Ständekampf: Patrizier - Plebejer, Gleichnis des Agrippa

Agrippa war ein Konsul in der Frühzeit der römischen Republik. Er bekleidete 503 v. Chr. das Konsulat und spielte gemäß der Überlieferung später die entscheidende Rolle bei der Beilegung des Ständekampfes zwischen den Plebejern und Patriziern.

 

Auszug der Plebejer

494 v. Chr. zogen die Plebejer auf den heiligen Berg, den mons sacer, um so ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der Senat schickte Agrippa, der selbst aus einfacheren Verhältnissen stammte, um die Plebejer zu überzeugen, wieder in die Stadt zurückzukehren.

Er erreichte dies angeblich, indem er ihnen ein Gleichnis vortrug, welches sie schließlich zur Rückkehr bewegte. Zudem wurden wesentliche politische Forderungen der Plebejer erfüllt.

 

Gleichnis

Vor Zeiten war im Wesen des Menschen noch nicht alles in solcher Harmonie wie jetzt: Jedes Glied hatte seinen eigenen Willen und seine eigene Sprache. Damals verdross es die Glieder, dass all ihre Sorge und all ihre Dienstleistungen nur dem Magen dienen sollten. Es kam zu einer regelrechten Verschwörung. „Soll der Magen", so murrten sie, „faul daliegen und nichts weiter tun, als sich genießerisch an dem sättigen, was wir ihm zuführen?" So wurden sie sich darin einig, dass die Hände keine Speise mehr zum Munde führen, der Mund nichts mehr aufnehmen und die Zähne nichts mehr zerkauen sollten. „So werden wir den Magen, diesen faulen Dickwanst, schon durch Hunger bezwingen", meinten sie.

Doch was geschah, als sie den Vorsatz ausführten? Im Nu ließen ihre Kräfte nach, und bald verfiel der ganze Körper! Da lernten sie schnell einsehen, dass der Magen nicht untätig und unnütz sei; ebenso wie er sich selbst nähren lasse, sei er ja selber ein Helfer des Ganzen. Sehr schnell leuchtete den Gliedern ein, dass der Mensch die Kräfte, durch die er lebt und gedeiht, durch die stille Arbeit des Magen erhält, und sie beeilten sich, mit dem Quell ihrer Körperkraft sich wieder auszusöhnen.

Quelle: Titus Livius: Ab urbe condita, II, 32.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar