Anregungen zum regelmäßigen Üben

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Mir liegt das Üben besonders am Herzen, weil ich im Verlauf meiner Klassenzüge immer stärker merke, wie viel unnötige Zeit in die Nachschulung von Rechtschreibfertigkeiten und in die Vermittlung von den Grundkenntnissen des Rechnens fließt.

Meines Erachtens sind unsere sogenannten Übstunden (1-2 pro Woche) ungeeignet, um den Schülerinnen und Schülern die nötige Sicherheit der Basisfertigkeiten zu vermitteln. Lesen Sie dazu den Beitrag: „Wir üben zu wenig, zu unsystematisch und nicht intensiv genug!“

In laufenden Epochen der Klassenlehrerzeit können wir zumeist keinen konsequenten Übstreifen einbauen, da der Hauptunterricht zu kurz ist. Bei der Rechtschreibung probieren wir uns dann in Mischformen, in denen die Schülerinnen und Schüler Texte zum Epochenthema schreiben, die anschließend korrigiert werden. Diese strotzen aber z.T. von grundsätzlichen Fehlern, sodass eine Berichtigung im Grunde kaum zur Verbesserung der Rechtschreibung beiträgt.

Ebenso unwirksam ist z.B. ein wöchentliches Diktat, da bei einer einmaligen Korrektur kein Übprozess initiiert wird. In unserem Epochensystem, so genial es ist, bleibt das Üben dieser Basisfertigkeiten oftmals auf der Strecke. Vielleicht ist das bei Ihnen nicht der Fall, aber nehmen Sie einfach Ihre letzte Epoche und notieren für sich auf einem Blatt, welche regelmäßigen Übeinheiten Sie zu welchen Themen gemacht haben. Wenn Sie zufrieden sind, ist alles gut.

Wenn z.B. die Klein- und Großschreibung wirklich verinnerlicht werden soll, sodass die Schülerinnen und Schüler sich später nicht während des Schreibens ständig fragen müssen, ob groß oder klein, dann muss man das 4 Wochen täglich üben. Es muss in eine tiefe Gewohnheit überführt werden.

Ich habe das in den Hausaufgabenbereich verlegt. Von Klasse 2-4 erwarte ich von den Kindern, dass sie täglich 25 min. Hausaufgaben für den Hauptunterricht machen. Nach 25 min. dürfen sie aufhören.

Dafür habe ich Arbeitsblätter entwickelt, die ich in den nächsten Wochen Stück für Stück online stellen werde. (Bislang veröffentlicht: die 12 Arbeitsblätter zu Groß- und Kleinschreibung.) Sie bieten mehrere Vorteile:

  • Es handelt sich im Wesentlichen um 9-14 Einzelsätze, die eine oder mehrere Lücken haben. Hier muss das Kind eine Regel anwenden und entscheiden, was einzusetzen ist. Absichtlich wählte ich keine interessante Geschichte. Bilddenker sind sofort abgelenkt und nicht mehr auf das Rechtschreibthema fokussiert.
  • Die Kinder können die Richtigkeit ihrer Ergebnisse sofort überprüfen, da das Ergebnis dahintersteht.
  • Rückseitig sollen sie eigene einfache Sätze formulieren, in denen die Lösungswörter der Vorderseite vorkommen. Die Anwendung ist wesentlich bei der Verarbeitung der Regel.
  • Noch wichtiger: Die Kinder müssen sich anschließend das Geschriebene selbst durchlesen. Das sollte von Anfang an zur Gewohnheit werden – ab dem ersten selbst geschriebenen Text. Ansonsten werden die Kinder es später immer als eine kleine innere Zumutung empfinden, einen Text nochmals durchzulesen.
  • Dann habe ich mit den Eltern vereinbart, dass sie die selbstformulierten Sätze ihrer Kinder kurz durchlesen und nur die Fehler korrigieren, die das Rechtschreibthema betreffen. Bei Elternhäusern, wo das nicht möglich ist, übernehme ich am nächsten Tag diese Aufgabe.
  • Zum Schluss korrigieren die Kinder diese Fehler unten auf dem gleichen Blatt.
  • Ich sammle die Blätter am nächsten Tag ein und die Kinder bekommen ein neues.

Dieses Verfahren hat sich als äußerst wirkungsvoll herausgestellt. Andere Hausaufgaben bekommen die Kinder bei mir nicht, wenn eine solche Rechtschreibeinheit ansteht. 25 min. (Klasse 2-4) und fertig. Darüber hinaus dürfen die Kinder natürlich vieles freiwillig mehr machen, was zum Epochenthema passt – sie müssen es aber nicht.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar