Lampenbau

Ein Beitrag von Cecile Breinbauer (Waldorfcampus Heilbronn)

Die Schreiner-Epoche wurde in diesem Schuljahr für fast alle Schülerinnen zur Online-Lampenbauepoche. Für mich als Lehrerin gab es gleich zu Beginn der Epoche jede Menge Fragen. Wie das wohl gehen könnte, online zu unterrichten, und dann noch mit einer Klasse, welche man noch gar nicht kannte. Aber schnell ließen sich die Schüler*innen auf diese Idee ein und so wurde unser Dienstagstreffen zu einem klei­nen Orientierungsgespräch, um den Schüler*innen ein we­nig auf den Weg zu helfen. Alle fanden schnell eine Idee für den Bau ihrer eigenen Lampe. Alle Schüler*innen konnten selbstständig arbeiten und ihre eigenen Vorstellungen in die Wirklichkeit umsetzen.

Für mich als Lehrkraft war es eine sehr eindrucksvolle Epoche und fühlte sich sehr stimmig an. Was heißt es, in der Oberstufe zu sein? Die Schüler*innen müssen nun immer weiter in das „Eigen“-ständige geführt werden. Sie ihr Eigen finden zu lassen, damit sie sich mit ihrem langsam erwachenden Ich in diese Welt hineinstellen können, darum geht es. Viel zu oft wird hier der künstleri­sche und handwerkliche Prozess unterschätzt, mit welchem sich die Jugendlichen selbst erfahren und zeigen können. Sie stellen sich mit ihrem Sein und Tun durch die künstlerische Arbeit in diese Welt hinein. Für mich als Lehrerin war es er­staunlich zu sehen, wie kreativ alle waren, wie viel jeder und jede mitbrachte. Mir hat diese Epoche gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Schüler*innen dem Staunen in sich Raum geben können. Das Staunen schenkt uns eine Offenheit für andere und für das, was kommen wird. Staunen Sie, wie schön die Lampen der 9.Klasse geworden sind!

Die Anregung zu diesem Projekt erhielt ich von Meike Mangels (Freie Waldorfschule Maschsee).

Cecile Breinbauer (Lehrerin)

 

Liah (Schülerin): Zu Beginn habe ich nach Inspirationen und Materialien ge­sucht, die ich in meiner Lampe verwenden wollte. Danach musste ich mir erstmal einen genauen Plan machen, wie das Ganze am Ende eigentlich aussehen sollte. Meine Vorstellung war zwei Hände, die ein Licht in ihrer Mitte halten. Jetzt war dieser Teil schon mal geschafft, aber die Frage war auch, ob und wie sich das Ganze überhaupt umsetzten ließ. Mei­ne Idee, das Grundgerüst der Hände aus Draht zu formen, musste ich allerdings schnell aufgeben, da das Ganze zu in­stabil wurde. Also entschloss ich mich, zwei Holzhände aus dem Künstlerbedarf zu bestellen, in der Hoffnung, dass sie noch rechtzeitig ankommen würden. Plan B glückte, die Lie­ferung kam pünktlich, doch: nächster Schritt - nächstes Pro­blem. Ich begann die Hände mit Ton, den ich aus der Schule bereitgestellt bekommen hatte, zu verkleiden und somit zu verfeinern, doch dieser bröckelte nach dem Trocknen sofort wieder an der glatten Oberfläche ab. Meine rettende Idee war es, schlussendlich mit Gipsbinden zu arbeiten. Das funkti­onierte! Endlich konnte ich alles miteinander verbinden. Die Hände waren auf einem Holzsockel fixiert, die Fassung eingesetzt und alles mit dem Gips umschlossen. Nun nahm

meine Idee endlich Form an. Trotz des naherückenden Abgabe­termins gelang es mir, das Endergebnis noch ein wenig mit goldener Farbe zu verfeinern. Im Großen und Ganzen fand ich das Lampenbau- Projekt sehr abwechslungsreich, da es mich aus dem ganzen Homeschooling- und Corona Stress rausholte und ablenkte.

 

Alessandro (Schüler): Als ich gehört hatte, dass wir Schreinern im Homeschooling machen sollten, war ich sehr erstaunt und fragte mich, wie das gehen könne, denn ich glaubte, nicht jeder habe die pas­senden Werkzeuge dafür Zuhause. Doch ich machte mir kei­ne weiteren Gedanken darüber, denn Frau Breinbauer wür­de uns schon sagen, was wir machen würden. In der ersten Stunde erklärte uns Frau Breinbauer, was sie sich vorgestellt hatte: eine selbstgemachte Lampe. Als ich die Idee gehört habe, war ich davon begeistert. Wie großartig ist es, eine ei­gene Lampe zu machen. Frau Breinbauer sagte zu uns, dass wir bis die darauffolgende Woche eine Idee finden müssten. Sofort kamen mir tausende Ideen in den Kopf, doch keine überzeugte mich. Ich wollte etwas Persönliches machen, etwas, was mit mir zu tun hatte. Die Suche nach einer gu­ten Idee, die mir gefallen würde, dauerte sehr lange, doch schließlich fand ich diese: eine Wandlampe im Graffitistil mit meinen Initialen. In der zweiten Stunde stellte ich meine Idee vor und unsere Lehrerin war einverstanden damit. Das war das Startzeichen für mich. Ich besorgte mir die ganzen Materialien (Kosten:100,72€), druckte mir ein schönes Mus­ter für das Graffiti aus und zeichnete es auf ein Holzbrett. Ich hatte sehr viel Glück, dass die Osterferien dazwischen waren, denn so hatte ich zwei Wochen Zeit, mich komplett auf die Lampe zu konzentrieren. Als erstes schnitt ich die Lampenform aus meinem Holz aus. Die weggeschnittenen Stücke benutzte ich als Farbproben. Dann schliff ich noch die Kanten. Später schnitt ich die Leerstellen in meiner Lam­penform aus und schliff diese. Das war der anstrengendste Teil der ganzen Lampe. Jetzt kam das Gegengerüst. Es sollte die Lampe verstärken und später die technischen Elemente verstecken. Das machte sehr viel Spaß, weil es wie ein Puzzle war. Die einzelnen Teile befestigte ich mit Leim und, wenn es ging, mit Nägeln. Das Gegengerüst befestigte ich mit Leim und Heißkleber an der Lampe. Jetzt musste ich die Lampe anmalen. Es war der schwierigste Teil der Lampe. Ich musste es zweimal machen, weil ich beim ersten Mal einen Fehler gemacht hatte. Nun wurden die LED befestigt. Es war sehr leicht und dauerte nicht lange. Jetzt war die Lampe fertig. Ich war sehr stolz auf mein Ergebnis. Die Arbeit an der Lam­pe hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es manchmal sehr anstrengend war. Was mich am meisten nervte, waren die Phasen, in denen man warten musste, wie z.B. beim Ma­len, bis eine Farbe getrocknet war, dass ich mit der anderen anfangen konnte. Das Lampenbauprojekt war eine sehr schöne Erfahrung.

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