Spaziergang durch die Stadt

Auf dem Weg durch Athen kam man an einem Gymnasium (gymnos = nackt) vorbei, wo sich auf einer Wiese zwischen Säulenhallen und Baumgruppen nackte, sonngebräunte Knaben und Jünglinge in Lauf, Sprung, Ringkampf, Speer- und Scheibenwurf übten. So wollte man den jungen Menschen helfen, Leib und Seele harmonisch zu entfalten. Der Körper werde dadurch schön. Doch pflegten sie auch den Geist: zuerst durch Gesang und Flötenspiel, hernach durch Rechnen, Schreiben, Lesen. Später wurden den Kindern die Sprüche der Weisen vorgetragen und sie durften in den Versen ihres großen Dichters Homer die Taten der Helden miterleben. Das wecke den Geist, veredle das Gemüt und sporne den Willen an zur eigenen Tat. Demselben Zweck diene auch das Theater, das die Athener fast wie einen Tempel ehren.

Am Markt ist die Vielfalt der angebotenen Waren zu bewundern: Öl, Wein, Gemüse, Früchte, Mehl, Käse, Fleisch und Fisch, daneben Tücher, Kleider, Teppiche, Lederwaren, Werkzeug und Küchengerät aus Eisen, Kupfer und Zinn. Eine wahre Augenweide bot der Töpfermarkt mit schön geformten Vasen, Schalen, Henkelkrügen, Öllampen, Gefäßen aller Art, die oft noch mit Zeichnungen aus dem Götter- und Heldenleben verziert waren. Auf dem Büchermarkt konnte man einzelne Rollen aus ihren Behältern ziehen, man löste das rote und gelbe Pergamentband, um die Papyrusblätter, die um runde Stäbe mit Metall- oder Elfenbeinknöpfen gewickelt waren, zu entrollen. Blumenbinderinnen verkauften Kränze aus Efeu, Myrten, Rosen, Veilchen, Hyazinthen. Hübsche Flötenspielerinnen und Tänzerinnen spielten und tanzten für die Reichen beim festlichen Mahl. Am Markt standen einst stolze Tempel, Gerichtslokale und andere öffentliche Gebäude, Geschäfte, ein Konzertsaal und sogar eine große Turnhalle. Auf dem Markt wurde die Grundlage der gesamten europäischen Zivilisation gelegt. Wörter wie: Politik, Demokratie, Ökonomie, Historie, Biologie, Physik, Mathematik, Logik, Theologie, Philosophie, Ethik, Psychologie, Theorie, Methode, Idee und System und noch viele andere stammen von einem ziemlich kleinen Volk

Schließlich kann man die Felsen der Akropolis besteigen. Man sieht über die Stadt, den Hafen und die Inseln bis zum Horizont, wo sich Himmel und Meer zu berühren scheinen. Die Sonne neigt sich in roter Glut zum Untergang, und ein frischer Lufthauch wehte vom Meere her. 

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