Lehrplananregungen zur 1. Klasse

Ein Beitrag von Astrid Hertel

STRICKEN

  • Maschen aufnehmen,
  • Rechtsstricken,
  • Abketten (Bockspringen)

Die Haupttätigkeit im 1. Schuljahr ist das Stricken. Auch können kleine Nebenarbeiten gemacht werden, wie das Nähen von Beutelchen und das Anfertigen von kleinen Puppen, die man dann z.B. für ein Puppenspiel verwenden könnte. Es ist wesentlich, dass dabei durchaus „nützliche“ Dinge entstehen, mit denen das Kind entweder spielen kann oder die es hinterher verschenken will. Schon äußerlich wird dadurch der Sinn des handarbeitlichen Tuns für das Kind erlebbar. Besonders in diesem Lebensalter bedarf der Schönheitssinn des Kindes der künstlerischen Anregung. Das betrifft zum einen die Qualität der verwendeten Materialien, zum andern auch die Farbauswahl und die Gestaltung der Handarbeit selbst.

 

Beispiele

  • Flötenhülle
  • Puppensteckbett
  • Einfache Zwerge

 

Nebenarbeiten

  • Kleine Puppen
  • Einfache Hühner
  • Kleine Zwerge
  • Beutelchen
  • Einführung der Schafwolle

 

Hintergrund

Beim Stricken muss das Kind die rechte und die linke Hand betätigen. Kaum eine andere Tätigkeit beansprucht beide Hände zugleich. Die Feinmotorik wird bis in die Fingerspitzen geübt und geschult. Die Entwicklung des Menschen beruht auf dem Prinzip der Metamorphose. Praktisch bedeutet dies aber: Die Schulung einer physischen Fertigkeit im 2. Lebensjahrsiebt bewirkt zugleich die Veranlagung einer ihm verwandten Fähigkeit auf der Seelenebene. Rudolf Steiners Verdienst war es, auf diese Wechselwirkung hinzuweisen. Durch eine Ausbildung von Geschicklichkeit der Gliedmaßen (Arme, Hände, Finger und auch Beine, Füße und Zehen) im 2. Lebensjahrsiebt wirken wir in besonders starker Weise auf die Veranlagung eines später beweglichen Denkens.

"Wenn man die Kleinen in der ersten Klasse beobachtet, wie sie beim Strickenlernen ihre Hände von Stunde zu Stunde bewusster zu gebrauchen wissen, wie anfangs oft recht ungelenke Finger beweglicher werden, und wie beglückt ein Kind ist, wenn es die ersten Maschen allein fertig gebracht hat, bei deren Herstellung nicht nur die Hände, sondern der ganze kleine Mensch bis in die Fußspitzen hinein beteiligt war, dann kann man wohl empfinden, dass gerade diese Arbeit, welche beide Hände in harmonischer Weise schult und das Kind für das Leben geschickt macht, es ist, die bis in das Organische hinein gesundend und auf die geistigen Kräfte im Kinde aufweckend wirken kann."

Beim Stricken erleben die Kinder, wie durch bestimmte Bewegungen der Hände und Stricknadeln aus dem Faden eine Schlinge und aus dieser wieder eine nächste Schlinge gearbeitet wird, bis das Ganze zuletzt ein ineinander hängendes und brauchbares Gewebe wird. Solch ein Strickgewebe kann das Sinnbild des Denkvorganges sein. Man spricht von einem Gedankenfaden, auch dieser mag verschlungen sein. Ein Gedanke muss aus dem anderen hervorgehen, darf nicht abreißen und keine Lücken aufweisen; wenn das Ganze bestehen soll.

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