Lehrplananregungen zur 3. Klasse

Ein Beitrag von Astrid Hertel

Lernziel

  • Sicherheit gewinnen durch Wiederholung
  • Stricken mit Muster und Häkeln

 

Beispiele

  • Mütze!

 

Nebenarbeiten

  • Nähen eines einfachen Beutels

 

Hintergrund

In der 3. Klasse gehen die Kinder in das 9. Lebensjahr hinein und damit in eine Lebensphase, die wir als Rubikon kennen. Die Kinder lösen sich von der Lehrerperson. Dieses Ablösen macht die Führung durch den Lehrer schwerer, deshalb ist es für die Kinder wichtig, eigene Sicherheit zu erlangen. Dies geschieht, indem nun nach dem Häkeln nochmals das Stricken an einem größeren Stück aufgegriffen wird. Es ist eine Wiederholung für die Kinder, doch müssen sie sich erst erinnern. Dieses Erinnern ist sehr wichtig. Gelingt es ihnen, so fühlen sie eine innere Sicherheit, die ihnen gerade in dieser Entwicklungsphase hilft. Erscheint es sinnvoll, so kann auch weiter gehäkelt werden. Stricken und Häkeln werden nun zu einer geübten Fähigkeit, die die Hände geschickt und sicher werden lässt.

In der 3. Klasse steht die gestrickte oder gehäkelte Mütze im Vordergrund. Die Einführung sollte durch einen Farbentwurf geschehen, der gemalt oder aus Märchenwolle gelegt werden kann. Auch hier hat die Farbanordnung eine Bedeutung. Der Kopf oben sollte durch eine dunklere Farbe beschützt werden, während sich die Mütze mit einer helleren Farbe nach unten hin öffnen kann. Begabtere Kinder können schon einfache Muster wählen (linke, rechte Maschen im Wechsel mit hinein nehmen).

Doch warum ist gerade die Kopfbedeckung von Bedeutung für das 9. Lebensjahr? Machen wir uns zunächst ihre Funktion klar. Sie soll vor Kälte schützen (oder auch Wärme), sie soll schmücken und Würde verleihen. Dazu hat sie die verschiedensten Formen. Eine Krone ist nach oben offen, sie soll die Verbindung zum Geistigen ermöglichen. Auch der Goldreif, wie er erst bei den Griechen, dann bei den Römern üblich war. Der Priester hat eine Kappe, welche er aufsetzt, wenn er eigene Worte spricht, jedoch abnimmt, wenn er das Evangelium spricht. Für die eigenen Worte ist er selbst verantwortlich. Dies wird auch in dem Sprichwort "Auf die eigene Kappe nehmen" deutlich. Die Geschichte zeigt uns, dass erst im Jahr 1300 mit dem heraufkommenden Ende des Mittelalters den Menschen die Kopfbedeckung wichtig wird. Was vorher (bei den Griechen und Römern) offen war und die Verbindung zu höheren Mächten zuließ, wird nun geschlossen. Der Mensch grenzt sich ab, er befreit sich von alten Bindungen, besinnt sich auf sich selbst, wird selbstbewusster, er übernimmt nun selbst die Verantwortung. Durch genau solch eine Entwicklung geht auch das Kind, indem es sich vom Erwachsenen löst, und nun das eigene Handeln "auf die eigenen Kappe nimmt".

Die Eigenpersönlichkeit des Kindes schafft Distanz. Hier bin ich, da bist du.

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