Zarathustra

Aus: „Von der Atlantis bis Rom“, Karl Heyer, Verlag Freies Geistesleben.

"… Von Zarathustra sagte Rudolf Steiner: «Alles, was Zarathustra lehren und der Welt bringen konnte, das zielte ... auf die äußere Welt ab, um in die äußere Welt Ordnung und Harmonie zu bringen. Daher war auch die Kunst, Reiche zu bilden und zu organisieren, wie es dem Fortgange der Menschheit entspricht, und was die soziale Ordnung möglich macht, die Mission des Zarathustra. Und daher können diejenigen, die zu den Schülern des Zarathustra gehörten, mit Recht nicht nur große Magier, große Eingeweihte, sondern immer auch Könige genannt werden, das heißt solche, welche die Kunst der Herstellung äußerer sozialer Organisationen und Ordnung kennen." (GA 114, 5. Vortrag)

Zarathustra ist, wie Hermann Beckh ausführt, der erste der großen Menschheits-Eingeweihten, der festgegründet auf der Erde steht, der erste, der zu den Menschen vom Sinn der Erde spricht. Von keinem der großen indischen Weisen und Führer könnten wir uns eine Charakteristik denken, wie sie uns im Avesta von Zarathustra gegeben wird, wo dieser «in einem Atem der erste Priester, der erste Krieger, der erste viehzüchtende Landwirt genannt wird.» Die drei Glieder des sozialen Organismus: das geistige, das rechtlichpolitische und das wirtschaftliche finden wir also hier in dem Priesterkönigtum Zarathustras in bedeutsamer Weise unterschieden und zur Einheit zusammengefasst.

Von den Regenten zurzeit etwa des Übergangs von der urpersischen zur ägyptisch-babylonischen Kultur oder in den ältesten Zeiten des nachatlantischen Zeitraums sagt Rudolf Steiner: (GA 197)

«Geht man in halb vorgeschichtliche Zeiten zurück …, so findet man, dass in diesen vorgeschichtlichen Zeiten der Begriff eines Reichsregierers sehr nahe an den Gottesbegriff herangebracht wurde. Allerdings, in jenen älteren Zeiten, die halb vorhistorische sind, wurde auch, wenigstens in vielen Imperien, der Reichsregierer auf eine andere Art in sein Amt eingeführt, als das in späteren Zeiten geschehen ist. Wir brauchen nur ... in die älteren, die halb vorhistorischen Zeiten des alten Ägypten zurückzugehen, oder in das alte Chaldäa, so finden wir überall, dass es als eine Art Selbstverständlichkeit angesehen wurde, dass die Vorläufer der heutigen Priesterschaft die Regenten für ihr Amt vorbereiteten . . . Man hatte die Vorstellung, dass durch diese Vorbereitung aus dem zur Regentschaft Berufenen wirklich etwas wird, was sich noch als letzte Andeutung erhalten hat in der chinesischen Benennung «Sohn des Himmels» Man war sich bewusst: «Spricht man mit einem in dieser Beziehung richtig erzogenen Menschen, so redet durch diesen Menschen gar nicht das gewöhnliche Ich, das da oder dort geboren ist, . . . sondern es redet etwas, was durch die Vorbereitung, durch die Erziehung innerhalb der Mysterienkultur veranlasst worden ist, herunterzukommen aus geistigen Höhen und Wohnung zu nehmen in dem betreffenden Menschen» ... Die Erziehung sollte so sein, «dass aus diesen Menschen fortan Wesen der höheren Hierarchien sprechen, die sich in ihnen nur ein Werkzeug schaffen ... in den ältesten ägyptischen Zeiten, in den ältesten chaldäischen Zeiten …, war für das allgemeine Volksbewusstsein der Herrscher der Gott… Und im Bewusstsein der ältesten Menschheit dieser halb vorhistorischen Epoche wäre es Unsinn gewesen, darüber zu diskutieren, ob das nun geschehen solle oder nicht», was durch den Gott gewollt wurde. «In einer ziemlichen Lebendigkeit geht diese Anschauung noch hinein in das Römertum . . . Für große Kreise des römischen Volkes bedeutete die furchtbare Tyrannis des Nero nichts anderes, als dass sie staunten darüber, dass ein Gott in solcher Gestalt auf der Erde herumwandeln kann . . .»

 

Die letzten Sätze (die natürlich nicht gerade für den fortgeschrittenen Teil des römischen Volkes gelten), gehören zugleich in ein anderes Kapitel der Sozialgeschichte, nämlich das der erzwungenen Initiationen der römischen Cäsaren, worüber wir später zu sprechen haben werden. …

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