Häkeln macht klug

Ein Beitrag von Silvia Hock, Handarbeitslehrerin 2. Klasse ehemals in der Freien Waldorfschule Markgräflerland

Nicht allen Eltern ist bei der Einschulung ihrer Kinder bewusst, in welchem wohl durchdachten Verhältnis alle Fächer in der Waldorfschule miteinander verbunden sind. Wird auf der einen Seite der Geist gefördert, darf auf der anderen Seite die körperliche Übung nicht fehlen und umgekehrt. So stehen die Unterrichtsfächer unmittelbar in einer Wechselbeziehung.

„Der Handarbeits- oder Handfertigkeitslehrer wird sich sagen können, er arbeitet ganz besonders am Geiste. Wenn wir in der richtigen Weise mit dem Kinde stricken und Dinge machen, die Sinn haben, oder durch den Handfertigkeitsunterricht Dinge machen, die Sinn haben, dann arbeiten wir wirklich oftmals mehr am Geiste, als wenn wir den Kindern das beibringen, was man für das Geistige hält."

(aus „Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung" von R. Steiner, vierter Vortrag, 15.Juni 1921)

 

In der ersten Klasse wird durch das Stricken die Geschicklichkeit der Hände und Finger und gleichzeitig das flexible Denken und Ausbilden der Urteilskräfte unterstützt. Masche für Masche werden miteinander verknüpft, man bekommt etwas auf die Reihe und dabei darf man den Faden nicht verlieren. Rechts und links werden gleichzeitig gefordert. Es entsteht ein komplexes Gebilde, welches gleichzeitig die geistigen Kräfte bildet. Die Kinder haben in der ersten Klasse durch Fingerhäkeln und Verknüpfen der Schnüre zu einem Springseil den Anfang für das Häkeln geschaffen. Ein Jahr lang hat dies nun ruhen dürfen und wird dann im zweiten Schuljahr wieder aufgegriffen. So wird in der zweiten Klasse das eher verträumte Stricken durch waches Hinsehen beim Häkeln abgelöst und eine schärfere Beobachtungsgabe gefördert. Wie beim Schreiben wird eine Hand viel stärker benutzt, die von nun an die „Arbeitshand" sein wird. Anschließend wird die Häkelnadel eingeführt, die durch ein Bild oder eine Geschichte in die Seele der Kinder Einlass findet. So verwandelt sie sich z.B. in eine Entenmutter, die sich immer wieder nach ihren Küken umdreht, um zu sehen, ob sie in Reih und Glied hinter ihr schwimmen. Später werden lockere Luftmaschen mit festen Maschen „verfestigt", so dass auch hier durch beide Maschenarten ein harmonisierender Prozess stattfindet. Es braucht Ausdauer und Durchhaltevermögen, um bis ans Ende zu gelangen.

Wir haben dieses Jahr beim Häkeln mit einem festgelegten Farbablauf angefangen. Dunkles Rot wurde von einem kräftigen Blutrot abgelöst, ging dann über ins Orange bis hin zum lichten Gelb. Blau oder Grün mischten sich mit Türkis und fanden oft ihren Abschluss in Gelbtönen. Es war fast wie beim Malen. Viele Kinder griffen am Ende zu mutigeren Farbkombinationen. Zum Schluss haben wir die fertigen Säckchen in einen Kreis gelegt und gestaunt, wie sich da beinah ein Farbkreis bildete!

Welche Freude, wenn jedes einzelne Werk zu einem wunderbaren Ganzen heranwächst, zu dem jeder sein Bestes gegeben hat!

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