Viktor Vogel

Zacharias Zunzelmann war sehr glücklich darüber, dass er seinen Zauberstab wieder bekommen hatte und ihm gefiel die lustige Zirkustruppe so gut, dass er selber vorschlug, mit auf Zirkusfahrt zu gehen. Natürlich waren der Zirkusdirektor und alle Zirkusleute darüber sehr froh.

„Jetzt", sprach der Zirkusdirektor zu Gustaf Gieselherz „sind wir vollständig! Wir haben einen Zauberer gewonnen und einen Clown." Mit einem Blick auf Cilla verbesserte er sich schnell: „Ähm, ich meinte natürlich eine Clownsdame. Dazu haben wir mit dem kleinen Karl den außergewöhnlichsten Tierdompteur, den es auf der ganzen Welt gibt und wir haben heraus gefunden, dass unser Meerweib eine Wahrsagerin ist. Jetzt endlich kann der Zirkus SIMBALLODIMBA seine erste große Vorstellung geben und ich weiß auch schon wo. Wir werden, so schnell es geht, in die Stadt fahren, in der Annas Großmutter lebt. Da hat der Zirkus SIMBALLODIMBA schon von jeher jedes Jahr seine erste Vorstellung gegeben."

Die Zirkusleute stiegen in ihre Wagen. Zacharias Zunzelmann verschloss die Tür seines Schlosses und sie verließen den dunklen Wald. In der nächsten Stadt machte der Zirkusdirektor gleich zwei wichtige Telefonate. Zuerst rief er Signor Moretti an und fragte, ob das neue Zirkuszelt denn schon fertig sei. Und als Signor Moretti dem Zirkusdirektor bestätigte, dass sein wundervolles, prächtiges Zirkuszelt fertig genäht und bereits verpackt war, freute sich Zefis Vater gewaltig. Signor Moretti versprach, das Zelt sofort zum Vorstellungsort zu bringen, ja er wollte sogar höchst persönlich den Transport begleiten. „Denn", so erklärte Signor Moretti, „wann hat man schon die Ehre, die erste Aufführung des Zirkus SIMBALLODIMBA zu sehen?"

Der zweite wichtige Anruf galt einem Mann, der in derselben Stadt lebte wie Annas Großmutter. Von Beruf war er Veranstaltungsmanager und er hieß Viktor Vogel. Der Zirkusdirektor telefonierte also mit Viktor Vogel, um mit ihm die erste Vorführung des Zirkus zu besprechen. Denn so eine große Veranstaltung will gut vorbereitet sein. Der Platz, wo das Zelt stehen soll, muss gemietet, die Miete mit dem Vermieter ausgehandelt werden. Die Menschen der Stadt sollen von der Vorstellung erfahren und deshalb müssen überall viele, sehr sehr viele bunte Plakate aufgehängt werden, auf denen die Vorstellungstermine zu lesen sind. Der Zirkusdirektor telefonierte also mit dem Veranstaltungsmanager Viktor Vogel und vereinbarte mit ihm all diese wichtigen Dinge. Viktor Vogel versprach dem Zirkusdirektor alles vorzubereiten. „Verlassen Sie sich drauf, ich mache das.", sagte er am Telefon. Danach fuhren die Zirkuswagen, so schnell es ging, ihrer ersten großen Vorstellung entgegen.

Viele Erlebnisse und das ein oder andere Abenteuer wären noch zu berichten. Vielleicht schreiben Anna und Zefi die Geschichten der Heimreise ja irgendwann noch einmal auf. Nach langer Fahrt jedenfalls kam die bunte Zirkustruppe mit ihren Wagen schließlich in der Stadt an, in der Annas Großmutter lebte. Anna freute sich sehr, ihre Großmutter wieder zu sehen und ihr alles zu erzählen, was sie unterwegs erlebt hatten. Zuerst aber fuhren die Wagen auf den Platz, an dem die erste große Zirkusvorstellung stattfinden sollte. Es war ein schöner, großer Platz und in der Mitte leuchtete ihnen das neue, herrlich bunte Zirkuszelt entgegen. Signor Moretti war nämlich schneller gewesen als die langsamen Zirkuswagen und hatte mit vielen Helfern das Zelt aufgebaut. Ja, es war wirklich ein prächtiges Zelt, viel größer als das alte Zelt leuchtete es in allen Farben, und mit großen Buchstaben war der Name SIMBALLODIMBA über den Eingang geschrieben, und oben an den riesigen Zeltstangen wehten lustige bunte Fahnen im Wind. Innen drin gab es eine runde Arena, die mit sauberem Sand bestreut war und niegel nagel neue Bänke standen auf den Zuschauertribünen. Der Zirkusdirektor und alle Zirkusleute waren begeistert und lobten Signor Moretti für die gute Arbeit sehr. Seine Tochter Minna drückte ihrem Vater einen dicken, feuchten Kuss auf die Wange und die beiden freuten sich über das Wiedersehen sehr. Vor dem Zelteingang erwartete sie der Veranstaltungsmanager Viktor Vogel und begrüßte den Zirkusdirektor mit Handschlag. Zefis Vater sagte: „Einen schönen Platz haben Sie hier ausgewählt, Herr Vogel, aber auf unserem Weg hierher durch die Stadt habe ich kein einziges Plakat entdecken können." Da schlug sich Viktor Vogel mit der flachen Hand an die Stirne: "Oh nein, dass habe ich ganz vergessen, die verdammten Plakate, die habe ich vergessen." Der Zirkusdirektor fand das gar nicht lustig: "Das darf doch nicht wahr sein, Sie haben die Plakate für die erste Vorstellung des Zirkus SIMBALLODIMBA vergessen? So etwas vergisst man doch nicht. Was für ein Veransatltungsmanager sind Sie denn, wollen Sie mich veralbern, Sie verkennen die Situation. In vier Tagen ist unsere erste Vorstellung und Sie verschlafen die Bekanntmachung. Sie vergesslicher komischer Vogel, auf Sie ist ja überhaupt kein Verlass. Sie sind ein Versager." Der Veranstaltungsmanager Viktor Vogel wurde mit jedem Wort des Zirkusdirektors kleinlauter, er wollte vor Scham gerne im Boden versinken oder sich irgendwo verstecken, so sehr hatte sich der Zirkusdirektor erzürnt, aber das ging natürlich nicht. Also stotterte er nur: "Verehrter Zirkusdirektor, dass sind schlimme Vorwürfe, die Sie da gegen mich erheben, es war wirklich ein Versehen, ich werde mich verbessern, ich werde nichts mehr vergessen, bitte verzeihen Sie mir mein Versehen, ich werde es wieder gut machen":

 

Verehrter Herr, verzeihen Sie,
Es war nur aus Versehen
Vergessen wollte ich Sie nie
Das müssen Sie verstehen.

 

Dabei verbeugte er sich mehrmals sehr tief, und das besänftigte den Zirkusdirektor, so dass er sprach: "Nun gut, ich vergebe Ihnen Ihre Vergesslichkeit. Aber wie holen wir die verlorene Zeit wieder auf?" Da hatte Viktor Vogel eine Idee: "Wir könnten mit zwei Zirkuswagen durch die Stadt fahren und mit Lautsprechern für die Vorstellung werben. Vielleicht könnten wir auch an verschiedenen Stellen anhalten und ein paar der Zirkuskünstler zeigen einige ihrer Kunststücke, sozusagen als Vorgeschmack auf die Vorstellung." " Sehr gut, sehr gut, das machen wir, wir fangen sofort damit an."

Die nächsten Tage fuhren also immer einige Zirkuskünstler mit Wagen durch die Stadt und verkündeten den Termin für die erste große Vorstellung. Der Rest der Zirkustruppe probte die Kunstücke und Zirkusnummern. Anna und Zefi übten auch fleißig, denn auch sie würden bei der Vortsellung ihren Auftritt haben. Anna konnte nun wirklich schon ganz wunderbar auf dem Seil laufen, natürlich noch längst nicht so gut wie Lilo Lieblich, die das ja auch schon ihr Leben lang tat. Zefi hatte den Dreh heraus gefunden, es gelang ihm, mit vier Bällen zu jonglieren und es gab sogar eine Nummer, wo er mit Jojo dem Jongleur zusammen die Bälle in die Luft warf. Annas Großmutter war sehr begeistert, als sie sah, wie geschickt die beiden Kinder geworden waren. Auch gab es viele, viele schöne Stunden bei Kuchen und Kakao oder am abendlichen Lagerfeuer, in denen die Kinder der Großmutter alle spannenden Abenteuer der großen Reise erzählten. So verging die Zeit recht schnell und bald war der Vorabend der ersten großen Vorstellung des Zirkus SIMBALLODIMBA gekommen.

 

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