Die katholische Kirche

Lange Zeit bestanden die Christengemeinden ohne besonders aus­gebildete Geistliche. Ein vertrauenswürdiges Glied aus ihrer Mitte übernahm als Presbyter (Ältester) oder Episkopos (Aufseher) die Lei­tung ihrer Zusammenkünfte und ihrer Hilfstätigkeit. Auch war jede Gemeinde selbständig, nur durch den einigenden Geist und die wan­dernden Apostel mit den Brudergemeinden verbunden. Aber nach dem Tode der Apostel und ihrer nächsten Nachfolger brachen Lehr­streitigkeiten aus. Da mussten die Presbyter und Episkopen zusam­mentreten, um Spaltungen zu verhindern. Dabei gewann der Epi­skopos der Reichshauptstadt allmählich eine führende Stellung und erhielt den Namen Papa, Vater. Von daher kommt das Wort Papst, wie Priester von Presbyter und Bischof von Episkopos.

Die Einigung der Christengemeinden zu einer festgefügten Ge­samtkirche wurde im beginnenden 4. Jahrhundert aber auch mächtig gefördert durch Kaiser Konstantin. Dieser Herrscher erkannte die gemeinschaftsbildende Kraft des Christentums und dachte, sie könnte helfen, den drohenden Zerfall des Römerreiches aufzuhalten, wenn die Christen selber einig wären. Darum berief er im Jahre 325 Presbyter und Episkopen zu einem Reichskonzil nach Nicäa, jenseits des Bosporus, mahnte zur Eintracht und ruhte nicht, bis durch Mehrheitsbeschluss entschieden war, welche der umstrittenen Lehren künftig als Wahrheit und welche als Irrlehren zu gelten hätten. Die christliche Glaubenslehre wurde in scharf geprägte Lehrsätze, Dog­men, und in ein verpflichtendes Glaubensbekenntnis gefasst. Abwei­chungen sollten fortan nicht mehr geduldet werden. Geistliche, die sich nicht fügen wollten, wurden abgesetzt und verbannt. So ent­stand eine katholische, d.h. allgemeine Gesamtkirche. Und Rom blieb deren Mittelpunkt, der Papst ihr Oberhaupt, auch als der Kaiser seinen Thron nach Konstantinopel verlegte.

Das Römische Reich zerfiel bald darauf in ein Ostreich mit der Hauptstadt Konstantinopel und ein Westreich mit der Hauptstadt Rom, und letzteres brach im Jahre 476 in den Stürmen einer gewalti­gen Völkerwanderung zusammen. Dagegen hielt die katholische Kirche diesen Stürmen stand, und über dem Grab des kaiserlichen Rom erhob sich mit zunehmender Macht das römische Papsttum.

 

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