Caesars Alleinherrschaft

Titel und Ämter

Schon nach seiner Rückkehr aus Ägypten im Jahre 46 v. Chr. hatte Caesar sich zum Diktator auf zehn Jahre ernennen lassen.

Nach seinem letzten militärischen Erfolg in Spanien wurde er vom Senat zum  Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus) ernannt. Insbesondere dieser letzte, nicht verfassungskonforme Titel, erweckte den Verdacht, dass Caesar nach der Königswürde greifen wolle. Auch die Art, wie er sich über die „res publica" äußerte und mit ihren Institutionen umsprang, erweckte Misstrauen: Der Staat sei nichts als ein blutloser Schatten, Sulla sei ein politischer Analphabet gewesen, dass er die Diktatur niedergelegt habe.

Neben der Diktatur erhielt Caesar auch den Imperatortitel, der mit der höchsten militärischen Befehlsgewalt und dem obersten Richteramt verbunden war. Zusätzlich ließ er sich die Oberaufsicht über die Sitten, das Volkstribunat und das Oberpriesteramt (pontifex maximus) übertragen.

 

Sein Eigenname wurde später Titel, den sich zuerst Augustus beilegte und nachher alle Herrscher des römischen Reiches führten. Die höchste Würde war auch mit äußeren Zeichen verbunden. 72 Liktoren mit Lorbeer um die Rutenbündel begleiteten Caesar, er hatte das Recht, zwischen den Konsuln zu sitzen, im Senat als erster abzustimmen und die Rennen zu eröffnen. Er trug den Purpurmantel, die hohen roten Schuhe der Könige von Alba, er schmückte meist sein Haupt mit dem Lorbeer­kranz. Sein Geburtstag wurde zum Staatsfeiertag, sein Geburtsmonat, der im altrömischen Jahr, das mit dem März begann, der fünfte gewesen ist, wurde nach seinem Vornamen benannt (der heutige Monat Juli). Seine Statuen wurden in allen Städten und in den Tempeln Roms neben denen der Götter aufgestellt, bei seinem Genius leisteten die Beamten ihren Eid. Schon war seine Verehrung zu so schwindelnder Höhe ge­stiegen, dass sie der göttlichen nahekam. So hielt die orientalisch-griechi­sche Auffassung der Herrscherwürde in den Attributen, mit denen sich Caesar umgab, auch in Rom ihren Einzug.

 

Reformen und Verdienste

Mit welchen Reformen und Verdiensten um Volk und Staat hatte sich Caesar diese Sonderstellung und Ehrungen erworben?

  • Gleich zu Beginn zahlte er beim Triumph jedem seiner Soldaten die doppelte Summe, als es üblich war, bewirtete die Bürger an 22 000 neun-sitzigen Tischen, ergötzte sie durch eine Scheinseeschlacht, an der 10 000 Mann teilnahmen.
  • Es war ihm klar, dass seine Siege sinnlos waren, wenn er nicht einen geordneten und neuen Staat aufbaute. Vor allem bemühte er sich, die zerrütteten Zustände ohne blutige Maß­nahmen durch Versöhnung der Gegner zu beseitigen und hervorragende Männer aller Parteien zur Mitarbeit im Staatsleben heranzuziehen.
  • Er half den wirtschaftlich Schwachen, unterstützte kinderreiche Familien, erließ Bestimmungen über Wucher und Konkurs, schuf Arbeitsmöglich­keiten bei öffentlichen Bauten, ordnete an, dass ein Drittel aller Arbeits­kräfte auf den Gutshöfen aus Freien bestehen müsste.
  • Die Veteranen erhielten Land und Hof. Ein wohlorganisierter Siedlungsplan, der auch die Städte Karthago und Korinth zu neuem Leben weckte, minderte die Zahl der arbeitslosen Getreideempfänger von 320 000 auf 150 000.
  • Gesetze wurden gegen Unruhen, politisch-agitatorische Vereine, gegen Bestechung, Verschwendung und Luxus erlassen. Sein Steuersystem brachte den Provinzen eine fühlbare Erleichterung. Nur die indirekten Steuern, wie z. B. Ein- und Ausfuhrzoll, wurden fernerhin verpachtet, die direkten hingegen, mochten sie nun in Geld oder Naturalien abgeführt werden, wurden durch Staatsbeamte erhoben.
  • Grausame Ausbeutung und Erpressungen wurden mit unnach­sichtiger Strenge bestraft.

 

Verbreitung römischer Kultur

Durch die Kolonisten wurden italische Sitte und lateinische Sprache über die Länder verbreitet, die Provinzen mit römisch-hellenischer Kultur durchsetzt. Der Bau von Straßen und Kanälen, ebenso die Ein­führung der Reichsmünze, des goldenen Aureus neben dem silbernen Denar, förderten Handel und Verkehr. Die künstlerisch ausgeführten Münzen trugen Caesars Bildnis.

Rom schmückte Caesar durch viele Bauten. Schon im Jahr 54 hatte er, um das Forum zu entlasten, auf dem Marsfeld einen neuen Versammlungs­platz begonnen. Auf der Südseite des Forums begann er die Basilica lulia als Hauptsitz der Gerichtsverhandlungen zu errichten. Im Gegensatz zu dem alten Forum, wo im zeitlichen Nacheinander Zufall und Laune ohne architektonischen Gesamtplan die Bauten verteilten, ist das Caesarforum ein von einer Säulenordnung umgebener, geometrisch abgegrenzter Hof, dessen Ende der Tempel der Venus Genetrix, der Stammutter des Julischen Geschlechtes, einnahm. Seine Marmorpracht mit hellenistisch-korinthischen Ordnungen kündet bereits von der Verschmelzung altrömischer Kraft und Würde mit griechischer Helle. Die ganze Anlage sollte nicht mehr dem geschäft­lichen und politischen Treiben, sondern der Ruhe und Erholung sowie der Entlastung des Forum Romanum dienen.

Die Baupläne des Diktators reichten über die Hauptstadt hinaus. Er wollte durch Umleitung des Tiber eine weitere Versandung des Hafens Ostia verhindern und ihn dadurch brauchbarer machen, er hatte vor, den Fucinersee und die Pontinischen Sümpfe trocken zu legen, um Rom von der Malaria zu befreien und Fruchtboden zu gewinnen. Die Durchfüh­rung aller dieser Vorhaben machte sein früher Tod zunichte. Die Trockenlegung der Sumpfgebiete erfolgte erst in unserem Jahrhundert.

Um die Förderung der geistigen Kultur hat sich Caesar zielbewusst angenommen. Dem hochangesehenen Gelehrten und Erforscher der römischen Altertümer M. Terentius Varro übertrug er die Einrichtung der öffentlichen Büchereien und ernannte ihn zum Reichsbibliothekar. Er sollte griechische und römische Literatur zusammentragen und sie in der Hauptstadt als Zeugnis des gesamten Kulturschaffens der Ver­gangenheit in einer großen Bibliothek vereinen.

 

Caesar war unermüdlich

Unermüdlich widmete sich Caesar allen Aufgaben. Er war ein glänzender Redner, ein hervor­ragender Schriftsteller, der nicht nur erzählen, sondern auch durch das Wort wirken, Gefahr und Vorteil aufzeigen und Weg und Tat zu erfolg­reichem Ziel weisen wollte.
Trotz der Flut der Geschäfte fand er Zeit, sich um die Kalenderreform zu kümmern. Der Kalender der Priester zeigte einen Fehler von 67 Tagen gegen das tropische Jahr und stimmte daher mit den Jahreszeiten nicht mehr überein. Die Verbesserung führte ein Grieche aus Alexandria, der Astronom Sosigenes, nach dem Vorbild des ägyptischen Kalenders durch, der das Sonnenjahr mit 365 Tagen berechnete.

Die durch Ciceros geist­vollen Freigelassenen M. Tullius Tiro erfundene Schnellschrift, machte er für die Auf­zeichnung der Senatsdebatten nutzbar. Die Stenographen hatten eine solche Gewandtheit, dass sie, wie Seneca sagt, mit ihren Zeichen auch eine noch so rasche Rede aufnehmen konnten und die eilende Hand der schnellsten Zunge nachkam.

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