ISLAND – Land der Feen, Nymphen und Götter

Auf Island sind Geister, Götter und Feen allgegenwärtig. Asgard, der Göttersitz, oder die „leuchtende Götterburg“, wie sie in der Edda, der altnordischen Spruchdichtung genannt wird, liegt in einem verrufenen Gebiet, das die Isländer Odadaharaun nennen: „Missetäterwüste“. Benannt nach den Mördern, Meineidigen und Ehebrechern, die einst, germanischer Rechtstradition entsprechend, aus der menschlichen Gemeinschaft verbannt und für vogelfrei erklärt worden waren. Hierher waren sie nach ihrer Verurteilung geflüchtet, in diese Hochlandwüste der aktiven isländischen Vulkanzone, die tief im Innern der Insel versteckt liegt.

Die Vulkaninsel Island war bis ins 13. Jahrhundert hinein die letzte Bastion des germanischen Götterglaubens, bis die Christianisierung auch das ferne Eiland im Polarmeer erreicht hatte. Der Glaube an die Existenz solcher Geistwesen ist in Island weit verbreitet. Beim Straßenbau dürfen dort, wo sie hausen, keine Bulldozer und Planierraupen eingesetzt werden. Der Lokalpolitiker Porsteinn Jóhannsson wird im Tourismusblatt des Ortes mit den Worten zitiert: „Ihre Existenz kann nicht bezweifelt werden. Wir müssen lernen sehr aufmerksam zuzuhören, was die Elfen uns zu sagen haben.“

Island ist ein geologisch junges Land, weil sein Ursprung vulkanisch ist. Auch heute noch sind die Vulkane dort aktiv. Hinzu kommen die gigantischen Gletscher. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine "heiße Mischung".

Nirgendwo sonst auf der Erde finden sich mehr Vulkane und vulkanische Erscheinungen so nah beieinander wie auf Island. Wo man sonst viele Kilometer fahren oder fliegen muss, um bestimmte Naturerscheinungen beobachten, sind auf Island oft nur wenige Schritte nötig.

Die Landschaft

Nicht nur die Sagen, Legenden und Götterbotschaften auf Island sind voller Mythen – es ist vor allem auch die Landschaft, die voller dunkler Ahnungen und Überraschungen steckt. Island wirkt auf Schritt geheimnisvoll. Der Mythos steckt tief in seinem Landschaftschaftscharakter. Hinter Felsnasen und über gleißenden Gletscherbahnen, in hochaufragenden Steilwänden, die blau und violett schimmern, hinter Nebelschleiern und in brausenden Wasserfällen zeigen sich Gesichter und Erscheinungen.
Schon die Namen der Fjorde bringen zum Ausdruck, was den Besucher auf Island erwartet. Sie heißen Höllenbucht, Schwanenmoor, Kalte Lagune, Wonnetal, Hünebucht.

Die Insel – die zweitgrößte Europas hinter Großbritannien –ist gebirgig, ungefähr drei Viertel des Landes liegen mehr als 200 Meter über dem Meer und über als die Hälfte mehr 400 Meter. Der höchste Gipfel ist der Hvannadalshnúkur (2.119 m), der aus dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, aufragt.

Große Teile Islands sind gänzlich unbewohnt, 11% seiner Fläche sind von Gletschern bedeckt, 10% von Lavafeldern und 3% von Wasser, nur 1% ist kultiviert. Diese Vulkanzone erstreckt sich über gut 35.000 Quadratkilometer und bedeckt etwa ein Drittel der 103.000 Quadratkilometer großen Insel. Das vulkanische Gebiet ist damit beinahe so groß wie die Schweiz (41.000 Quadratkilometer). Das vulkanische Gebiet zieht sich als Streifen von Norden nach Süden durch die Mitte der Insel. Hier gibt es Kegelvulkane, Gletschervulkane, Tafelvulkane und Ringwallvulkane. Man stößt auf Feuerspalten, Lavahöhlen, kochende Schwefeltümpel, heiße Quellen und Geysire, die ihre Fontänen viele Meter in den nordischen Himmel schleudern. Eine Landschaft wie geschaffen für Mythen und Sagen.

 

Bewohner

Island ist mit rund 103.000 Quadratkilometern der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas. Mit etwa 317.000 Einwohnern auf dieser Fläche ist die Insel aber auch eines der dünnst besiedelten Gebiete auf unserem Kontinent. Im Gegensatz zu anderen westlichen Staaten wächst die Bevölkerung, von der etwa 93 Prozent die isländische Staatsbürgerschaft hat, stetig an. Ein Großteil der Einwohner lebt in der Hauptstadt Reykjavík (119.848, Stand Juni 2010) und den umliegenden Gemeinden, die anderen entlang der Küste, denn Islands Mitte ist nicht nur unbewohnt, sondern auch unbewohnbar.

 

Das Klima ist gar nicht so kalt

Island liegt im Nordatlantik südlich des nördlichen Polarkreises. Das Klima ist aufgrund des warmen Golfstroms milder als in anderen Regionen dieser Breitengrade. Im Winter ist es vergleichsweise mild, im Sommer eher kühl. Die Durchschnittstemperatur beträgt im Juli 12°C, im Januar minus1°C. Das Wetter in den verschiedenen Landesteilen wird stark von der Windrichtung beeinflusst. Bei Südwind kann es an der Südküste regnen, während im Norden die Sonne scheint und es über 20°C warm werden kann. Trotz guten Wetters im Tiefland kann es auch im Sommer im Hochland bei Nordwind und niedrigen Temperaturen schneien.

 

Plötzliche Wetterstürze

Gefürchtet sind auf Island die plötzlichen Wetterstürze. Sie kommen in den Westfjorden nicht selten vor. Auch im Sommer können aus heiterem Himmel dichte Nebel die Orientierung erschweren und die Fahrt auf den holprigen wenig befestigten Straßen noch beschwerlicher machen. Das Wetter ist in der Regel sehr viel unbeständiger als in Mitteleuropa, und es regnet auch sehr viel häufiger. Bei einem Aufenthalt in Island sollte man daher nie ohne Regenschutz auf Wanderschaft gehen, denn das Wetter schlägt oftmals blitzschnell um, so ähnlich wie wir es vom April her gewohnt sind.

 

Geysire

Faszinieren sind auch die vielen Geysire auf Island. Es gibt dort so viele Geysire, weil die Insel auf dem mittelatlantischen Rücken sitzt. An dieser Schwachstelle der Erdkruste steigt Magma auf, und es bilden sich Magmakammern in Hohlräumen des Gesteins.

Dadurch werden die benachbarten Gesteine erhitzt. Wasser, das im Untergrund zirkuliert, wird dabei erwärmt. Kann sich dieses Wasser frei zur Erdoberfläche zurückbewegen, entstehen lediglich heiße Quellen oder blubbernde Schlammlöcher.
Ist eine Quellröhre jedoch derart gebaut, dass das Wasser teilweise im Gestein eingeschlossen bleibt, kann es nicht sieden, auch wenn die entsprechende Temperatur längst überschritten ist. Es überhitzt und eine Dampfblase baut sich auf, wodurch das heiße Wasser explosionsartig nach oben geschleudert wird.

Tritt nur Dampf aus, spricht man von einer Fumarole. Ein steter Wasserzufluss bewirkt die ständige Wiederholung dieses Vorgangs - oft in regelmäßigen Abständen. Daher braucht man nur ein wenig Geduld, um den nächsten Geysir beobachten zu können.

 

Vulkanfelder an der Krafla

 

Lavaströme

Mitternachtssonne und dunkle lange Winter

In ganz Island sind die Sommermonate hell, und sowohl Frühling als auch Spätherbst erfreuen sich langer Dämmerungsphasen. So geht während der Sommermonate in Island die Sonne nie richtig unter. Um Mitternacht wird es kurz dämmrig und auch kühler, nach einer kurzen Dämmerphase wird es dann allmählich wieder heller. Besonders im Landesnorden lässt sich die Mitternachtssonne in Juni gut beobachten. Dort kann man durchgehend die Strahlen der Mitternachtssonne genießen. Die wirklich dunkle Zeit mit drei bis vier Stunden Tageslicht dauert von Mitte November bis Ende Januar. Die Durchschnittstemperatur in den Monaten von Juni bis August liegt in Island bei etwa fünfzehn Grad Celsius.

Trotz aller Fortschritte der Technik und trotz allem Komfort ist das Leben vor allem im Winter rauh und beschwerlich. Über Wochen hinweg fällt kein einziger Sonnenstrahl in die Gassen der Städte und auf die Gehöfte draußen, die von den Lavafelsen verdeckt oder eingekesselt sind. Wenn allerdings das Tagesgestirn rot wie ein Feuerball zum ersten Mal wieder über den kahlen Gipfeln erscheint, wird gefeiert. Dann treffen sich die Bewohner „zum Sommerkaffee“, wie sie ihre Feten nennen.

 

Das Nordlicht

Im Herbst und frühem Winter kann man oft Nordlichter bei klarem Nachthimmel beobachten. Nordlichter werden auch als Polarlichter oder Aurora Borealis bezeichnet. Sie werden von hochenergetischen Teilchen, die von der Sonne stammen, verursacht. Die Teilchen dringen in die Atmosphäre der Erde ein, stoßen dabei mit Luftmolekülen zusammen und regen diese zum Leuchten an. Da die Teilchen elektrisch geladen sind, folgen sie den Feldlinien des Erdmagnetfeldes und werden so hauptsächlich in Richtung Nord- und Südpolarregion gelenkt. Deshalb sind die durch sie verursachten atmosphärischen Leuchterscheinungen in den Polregionen wesentlich häufiger zu sehen, als z.B. in Deutschland.

Die Stärke der Polarlichter hängt vor allem von der Stärke des Teilchenstromes von der Sonne ab. Da die Aktivität der Sonne nicht konstant ist, kommt es zu erheblichen Schwankungen in der Stärke des Teilchenstromes. Polarlichter sind nur zu sehen, wenn er eine gewisse Mindeststärke erreicht. Die Aktivität der Sonne zeigt gewisse Zyklen, u.a. den elfjährigen Sonnenfleckenzyklus. Je mehr Sonnenflecken auftreten, desto aktiver ist die Sonne und umso mehr hochenergetische Teilchen schickt sie Richtung Erde.

Die beste Zeit, um Nordlichter in Island zu beobachten, ist natürlich das Winterhalbjahr - bei Tageslicht ist das Phänomen nicht zu erkennen. Voraussetzung ist außerdem ein möglichst wolkenfreier Himmel, da das Nordlicht weit oberhalb der Wolken entsteht und von ihnen geschluckt wird.

Die Polarlichter können in unterschiedlichen Farben auftreten. Während grünes Licht von Sauerstoffatomen in etwa 100km Höhe stammt, kommt das rote Licht von Sauerstoffatomen in rund 200km Höhe. Nur relativ selten reicht die Energie der Sonnenteilchen aus, um Stickstoffatome zum Leuchten anzuregen - sie senden dann blaues und violettes Licht aus.

Heutige Entwicklung

Der zweitgrößte Inselstaat Europas hatte im letzten Jahrhundert eine rasante Entwicklung vom landwirtschaftlich geprägten Land zur Dienstleistungsgesellschaft mit inzwischen jährlich mehr Besuchern als Einwohnern. Bis heute ist der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle Islands. Die Westfjorde profitieren von den modernen Fangmethoden unserer Zeit. Sie haben es dadurch zu einem gewissen Wohlstand gebracht. Ihr Lebensstandard ähnelt heute bereits dem anderer skandinavischer Länder. Die Lebenshaltungskosten bewegen sich ebenfalls auf dem Niveau von Skandinavien.

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