Trajan (Charakterbilder der Geschichte, von Grube)

Trajan, ein Spanier von Geburt, war der erste Ausländer auf dem römischen Kaiserthrone. Schon ausgezeichnet als Feldherr, wurde er einer der besten Kaiser, die regiert haben. Auch unter seiner zwanzigjährigen Regierung fehlt es nicht an Unglücksfällen aller Art; hier zerstörte ein Erdbeben ganze Gegenden, dort entstand eine Hungersnot und Rom litt durch Feuersbrünste, bei welchen auch Nero's goldenes Haus, auf welchem wohl der Fluch des Himmels ruhen musste, abbrannte. Aber Trajan's milde Hand linderte, dem Titus gleich, überall das Unglück. Unter dem abscheulichen Domitian waren wieder die heimlichen Anklägereien eingerissen; Trajan reinigte Rom von dem Gesindel der Ankläger, die so vieler unschuldiger Menschen Leben auf ihrem Gewissen hatten; er ließ sie auf Schiffe packen und schickt sie auf wüste Inseln, wo sie kein Unheil stiften konnten. Die vorigen schlechten Kaiser hatten sich ängstlich mit Wachen umgeben und waren doch ermordet worden. Trajan umgab sich daher mit einer stärkeren Wache, mit der Liebe seiner Untertanen. Er ließ auch seine Bildsäulen nicht aufstellen, um verehrt zu werden, denn in den Herzen seiner Untertanen hatte er sich ein bleibendes Denkmal errichtet. Sein Palast stand für jeden den ganzen Tag offen, und mit allen sprach er freundlich. So lebte er wie ein Vater in der Mitte seiner Kinder. Den durch Unglücksfälle verarmten Provinzen erließ er die Abgaben oder mäßigte sie; zur Hebung des Verkehrs legte er Landstraßen an, für arme Kinder stiftet er Erziehungsanstalten. Es war keine Schmeichelei, wenn das Volk ihn „den Besten" nannte, und wenn man in späteren Zeiten den Kaisern und dem Volke etwas Gutes wünschen wollte, sage man ihnen: „Sei glücklicher als Augustus und besser als Trajan!"

Auch als Feldherr war er groß. Schon waren germanische Stämme über die entlegenen Grenzen hereingebrochen und der feige Domitian hatte ihnen Tribut zahlen müssen. Da zog Trajan an die Donau, schlug die Dacier und macht ihr Land zu einer römischen Provinz. Darauf führte er auch mit den kriegslustigen und tapferen Parthern Krieg und drang über den Euphrat bis nach Indien vor. Nahm die Hauptstadt der Parther Ktesiphon ein, eroberte das glückliche Arabien und beschiffte - als erster und letzter aller römischer Feldherren - den persischen Meeresbusen. Die Macht und Kraft des Römerreichs loderte unter ihm und Mark Aurel noch einmal in heller Flamme empor.

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