Eine Welt, die man bearbeiten muss.

Rudolf Steiner, GA 95, 11. Vortrag

„Schon eine andere Mission hatte die zweite Kulturepoche, die urpersische, deren Kultur gleichfalls wohlberechnet vom Manu ausging. Noch vor der Zarathustra-Zeit hatten die alten Perser eine uralte Kultur, die sich auch nur durch mündliche Überlieferung erhalten hat.

Dem Menschen erwuchs jetzt der Gedanke, dass die äußere Wirklichkeit ein Abbild der Gottheit sei, dass man sich nicht von ihr abwenden, sondern sie umgestalten müsse. Der Perser wollte die Natur umgestalten, er wollte an ihr arbeiten; er wurde ein Acker­bauer. Aus der Stille der weltfremden Gedankenwelt trat er hinaus und merkte an dem Widerstand, der sich ihm entgegenstellte, dass doch nicht alles Maja sei, dass neben der Welt des Geistes auch eine sehr reale Welt der Wirklichkeit existiere. Neben der Welt des Gei­stes fand er eine Welt, in der man arbeiten musste. Es erwuchs in ihm allmählich die Überzeugung, dass es zwei Welten gibt: eine Welt des guten Geistes, in die man sich vertiefen kann, und die ande­re Welt, die man bearbeiten muss. Und dann sagte er sich: In der Welt des Geistes werde ich die Ideen und Begriffe finden, durch die ich die äußere Wirklichkeit umwandeln werde, so dass sie selbst ein Abbild des ewigen Geistes wird.

So sah der Perser sich selbst in einen Kampf hineingestellt zwi­schen zwei Welten, und das gestaltete sich später mehr und mehr um zu den beiden Mächten Ormuzd, die Welt des guten Geistes, und Ahriman, die Welt, die umgestaltet werden muss. Eines aber fehlte dem Perser noch: Die äußere Welt stand ihm gegenüber als ein Wesen, das er nicht verstand; er konnte keine Gesetze darin fin­den. Er merkte nicht, dass das Geistige in der Natur zu finden ist; er empfand nur den Widerstand bei seiner Arbeit."

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