Griechenlands Landschaften und Wesensart

Griechenlands Lage

Griechenland hat eine besondere Geographie. Die Landschaft prägt und gestaltet in hohem Maße die griechische Wesensart. Im Norden blockieren Gebirgszüge die Zusammenhänge mit dem europäischen Hinterland. Aber auch nach Süden und Westen schieben sich Inseln gegen Afrika und Italien vor. So ist das Meer keine Völkerscheide, sondern auf seinem Rücken flutet der Verkehr auch einer primitiven Schiffahrt, die Inseln als Rastplätze und Richtzeichen nutzend.

Der griechische Siedlungsraum von Epirus und Thessalien bis zur Südspitze der Peloponnes ist trotz seiner geringen Ausdehnung von nur etwa 88.000 km²(Flächeninhalt Deutschland: 350.000 km²) so reich und mannigfaltig gegliedert wie kaum ein anderer in der Welt. In tiefen und weiten Buchten bricht das Meer in das Festland ein und spaltet es in kleinste geographische Provinzen auf. Die Bewohner betreiben Seefahrt und Fischfang. Nur wo gute Häfen fehlen, bleibt der Grieche Hirt und Bauer. Das Relief der Binnenlandschaft bestimmen die Kalkgebirge, die sich vielfach verästeln und auch gelegentlich ins Meer vorschieben. Zwi­schen den schroffen, über 2000 m ansteigenden Höhen betten sich lang­gezogene Täler, die nur durch schwer übersteigbare Passwege untereinander verbunden sind. Oft werden auch noch diese Talschaften durch querliegende Gebirgsblöcke in kleinere Bereiche gesondert.

 

Berge

Die Gebirge erheben sich oft auf kleiner Grundfläche zu bedeutender Höhe in steilen und eindrucks­vollen Gestaltungen. So gipfelt der auf drei Seiten vom Meer umgebene Athos mit 2000 m, der Olymp mit 2917 m in nur 18 km Abstand vom Meer, der Taygetos mit 2409 m in einer Küstenentfernung von 13 km. Auf diesem engnachbarlichen Zusammenrücken von Höhen, wo oft der Schnee nur wenige Wochen im Hochsommer schwindet, und ebenen Fruchtgeländen und sich weitenden Meeresbuchten, auf dieser Vielfalt von Form und Farbe beruht die Schönheit der griechischen Landschaft.

 

Klima

Das Klima Griechenlands schwankt wegen der großen geographischen Breitenunterschiede, aber es steht in seiner Gesamtheit unter dem typischen mediterranen Einfluss. Die Sommer sind heiß und wegen der trockenen Nordwinde regenarm. Getreide, Weinstock und Ölbaum sind die dem Klima angepassten drei Kulturpflanzen. Das Getreide wird noch vor der Sommerdürre im Juni geerntet, Ölbaum und Weinrebe überdauern sie im Grünen. Auch der gegen Verdunstung durch seine flei­schigen Blätter geschützte Feigenkaktus und die Agave mit ihrem hohen Blütenschaft halten die heiße Zeit durch. Agrumen (Zitrusfrüchte), Tabak und Baumwolle, die heute selbstverständlich zum Vegetationsbild Griechen­lands gehören, waren der Antike unbekannt. Im Winter sinkt die Tem­peratur an der Westseite langsamer als an der Ostseite, große Regenzeiten lassen die sonst wasserarmen Flüsse zu verheerender Kraft anschwellen. Ge­legentliche Schneefälle breiten nur über die höchsten Gebirgslagen eine langdauernde Firndecke.

Für Griechenland charakteristisch ist die Klarheit der Luft. Sie zeichnet in durchsichtiger Helle alle Geländeformen mit wunderbarer Tiefenschärfe und hat einen Hauptanteil an dem bildnerischen Sinne der Griechen.

 

Seewege

Die Seefahrt überwog den Landverkehr. Denn dieser bot nur wenige Straßen, meistens nur Karrenwege; erst unter den Römern wurden Kunststraßen angelegt. Wohl aber war der Seeverkehr durch die meeroffene Lage, die hafenreiche Aufgliederung der Küsten und durch die vielen Inselstützen der Ägäis bedeutend, im Sommer gefördert durch das nebelfreie Meer. Nur in den Wintermonaten ruhte die Schifffahrt.

 

Von der Wesensart der Griechen

Vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. beherrschten die Griechen den Verkehr der damaligen Welt. Diese Weite hat in ihnen Kräfte geweckt, ihre eigene Wesensart zu entfal­ten und weltzugewandt die umgebenden Einflüsse älterer und höherer Kulturen zu neuer schöpferischer Einheit einzuschmelzen. Brachte auch die Zersplitterung und Absonderung des landschaftlichen Reliefs einen individualistischen Zug in das Griechentum gegenüber den großen zentralistischen Orientstaaten, führte sie zu politischer Zerteilung und einem sehr starken Freiheitsbewusstsein, so schützte die meeroffene Lage vor nationaler Abgeschlossenheit. Die zur Schifffahrt einladende Küste und die Armut des Mutterlandes ließen sie ferne Kolonien gründen und des Wissens und der Schönheit Licht über den Mittelmeerraum breiten. Sie gelangten als die ersten unter den abendländischen Menschen zu vollendeter Reife, wuchsen zu Lehrmeistern der anderen Völker und blieben sie auch dann noch, als ihre politische Macht längst dahingesunken war.

 

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