Die Erfindung der Buchdruckerkunst

Der folgende Beitrag ist den zwei Bänden "Denkwürdige Vergangenheit" entnommen.

Um 1430 brach in der deutschen Stadt Mainz am Rhein ein Bür­gerkrieg aus. Die Handwerker rissen durch einen gewaltsamen Um­sturz die Regierung an sich, und viele vornehme Familien mussten fliehen und allen Besitz zurücklassen. Eine dieser Familien fand Unterkunft in einem kleinen Häuschen in der Nähe von Straßburg, und der junge Mann, Johann Gensfleisch zum Gutenberg, kam als Goldschmied und Spiegelmacher wieder zu Verdienst. Neben dieser Berufsarbeit beschäftigte ihn aber etwas ganz anderes.

Man verstand schon lange, in Holztafeln geschnittene Muster, Bilder und Sprüche auf Tuch, Pergament oder Papier zu drucken. So entstanden Stoffdrucke, Heiligenbilder, Spielkarten, Kalender und Blockbücher. Seit einiger Zeit kamen auch Gebete, Psalmen und Lie­der als Holztafeldrucke in den Handel, viel billiger als Abschriften von Hand. Gutenberg sagte sich nun: Wenn es gelänge, kleine Stem­pelchen mit einzelnen Buchstaben zu schneiden, so könnte man diese Stempelchen zu immer neuen Texten zusammenfügen.

Hinter verschlossenen Fensterläden arbeitete er ganze Nächte an diesem Versuch. Aber das Schnitzen war furchtbar mühsam, und un­vermeidliche kleine Unterschiede in Form und Größe der «Lettern» ergaben ein unbefriedigendes Schriftbild. Da half ein neuer Gedanke weiter. Er drückte die geschnitzte Holzletter in feinen feuchten Ton­sand und goss die so entstandene Hohlform mit Blei aus. So gewann er in kurzer Zeit Bleilettern jeder Art zu Hunderten. Dazu baute er sich eine Druckerpresse: Zwei durch eine Schraube verbundene Eisenplatten drückten das leere Papierblatt so gleichmäßig auf die zusammengefügte Schrifttafel, dass viel schönere Abzüge entstanden als bei bloßem Anreiben. Alles war nun bereit zum großen Werk, dem Druck eines ganzen Buches. Da fielen im Sommer 1444, nach der Schlacht von Sankt Jakob an der Birs, die Armagnaken über das Elsass her, belagerten Straßburg, plünderten und sengten, und das Häuschen Gutenbergs ging mit seiner ganzen Habe, mit Bleilettern und Papiervorrat in Flammen auf.

Bettelarm kehrte er nach seiner Vaterstadt Mainz zurück und fing dort von neuem an. Ein Onkel lieh ihm eine Werkstatt, ein anderer verschaffte ihm durch Bürgschaft ein kleines Anfangskapital. Unter­dessen hatte er bereits wieder eine Verbesserung ausgedacht. Er schnitt die Muster seiner Lettern nicht mehr aus Buchenholz, sondern aus Messing, und drückte sie statt in Sand in weiches Blei. So erhielt er bleibende Gussformen und immer gleiche Abgüsse. Eingestreutes feines Rußpulver verhinderte, dass das flüssige Blei mit der Form ver­schmolz . Um 1450 druckte er das erste Buch mit beweglichen Lettern, eine lateinische Grammatik.

Er wollte aber die Bibel drucken, das wichtigste, heiligste Buch. Ein reicher Goldschmied, Johann Fust, streckte ihm Geld vor, damit er noch schönere, kupferne Lettern gießen, Papier einkaufen, eine größere Presse anschaffen und Hilfskräfte einstellen konnte. Guten­berg setzte dafür seine ganze Erfindung - seine Druckerei mit Gerä­ten, Lettern und Papier - zum Pfand. Darauf arbeitete er mit Fusts Schwiegersohn Peter Schöffer und zwei weitern Gesellen fieberhaft fünf Jahre lang, bis die letzte Seite des Riesenwerkes in edelster Schrift zweihundertfältig gedruckt vorlag. Da verlangte Fust sein Geld zurück, und da Gutenberg, wie der hinterlistige Mann wohl wusste, alles Geld in sein Werk gesteckt hatte, griff er auf dieses, das Pfand, und der betrogene Erfinder musste ihm alles überlassen. Fust und sein Schwiegersohn gaben hierauf die Prachtbibel heraus, wur­den gefeiert und machten ein großes Geschäft, während Gutenberg zum drittenmal nichts mehr besaß.

Er begann noch ein viertes Mal, blieb aber neben der blühenden Druckerei Fusts und Schöffers im Schatten. Er starb 1467.

 

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