Zacharias Zunzelmann

Eine Zeit lang lebten die Zirkusleute auf dem Schloss von Zacharias Zunzelmann. Sie ließen es sich bei Keksen und Kaffee wohl gehen. Der Zauberer aber blieb verschwunden, und so sehr sie auch in allen Zimmern des Schlosses suchten, sie fanden kein Zeichen von ihm. Nur in den hohen Turm konnten sie nicht hinauf steigen, zumindest war die Tür verschlossen und es gab keinen Schlüssel. Der Zirkusdirektor hätte gerne den Zauberer gefunden und eingeladen, den Zirkus SIMBALLODIMBA zu begleiten. Doch nach zwei Tagen wollte er weiter und war froh, dass sich wenigstens der kleine Karl entschlossen hatte, mit zu kommen. Mit seiner Katze Kratzetatze hatte der kleine Kerl ein paar grandiose Zirkusnummern einstudiert, und wo sah man schon so einen Knirps auf dem Buckel einer Katze reiten und Kunststücke vorführen. Der Zirkusdirektor zwirbelte sich seinen Schnurrbart und dachte: „Ein kleiner Kerl ist besser als keiner, fahren wir also los, ohne den Zauberer". Er gab das Startsignal und alle Zirkusleute machten sich startklar. Nur Pippa Plappermaul war noch nicht fertig. Verzweifelt rief sie Perle, doch der Papagei antwortete nicht und niemand hatte ihn gesehen oder gehört. Über ihren Köpfen war nur das Krächzen der Krähen zu hören. Zefi blickte nach oben, wo die Krähen den Turm umkreisten, da entdeckte er zwischen den schwarzen Vögeln den bunten Papageien. Er zeigte Pippa den Vogel und sie rief hinauf in den Himmel. Endlich kam Perle angeflogen, doch sie war ganz aufgeregt, zwitscherte und krächzte die ganze Zeit: „Schnarchnase, Zinkenzunzel, Schnarchnase im Turm." Zefi rannte zum Turm und hielt sein Ohr an die kalte Mauer. Tatsächlich, da hörte er es von Ferne schnarchen. „Zacharias Zunzelmann ist hier, der Zauberer schläft oben im Turm." rief der Junge. „Wir müssen irgendwie da hinauf kommen" knurrte der Zirkusdirektor. Dann ging alles ziemlich schnell. Jojo der Jongleur nahm ein Seil, knotete es an einem kleinen Anker fest, den Tore Toreson immer dabei hatte, „aus Gewohnheit", wie der Matrose sagte. Dann schleuderte Jojo das Seil hoch hinauf zur Spitze des Turmes, so dass sich der Anker an den Turmzinnen verhakte. Rambo Redlich packte das andere Seilende, band es an einem Baum fest uns zog es straff. Dann bestieg Lilo Lieblich das Seil, das hoch hinauf zum Turm führte und begann langsam hinauf zu laufen. „Warte" piepste der kleine Karl, „ich komme mit da hinauf." Und er sprang mit einem gewagten Satz vom Rücken seiner Katze auf die Hand von Lilo Lieblich. Nonni, Rambo Redlich, Boris Borlof und Fredo Feuerzunge spannten schnell das Netz von Nils Nordmann unter dem Seil aus, „nur zur Sicherheit, man weiß ja nie", meinte Nonni. Die Zirkusleute hielten den Atem an und blickten nach oben. Langsam näherte sich Lilo Lieblich ihrem Ziel. Das Seil führte sie direkt an den oberen Turmfenstern vorbei. Als sie oben angekommen war, schaute sie durchs Fenster hindurch. Tatsächlich, dort lag in einem großen Himmelbett unter einer dunkel blauen Decke, auf der unzählige Sterne zu sehen waren, der Zauberer Zacharias Zunzelmann und schnarchte. Hier oben hörte sich das Schnarchen viel lauter an. Der riesige Zinken, der unter der Decke hervorschaute und wohl die Nase des Zauberers war, erzitterte mit jedem Atemzug. Lilo Lieblich rüttelte am Fenster, aber es war zu. Der kleine Karl klopfte ans Fenster, ziemlich laut, aber der Zauberer wachte nicht auf. Da nahm der kleine Karl seinen Degen und stocherte damit am Fensterrahmen herum, solange, bis er den Riegel auf der Innenseite zur Seite geschoben hatte. Dann sprang er behänd in das Turmzimmer hinein, direkt auf das Bett und von da auf den Bauch und von da auf das Kinn des Zauberers. Er fand im Bett eine kleine Feder und mit der kitzelte er den Zauberer in der Nase. „Haaatzschie" machte der Zauberer und saß plötzlich kerzengerade im Bett. Erst lachte er, dann sah er den kleinen Karl an und runzelte die Brauen. Schließlich zischte er: „Hat die alte Hexe dich mit ihren Zaubertränken in einen Zwerg verhext?" Als Karl nur nickte, sprang Zacharias Zunzelmann auf. Er war jetzt ziemlich zornig. Seine Augen schienen Blitze zu schleudern und sein großer Zinken zuckte vor Zorn als er sprach: „Und mich den großen Zauberer Zacharias Zunzelmann hat sie mit ihren Zaubertränken eingeschläfert! Wie lange hab ich geschlafen Karl, wieviel Zeit ist vergangen?" „Ungefähr zwei Monate" piepste der kleine Karl „Zwei Monate, soviel Zeit verloren für Zank und Zwist. Das muss ein Ende nehmen. Ich werde sie verzaubern, ich werde sie in eine zahme Ziege verzaubern!" Er hob seinen knochigen Zeigefinger und da zuckten auf einmal Blitze aus der Fingerspitze hervor:

 

Zick, zack, zuck, ich werde blitzen,
Zaubern, zwingen, zittern, schwitzen,
Zorn und Zunder, Tiergeruch,
Zügel meinen Zauberspruch.
Zippel, zappel, Zöpfe zotteln
Siehst du schon die Ziege trotteln?

 

Der Zauberer griff wild in die Luft und stand dann plötzlich still und stumm da. „Wo ist mein Zauberstab?" Sein Zinken, eben noch rot vor Zorn, wurde nun ganz weiß. „Mein Zauberstab ist weg, die Hexe Xanthippa hat mir meinen Zauberstab genommen. Oh der verfluchte Zank und Zwist um Zauberkraft. Wir müssen sofort in den Wald Karl, ich brauche meinen Zauberstab."

Als der Zauberer Zacharias Zunzelmann mit dem kleinen Karl die Turmtreppe hinunterstieg, war Lilo Lieblich schon längst wieder über das Seil zurück gelaufen und erzählte unten den Zirkusleuten was geschehen war. Der Zirkusdirektor ging zur Turmtür und als diese sich von innen öffnete begrüßte er den Zauberer ehrerbietig:

„Verehrter Großmeister der Zauberkunst, lieber Herr Zunzelmann, ich der Zirkusdirektor des berühmten Zirkus SIMBALLODIMBA versichere Ihnen, dass wir alles Erdenkliche unternehmen werden, damit Sie wieder in den Besitz Ihres Zauberstabes gelangen können."Zacharias schaute sich die Zirkusleute genauer an, und dann schmunzelte er, so dass sein altes runzeliges Gesicht sich zu einem Lächeln verzog und seine prächtigen weißen Zähne zu sehen waren. Dann sprach er: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir zusammen die Hexe bezwingen können. Wenn ich nur wüsste, wo im Wald ihr Hexenhaus steht. Dann würde ich es ihr zeigen, wer hier der Zauberer ist. Zick zack zuck ich würde es ihr zeigen." „Da können wir helfen", sagte der Zirkusdirektor „Verzweifelt nicht, Walli Wehmut weiß so einiges, ich glaube, sie kann in die Zukunft blicken. Jedenfalls hat sie auch dein Schloss und den kleinen Karl gefunden." Der Zauberer bekam ganz große Augen: „Ihr habt eine Wahrsagerin?"

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