Anfertigen

Ein Beitrag von Ita Lernpeiss (Freie Waldorfschule Graz)

Die Sohlen bestehen aus zwei bis drei Lagen Filz, je nach Stärke.


Zuschneiden der Sohlen

  • Spitzer, weicher Bleistift
  • Stecknadeln
  • Namensschilder
  • Gute Schere

Für die oberste Lage werden die Sohlen zugeschnitten und zwar gegengleich: eine rechte und eine linke (für eine muss also der Schnitt umgedreht werden), angezeichnet wird mit weichem Bleistift auf der Filzrückseite. Nahtzugabe ist nicht nötig. Die ausgeschnittenen Filzsohlen werden auf etwas größere Filzstücke gelegt und geheftet, am besten auch ein Namensschild mitheften.


Nähen der Sohlen

  • Schusterzwirn, wir nehmen den Leinenheftzwirn, hellroh, 250g, ET Nr.25 vom Buchbindereibedarf NEBEL, Wien
  • Spitze Nähnadeln mit passendem Nadelöhr
  • Schere, Nadelkissen

Die Sohlen werden mit festem Schusterzwirn mit etwa 3mm langen Rückstichen im Abstand von 5mm vom Sohlenrand zusammengenäht. Wer will, kann es mit zwei Nadeln versuchen - wie es der Schuster macht, „ZWIEGENÄHT". Man beginnt bei der Spitze, dort, wo man es nicht sieht, weil es am Anfang manchmal noch nicht so perfekt ist. Ist die Sohle fertig genäht, wird der überstehende Filz weg geschnitten.


Stärken der Sohlen

Das weitere Verarbeiten geht besser, wenn die Sohle steif in Form bleibt, dazu verwendet man Roggenmehlbrei. Das Roggenmehl wird in kaltes Wasser eingequirlt, das Ganze wird unter Rühren aufgekocht bis man einen glasigen Brei hat (Pudding). Hat man zuviel Mehl erwischt, muss man Wasser dazufügen, ist es zu dünn, muss man länger kochen. Zeitungspapier unterlegen! Die Unterseite der Sohlen wird mit dem Roggenmehlbrei gut eingestrichen. Trocknen lassen.


Die Oberteile

müssen auch gegengleich rechts - links auf der Rückseite des Filzes aufgezeichnet
werden. Bei der Ferse geben wir ein bis zwei Finger breit Reserve dazu. Stimmt alles? Dann zuschneiden!


Einfassen des Ausschnitts

Für die Ränder werden aus dem festen Baumwollstoff in der gewünschten Farbe Schrägstreifen zugeschnitten: 3,5 bis 4 cm mal 53 cm.

Diese Schrägstreifen werden mit doppeltem Nähseidenfaden in passender Farbe schön Kante auf Ausschnitt-Kante mit Rückstichen auf die Oberseite des Oberteiles angenäht. Schön straff anziehen! Dann mit dem Fingernagel umstreifen, nach innen klappen und mit Hexenstichen auf der Rückseite = Innenseite befestigen.


Entwerfen der Stickmuster

Schon während man die Sohlen näht, soll jede Stunde ein Entwurf gemacht werden. Man beginnt diese Entwürfe auf der Sohlenform. Am besten stehen die Schüler am Anfang hin, schließen die Augen und fühlen, wo Druck auf ihren Sohlen zu spüren ist. Diese Flächen sollen sie dann in gefühlten oder beliebigen Farben anmalen. Das nächste Mal sollen sie fühlen, wo warm ist, wo kalt und das dann in Bewegung bringen - warm soll kalt überwinden, die wieder in Farbe umsetzen, bis man dann nach einigen Stunden einen dekorativen Entwurf hat.


Gestaltung

Nun kommt die Stickerei. Siehe auch die Zierstiche! Die Mongolen, Tartaren besticken ihre Jurten und Filzteppiche oft in Kettenstich. Dieser ist sehr geeignet. Das Sticken dient nicht nur der Schönheit, sondern auch der Stabilität. Sollte der Filz dünne Stellen haben, kann man aus der Not eine Tugend machen, bunte Wollfilzstücke applizieren und damit den Schuh passend gestalten.

„ ... man soll erkennen, dass ein Fuß umschlossen wird ..." Auch auf die Symmetrie soll geachtet werden. Die menschliche Symmetrieachse läuft zwischen den Beinen, rechts/links sind spiegelverkehrte Gegenstücke.

Mehrere Entwürfe machen und möglichst ohne Vorzeichnen und nicht pedant ausführen (mit Perlgarn).


Füttern

Oberteile auf Futterstoff (eventuell vorher bügeln!!!) anstecken, rundherum ausschneiden, jedoch die innere Öffnung für den Fuß noch nicht. Mit Windelstichen rundherum über die ganze Filzschnittkante annähen. Jetzt innen entlang der Kante ausschneiden. Einbiegen, anstecken und am Schrägstreifen ansäumen.


Wölbung

Das Oberteil muss seine WÖLBUNG bekommen. Wir markieren bei beiden Oberteilen (dass sie gleich werden) mit Stecknadeln die breitesten Punkte links und rechts der Spitze. Dieser Teil wird nun mit Schusterzwirn 5 mm vom Rand eingekräuselt (mit 4mm langen Vorstichen, nicht ganz durchstechen) - nicht zuviel und nicht zuwenig und beide gleich! (Füße anschauen!)

Nun werden diese Oberteile auf die Sohlen gesteckt - die Spitze an die richtige Stelle, auf die passende Form achten! Zum Fixieren an drei Stellen (Spitze, links und rechts in je einem Abstand von etwa 7 cm) einen Faden durchziehen und festknoten, am besten zu zweit. Den Fersenteil lässt man vorerst noch offen und näht mit Schusterzwirn Oberteil und Sohle mit Windelstichen zusammen. Manche Kinderfüße wachsen sehr rasch, dann verlängert man mit mondförmigen Filzstücken die Sohlen an der Spitze (mit Matratzenstichen annähen).

Dann wird's spannend.


Anpassen

Beide Patschen werden angezogen und die Ferse wird angepasst. Das Kind steht auf dem Tisch.

Achtung auf die Mitte und die richtige Krümmung der Fersenlinie!!!

Mit Glaskopfstecknadeln markieren. Der Überstand wird mit scharfer Schere weg
geschnitten. Zusammengefügt wird außen mit Matratzenstichen Schuh wenden und dann innen. Das Futter wird extra zusammengenäht, schön flach und gut übereinandergezogen, dass kein Wulst entsteht. Bitte besonders sorgfältig arbeiten, weil Unebenheiten unangenehm drücken können.


Fersenband

Nun fehlt noch das Fersenband, die Breite kann um die 12mm variieren plus Einschlag links und rechts je 5 mm. Es wird in passender Farbe im Fadenlauf (nicht schräg) zugeschnitten, Zugaben werden umgebügelt und außen und innen am Patschen angesäumt, eventuell mit einer Schlaufe. Bitte darauf achten, dass es gerade verläuft, eine schiefe Fersennaht kann mit dem Fersenband korrigiert werden.


Ledersohle

  • Leder
  • Revolverlochzange
  • Perlgarn oder starke Wolle zum Annähen

Das Sohlenleder wird etwa 1 cm größer als die Sohle zugeschnitten und 5 mm vom Rand weg regelmäßig gelocht. Mit Stecknadeln anstecken (erst Spitze, dann Ferse, schön gerade und gut aufliegend) und gut hochziehen. Der hochgezogene Rand muss auf allen Seiten gleich breit sein. Im Knopflochstich mit festem Baumwollgarn oder starker Wolle festnähen. Dieser Faden ist nur haltbar, wenn man nicht darauf geht, wenn also etwas weiter oben festgenäht wird.

DAS MUSS SCHON BEI DER GESTALTUNG BEACHTET WERDEN! Aber zu weit oben ist auch nicht schön, da sich das Leder dann zu sehr kräuseln würde.

Die Arbeit eines Schusters ist eine harte Arbeit, man kann es etwas nachfühlen!

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