Nero (Herrschaft: 54 - 68)

Herkunft und Jugend

Nero war von 54 bis 68 n. Chr. Kaiser des Römischen Reiches.

Nero wurde als Sohn von Gnaeus Domitius Ahenobarbus und Agrippina, einer Schwester des Kaisers Caligula. Wie die meisten männlichen Mitglieder seiner Familie war Nero blond oder rotblond und blauäugig. Die als schön geltende Agrippina war für ihren Ehrgeiz, Stolz und Mut, aber auch für ihren Machthunger bekannt. Spätestens seit sie nach dem Tod ihres zweiten Mannes im Jahre 49 Kaiser Claudius hatte, verfolgte sie das Ziel, ihren Sohn Nero zum Kaiser zu machen. Deshalb sorgte sie für seine hervorragende Ausbildung in Literatur, Latein und Mathematik. Nach Vollendung seines zwölften Lebensjahres sorgte sie für die Rückberufung Senecas aus der Verbannung und machte ihn zum Lehrer ihres Sohnes. Seneca war ein bekannter Philosoph, der das Leben Neros entscheidend prägte. Der junge Nero erhielt eine standesgemäße Ausbildung und interessierte sich vor allem für Kunst, Architektur und das Theater.

 

Aufstieg zum Herrscher

Am 25. Februar 50 adoptierte Claudius seinen Stiefsohn. Dieser erhielt den Namen Tiberius Claudius Nero Drusus Germanicus Caesar und stand durch Einflussnahme seiner Mutter kurz darauf an erster Stelle in der Thronfolge. Bereits mit 14 wurde er für erwachsen erklärt und zum Senator und Prokonsul ernannt. Der um zwei Jahre jüngere Sohn von Claudius, Britannicus, wurde nicht von der Thronfolge ausgeschlossen, de facto jedoch mit der Adoption und den Ämtern, die Nero erhielt, in den Schatten gestellt.

 

Die ersten Jahre seiner Herrschaft

Die ersten Jahre von Neros Herrschaft begannen positiv. Er zeigte sich als fähiger und eigenständig handelnder Richter, der sein Urteil wohlüberlegt fällte. Er betonte die Eigenständigkeit der senatorischen Rechtsprechung, und war beim Volk durch Senkung des Getreidepreises und die Veranstaltung von Spielen beliebt. Von Nero ist der Satz „Wenn ich doch bloß nicht schreiben könnte!" überliefert. Er soll ihn gesagt haben, als er zum ersten Mal ein Todesurteil unterschreiben musste. Die meisten Verbrecher verurteilte er zur Zwangsarbeit, während der Adel ins Exil verbannt oder zum Selbstmord gedrängt wurde. Die ersten fünf Jahre gelten als das glückliche Jahrfünft. Der Einfluss von Seneca, Burrus und anfangs auch von Agrippina auf Nero in dieser Zeit scheint ursächlich für die guten Regierungsjahre.

Solange Seneca und Burrus ihren Einfluß auf die Regierung Neros behielten, bannten sie jede Gefahr. Aber als die Nachtseiten im Charakter Neros, jahrelang mühsam verhüllt, durchbrachen, setzte das Schreckensregiment ein. Anlass gab ihm seine Mutter, die, aus ihrer Machtstellung verdrängt, sich dadurch zu rächen suchte, dass sie dem beiseite gestoßenen Britannicus zum Thron helfen wollte. Nero ließ wahrscheinlich den Adoptivbruder ver­giften. Burrus und Seneca brachten nicht den Mut auf, die verhängnisvolle Entwicklung des Kaisers zu hemmen.

 

Der Muttermord

Nero wollte auch seine Mutter aus dem Wege räumen. Aber gegen diese vorsichtige und tatkräftige Frau musste er mit aller Schlauheit zu Werke gehen. Er fand in einem Flottenkommandanten einen gewissenlosen Helfer. Dieser ließ eine Barke bauen, die auf dem Meer durch einen Hand­griff in ihre Teile auseinanderfallen sollte. Gelang der Anschlag, dann war Agrippinas Tod ein Unglück, wie es zur See leicht geschehen konnte. Nero verbrachte die schönen Märztage des Jahres 59 am Golf von Neapel im Seebad Baiae. Auf einmal heuchelte er tiefes Verlangen nach Ver­söhnung mit der Mutter und lud sie zu sich ein. Als sie kam, empfing sie der kaiserliche Sohn mit Umarmung und geleitete sie nach ihrer Villa in der Nähe von Baiae. Am Nachmittag sollte große Tafel beim Kaiser sein. Am Strande schaukelte die Todesbarke, die, mit Anicetus und kaiserlichen Matrosen an Bord, sie zu seinem Palast bringen sollte. Indes zog sie den Landweg vor und das Schiff fuhr ihr nach. Beim Mahle war Nero die Liebenswürdigkeit selbst und dehnte es über die Zeit aus, damit die hereingebrochene Dunkelheit die Rückfahrt zu Wasser rätlich erscheinen lasse. Beim Scheiden geleitete er sie zum Schiff und verfolgte sie lange mit den Blicken. Es war eine herrliche Sternennacht, die See ruhig: da, als man kaum ins freie Wasser gekommen war, brach das mit Blei beschwerte Dach der Deckkajüte krachend zusammen. Allein über Agrippina und der Kammerfrau hatten sich die Balken gekreuzt und der Mechanismus des Schiffes versagt. Agrippina verlor auch in diesem Augenblick des Entsetzens nicht ihre Besonnenheit. Als sich die Bemannung auf die eine Seite drängte, um das Schiff mit Gewalt zum Kentern zu bringen, sprang sie in die Flut.

Ein Fischernachen brachte die Schwimmende ans Land. Sie sandte so­gleich frohe Botschaft von ihrer glücklichen Rettung an den Kaiser, um, wenn möglich, den Argwohn, dass sie den Verderbenstifter erraten habe, zu zerstreuen und weiterer Gewalttat vorzubeugen. Nero war zu Tode erschrocken. Da unternahm es Anicetus, den Kaiser von seiner Furcht zu befreien. Mit einer Abteilung Marinesoldaten marschierte er noch in der Nacht durch die erregte Menschenmenge, umstellte Agrippinas Villa und drang in das Innere ein. Agrippina ahnte, was kam, und empfing den Todesstreich.

 

Der schrankenlose Nero

Von jetzt an gab es für den Kaiser keine Schranken mehr. Er überließ sich unter Missachtung des früher bevorzugten Senates und seiner bis­herigen Berater ganz seinen Launen und Ausschweifungen. Der Kaiser verstieß seine edle Gemahlin Octavia und ließ sie bald darauf töten, um den Weg zu einer neuen Ehe freizumachen. Er heiratete eine der ver­ruchtesten Frauen aus der ritterlichen Aristokratie, Poppaea Sabina.

 

Rom brennt

Infolge der grenzenlosen Verschwendung Neros trat bald ein finanziel­ler Zusammenbruch ein, der durch die furchtbare Feuersbrunst des Jahres 64 in Rom noch gesteigert wurde. Von den vierzehn Bezirken blie­ben nur vier verschont. Alles andere war ein Trümmerhaufen. Für die obdachlose Menge ließ Nero Sorge tragen. Nothütten wurden errichtet, die noch erhaltenen öffentlichen Gebäude, die kaiserlichen Gärten den Leuten eingeräumt, Gerätschaften und Lebensmittel zu Wasser und zu Lande herbeigeschafft. Das hinderte aber nicht, dass sich das Gerücht behauptete, der Kaiser habe selbst das Feuer angestiftet. Nero hatte nach dem Brande die Möglichkeit, die Hauptstadt, die bisher im zeitlichen Nacheinander, nach Zufall und Notwendigkeit ohne städtebaulichen Gesamtplan gewachsen war, nach dem Vorbilde der hellenischen Groß­städte nach einer einheitlichen Idee wieder aufzubauen. Dadurch entstand die Weltstadt in neuem Glänze geradliniger Straßen, mächtiger Wohn­häuser mit Laubengängen und prachtvoller Tempel und Paläste.

 

Christen als Sündenbock

Aber zwei Umstände erregten große Missstimmung. Einmal, dass Nero in ver­schwenderischer Pracht mit allem erdenkbaren Luxus für sich einen weit­läufigen Prunkpalast, das Goldene Haus, errichten ließ. Der zweite Umstand war der, dass er für das Brandunglück die junge Christengemein­de Roms, deren Name bei diesem Anlass zum ersten Mal und mit blutigen Lettern in der römischen Überlieferung aufschien, zum Sündenbock machte, und sie mit den grausamsten Strafen verfolgte, deren Unmensch­lichkeit selbst die Christenfeinde abstieß.

Sie wurden verhaftet und viele zu grausamen Todesstrafen verurteilt. Die meisten wurden verbrannt, da dies die im römischen Recht für Brandstifter vorgesehene Strafe war, einige gekreuzigt oder in Felle gesteckt und in der Arena den Tieren vorgeworfen

 

Nero als Künstler

Seit seiner Jugend hatte Nero einen Hang zu allen schönen Künsten. Bei der römischen Oberschicht waren künstlerische und literarische Ambitionen zwar gern gesehen, doch sie sollten im kleinen, privaten Kreis ausgelebt werden, nicht auf der öffentlichen Bühne und erst recht nicht vor dem Volk. Spätestens seit 60 n. Chr. kam in Nero der Künstler, der um Anerkennung buhlte, immer mehr zum Vorschein. Schon vorher hatten Seneca und Burrus dem Herrscher kleine Ausflüge in die Arena und auf die Bühne gestatten müssen, diese fanden allerdings vorerst nur mit Freunden und für Freunde und Mitglieder des Hofes statt.

Im Jahr 59 veranstaltete Nero um seine traditionelle Bartabnahme ein Fest. Bei dieser Gelegenheit traten jedoch nicht professionelle Künstler auf, sondern Senatoren und Ritter, was für die römische Aristokratie verdammenswert war. Am Ende der Spiele trat Nero selbst auf. Im folgenden Jahr stiftete der Kaiser Spiele, die sich an den griechischen Spielen orientierten und in Neapel stattfanden, weil dort das Publikum Aufführungen jeder Art offener gegenüber stand als in Rom. Auch hier trat der Kaiser öffentlich und erstmals vor einer großen Zuschauerzahl auf.

Bei den nächsten Spielen, die aufgrund des Brandes von Rom erst 65 stattfanden, präsentierte sich Nero in Rom. Der Senat versuchte dies verhindern, indem er dem Kaiser bereits vorher den Sieges- und Ehrenkranz anbot, doch Nero wollte keine Begünstigung und den Auftritt. Während das Volk die Darstellung des Kaisers genoss, waren Senatoren und auswärtige Staatsgäste angewidert und entsetzt. Vespasian soll bei dieser Aufführung auch anwesend gewesen und eingeschlafen sein, was ihn fast das Leben gekostet hätte, denn der Kaiser erwartete Aufmerksamkeit und verbot ein vorzeitiges Verlassen des Schauplatzes.

 

Verschwörung und Tod

Der weitverbreitete Unwille gegen den kaiserlichen Mörder von Mutter, Stiefbruder, Gattin und so vielen Unschuldigen hatte eine Verschwörung zur Folge. Männer des Hochadels und Offiziere der Praetorianer ver­einigten sich, um dem schamlosen Treiben ein Ende zu setzen. Allein die Verschwörung wurde entdeckt und kostete vielen das Leben. Auch der greise Seneca, der dem entarteten Zögling längst ein Dorn im Auge war, musste sterben.

Die letzten Hüllen der schandbaren Regierung fielen, als der Kaiser 66/67 Griechenland aufsuchte. Er überschüttete Hellas mit Wohltaten. Die griechischen Städte mussten ihre Spiele auf ein und dasselbe Jahr zusammenlegen, damit er in allen auftreten und um den im voraus bestimmten Preis kämpfen konnte.

Aber schon während seiner Abwesenheit war in Rom die Unzufrieden­heit immer unverhohlener hervor­getreten. Die Entscheidung kam von den Legionen an den Reichsgrenzen. Die spanischen Legionen riefen ihren Führer Sulpicius Galba zum Kaiser aus.

Als die Nachricht eintraf, weitere Heere seien übergelaufen, wurde Nero panisch. Er beschloss erst jetzt - oder hatte dies vielleicht schon länger für den Notfall geplant - nach Ägypten zu fliehen. Nero gab seinen vermeintlich treuesten Beratern den Befehl, in Ostia eine Flotte seeklar zu machen. Auf seinem Weg zum Hafen machte Nero noch ein letztes Mal in einem seiner Landgüter halt und schlief dort kurz ein. Als er aufwachte, musste er feststellen, dass seine Leibgarde, die ihn schützen sollte, abgezogen war.

Nero erkannte den Ernst seiner Lage und versuchte, bei einem seiner früheren Freunde Unterschlupf zu finden. Niemand wollte ihm Asyl gewähren, außer seinem Freigelassenen Phaon. Sofort machte sich der Kaiser mit nur vier Begleitern auf den Weg. Unterdessen erreichte Nero ein Schreiben, das beinhaltete, dass er vom Senat zum Feind des Volkes erklärt worden sei, und man ihn suche, um ihm die entsprechende Bestrafung angedeihen zu lassen. Trotz der Panik schob er die Ausführung seines Selbstmordes so lange auf, bis er herannahende Pferde hörte. Mit Hilfe seines Sekretärs Epaphroditus stach er sich einen Dolch in die Kehle.

So starb Nero am 9. oder 11. Juni 68. Sein Leichnam wurde verbrannt und im Familiengrab mit großem Aufwand beigesetzt. Kurz vor seinem Tod soll er immer wieder ausgerufen haben: „Welch Künstler geht mit mir zugrunde!"

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