gehalten oder auf einem Schaustoffbett fertig plastiziert werden.

 


Wurde anfangs ein dickeres Kunststoffseil verwendet, so muss es nun endgültig entfernt werden, weil das Brennen im Ofen giftige Gase freisetzt und den Ton sprengen kann. Wenn der Ton etwas härter (lederhart) ist, kann das finale Seil äußerlich angelegt werden. Weil sich der Schwerpunkt so verändert, sind leichte Korrekturen an der Körperhaltung notwendig. Wer nichts entfernen will, kann auch mehrere dünne Leinenfäden einarbeiten. 

 

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