Italiens Landschaften

Italien ist ein wunderbares Land! Seit Jahrhunderten trugen die Völker der mittleren und nördlichen Breiten Europas das sehnende Verlangen nach dem Süden tief in ihrem Herzen. Immer wieder zogen Wanderer in dieses Land, immer wieder besangen Dichter die herrlichen Denkmäler einer großen Vergangenheit, den Zauber einer wunderschönen Natur. Wie ein Gürtel umfassen die Alpen den italienischen Stiefel und bilden eine natürliche Barriere zu dieser anderen Welt, der anderen Stimmung und der anderen Sonne.

Unsere Phantasie bewegt das seltsame Pflanzenkleid der grünenden Maulbeer- und Oleanderbäume, der dunklen Zitronenhaine und der blaugrünen Kaktushecken, zwischen denen sich weiße Steinpfade schlän­geln. Unser Auge blendet die Fülle der Farben, das Helle des Lichtes. Wir atmen die schwerelosen Nächte, in denen noch der Glanz des Tages nachzittert. Das Leben im Süden ist ge­löster und luftiger als unser schweres und lichtarmes Dasein. Und auch das Erlebnis des Meeres löst für den Binnenländler eine Symphonie der Gefühle aus.

 

Norditalien

Als oberer Grenzraum Italiens schmiegen sich im Westen gegen das fran­zösische Küstenland und im Norden gegen den Rumpf Europas schützend die Alpen. Oft über Kämme ansteigend bis in die eisgepanzerte Region der blaugrünen Gletscher bilden sie eine gewaltige Schirmwand gegen die kalten Nordwinde. Die in die Gebirgsfalten gerissenen, tieffurchenden Breschen ermöglichten schon frühzeitig die Anlage von Alpenübergängen und damit eine Verbindung mit den dahinterliegenden Weiten des Kontinents.

Die Westalpen drehen nach Süden in schar­fem Abfall zum Mittelmeer und biegen ostwärts gegen Genua. Hier berühren sie einen anderen, für ganz Italien charakteristischen Gebirgszug, den Apennin.

 

Alpenvorland - Poebene

Einstmals stiegen unwegsame Wälder von den Höhen zu den Tälern nieder. Die gewaltige oberitalienische Tiefebene war in den ältesten Zeiten von dichten Eichenwäldern und unzugänglichen Schilf- und Weidensümpfen bedeckt. Aber seit dem 3. Jahrhundert haben römische Bauern, als sie die Poebene zu kolonisieren begannen, die Sümpfe durch Kanäle trockengelegt, die Feldfluren durch Eindeichung der Flüsse gesichert und fruchtbares Ackerland ge­wonnen. Die fleißigen Bewohner haben das Alpenvorland mit der gewaltigen, besonnten Kulisse der Berge und den tiefblauen Seen, überstrahlt von einem milden Klima, zur traumhaft schönen Gegend einer märchenhaften Vegetation gestaltet. Es ist gesegnet mit Edelkastanien und silberfarbenen Ölbäumen, dunklem Lorbeer, den schwarzgrünen Flammen der Zypressen, den Kulturen von Orangen, Zitronen und an­derem Obst, sowie den terrassierten Weinbergen.

 

Norditalien gehört zu den ergiebigsten Landstrichen der Erde

Das Klima Norditaliens begünstigt seinen Ertrag. Die Winter sind zwar kalt, aber kurz, die Sommer dagegen lang und heiß. Die Äcker bringen eine reiche Ernte von vorzüglichem Weizen, Mais, Hafer und Hanf. Auf den ausgedehnten Rieselwiesen wird im Jahre bis achtmal gemäht. Daher ist auch die Viehzucht hoch entwickelt. Ulmen und Maul­beerbäume spenden erquickenden Schatten vor den oft sengenden Son­nenstrahlen und sind zugleich Stützen für die Weinreben, die sich von Baum zu Baum schwingen. Die Blätter des weißen Maulbeerbaumes dienen als Futter für die Seidenraupen und gaben die Grundlage für die hervorragende Seidenindustrie der Poebene.

 

Riviera

Die Riviera, von Alpen und Apennin sorgsam gegen Nordwinde behütet, erfreut sich des milden Mittelmeerklimas. Über diesen schmalen Küsten­saum hat eine freigebige Natur das Füllhorn zauberhafter exotischer Blumen ausgeschüttet, leuchtend in den herrlichsten Farben. Dem Wunder der märchenhaften Vegetation, dem sanften, vielfach subtropischen Klima verdanken die Kurorte an diesem Küstenstreifen ihre Beliebtheit.

 

Apennin

Das Apenninengebirge durchziehen die Halbinsel in ihrer ganzen Länge als ihr Rückgrat. Am Westrand liegt ein großes Senkungsfeld, das im weiteren Verlauf ins Tyrrhenische Meer taucht und sich nur im kristallinischen Rumpfgebirge Sardiniens wieder über die Oberfläche erhebt. Im mittleren Innenbogen verläuft eine Kette erloschener Vulkane über die ausgedehnte Tuffregion Latiums mit ihren Aschenkegeln und Kraterseen bis hinunter nach Campanien, zu kleinen Vulkanen und dem allein noch tätigen Vesuv. Dieser Berg galt im Altertum nicht als Vulkan, bis seine gewaltige und den ganzen Umkreis vernichtende Eruption im Jahre 79 n. Chr. seine neue Tätigkeit ankündigte.

Die vulkanischen Tuffsteine geben ein vorzügliches, leicht zu bearbei­tendes Material für Wohn- und Prunkbauten, hingegen liefern sie in ihrer verwitterten Art ebenso wie die Lava einen sehr fruchtbaren Boden mit den denkbar besten Bedingungen für Weinbau und Ölbaum. Daher siedelten sich immer wieder Menschen an den Hängen von Vulkanen an und so war auch schon im Altertum das Gebiet um den Vesuv wegen seiner sehr ergiebigen Fruchtbarkeit dicht bevölkert.

Während über die Westküste die Fülle der Fruchtbarkeit und Schön­heit gebreitet liegt, sie zur Kulturseite Italiens geworden ist, fällt im Osten der Apennin zu einem mäßigen Berg- und Hügelland ab. Magere Weiden ziehen sich an den Hängen empor, nur auf den Talsohlen überschatten Feigen- und Olivenbäume ertragreiche Äcker. Längs der Adriaküste streckt sich ein schmaler Streifen von Weizenfeldern.

 

Mittelitalien

Mittelitalien setzte sich in alter Zeit aus den Provinzen Etrurien, Umbrien, aus dem Sabinischen Gebiet, aus Latium, Samnium und Campanien zusammen.

 

Etrurien

Etrurien, das heutige Gebiet von Toskana, war ein bunter Teppich bedeutender Städte, wie z. B. Pisa, Fiesole, Florenz. Noch heute findet man in manchen Orten Erinnerungen an die Etrusker. Man begegnet engen malerischen Gassen mit Lauben und Torbogen, stillverträumten Palästen mit verschlossenen Läden, Befestigungsbauten und wehrhaften Türmen. Die Siedlungen steigen wie im Altertum malerisch an Berghängen hinauf oder grüßen von stolzen Höhen.

Das ganze toskanische Gebiet mutet mit seinen landschaftlichen Schön­heiten, seinen großen geschichtlichen Erinnerungen und dem Ruf seines geistigen Schaffens wie ein wunderbares Präludium beim Eintritt nach Mittelitalien an. Im Osten von Etrurien breitete sich Umbrien bis an die Adria aus. Das gebirgige Land trieb vor allem Viehzucht und Obstbau und bestand aus kleinen Stadtstaaten, wie Rimini an der Küste, Gubbio, Spoleto.
An der durch einladende und hafenreiche Buchten ausgezeichneten, fruchtbaren Westküste lagen die altberühmten Landschaften Latium und Campanien.

 

Unteritalien

Unteritalien gliedert sich im Altertum in die Landschaften Apulien und Calabrien im Osten sowie Lucanien und Bruttien im Westen.

 

Apulien

Apulien ist ein steiniges, wasserarmes Land, Weide für Pferde und Schafe. Nur an der adriatischen Küste drängen sich oasenhaft auf dem satten Schwemmlandstreifen Getreidefelder, herrliche Ölbaumpflanzungen und Weingärten.

Heute bezeichnet man mit dem Namen Apulien die ganze südöstliche Halbinsel mit der »Ferse Italiens«. Der Ertrag des Bodens, der unerschöpfliche Reichtum der Lagune an Fischen und Purpurschnecken, die Kunst­fertigkeit der Bewohner in der Herstellung feiner Gewebe und zierlicher Metallarbeiten hob Tarent zu einer der ersten Handelsstädte Groß­griechenlands, die an Reichtum mit Syrakus wetteiferte.

Der südwestliche Ausläufer Italiens war Bruttien. Es ist sehr gebirgig, besonders in der fichtenreichen Sila, wo die alten Bewohner Schiffsbau­holz und Harz gewannen und reiche Viehzucht trieben. Der Küstensaum mit den Zonen blühender Zitronenhaine und weitausgedehnter Olivenwälder im grellen Licht der Sonne, mit der Bläue des Himmels und des Meeres gibt noch eine schwermütige Er­innerung an die unsagbare Schönheit dieser Landschaft.

 

Sizilien

Sizilien ist die größte Insel des Mittelmeeres (25.462 km2). Sie hat die Gestalt eines Dreiecks. Den Norden des Eilandes durchziehen die Ausläufer der Apenninkette. Südwärts fällt das Gebirge zu niedrigem Berg- und Hügelland ab. Dieses glänzt im Frühjahr im Gold üppiger Weizenfelder, in der regenlosen Sonnenglut vom Mai bis August dürstet es in staubiger, baumloser Öde. An der Ostküste erhebt sich in einsamer Majestät der gewaltigste Vulkan Europas, der Aetna (3.279 m), das schaurig-schöne, rauchumwölkte Wahrzeichen der Insel. Aus seinen Flanken sprossen viele parasitische Kraterkegel, aus seinen Feuerschlünden wälzten sich immer wieder über die kilometerbreiten Lavafelder Tod und Vernichtung auf die paradiesischen, dichtbevölkerten Talbreiten hinunter.

Siziliens galt schon im Altertum als die Kornkammer des Römerreiches. Es war überaus fruchtbar. Aber diese Insel hatte ebenso eine Brückenfunktion zwischen Afrika und Italien. Dementsprechend wurde es zum Sitz eines reichen Handels, aber auch zum blutigen Brachfeld erbitterter Kämpfe zwischen Ost und West, den Griechen und Karthagern, zwischen Nord und Süd, den Römern und Puniern.

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