Was ist eigentlich «Heimat»?

Aus der Schulenzeitschrift «Mergelteich» Nr. 218, April 2015, von Georgschule Dortmund und Rudolf-Steiner-Schule Dortmund.

Dieser Frage hat die Mittelstufe der Georgschule anlässlich der Entstehung des Flüchtlingsdorfes direkt nebenan eine dreiwöchige Epoche gewidmet. Nach einem gemeinsamen Auftakt ging es in den verschiedenen Klassen ganz unterschiedlich weiter.
In der 6. und in der 8. Klasse wurde u.a. das Buch «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» gelesen, in dem es um eine jüdische Familie geht, die wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihre Heimat Berlin verlassen muss. Das Mädchen Anna kann nur einen Koffer auf die Flucht mitnehmen und muss sich deshalb für eines ihrer Stofftiere entscheiden: Soll sie den neuen, kuscheligen Hund mitnehmen, oder ihr altes, rosa Kaninchen?

Die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse haben daraufhin, zunächst jeder für sich, einen eigenen solchen Koffer gepackt - entweder als Collage, als Liste, geklebt, gezeichnet oder gemalt:

 

Eine lange Reise ins Ungewisse

Stell dir vor, du musst dein Zuhause verlassen, ohne zu wissen, ob du noch einmal dorthin zurückkehren wirst. Du kannst nur einen Koffer mitnehmen. Diesen musst du alleine tragen können. Was packst du ein?

Dann haben wir uns die fertigen Koffer angesehen. In dem ein oder anderen war zwar ein Fernseher, aber keine Unterwäsche - in gleich mehrere Koffer waren Haustiere eingeschmuggelt worden - und an den Reisepass hatte kaum jemand gedacht. Deshalb haben wir noch einmal gemeinsam überlegt und einen Klassen-Koffer mit den folgenden Dingen gepackt:

Kleidung (2 lange + 1 kurze Hose, 2 Pullover, 4 T-Shirts, Unterwäsche + Socken, 1 Schlafanzug, Mütze, Schal, Handschuhe), Wertgegenstände (Gold/Diamanten/Schmuck, Geld, Uhr, Handy, Laptop, Pass), Hygieneartikel (Seife, Zahnbürste + Zahnpasta, Kamm), wichtige Dinge (Schlafsack, Buch, Fotos, Spielkarten, Lieblingskuscheltier, Papier + Stifte, Wasserball).

«Gold und Diamanten???» Nein, das haben wir natürlich gerade nicht zu Hause rumliegen. Aber wir haben uns überlegt, dass wir Gegenstände wie den Fernseher oder die Playstation lieber verkaufen würden, als sie mitzuschleppen. Und das Geld würden wir, wenn möglich, z.B. in Gold umtauschen, da dieses wertvoll und gut zu transportieren ist.

«Wollt ihr denn gar kein Sommerkleid mitnehmen? Eine Jacke fehlt! Und es sind zu wenige Pullover!» Stimmt. Die haben nicht mehr reingepasst. Alles, was an Kleidung nicht mehr in unseren Koffer gepasst hat, ziehen wir an - notfalls in mehreren Schichten übereinander.

Auf die gleiche Methode ist auch die 7. Klasse gekommen, die auf der gemeinsamen Abschlussveranstaltung eindrücklich demonstriert hat, wie viele Kleidungsstücke man tatsächlich übereinander anziehen kann!

 

Ein weiteres Projekt der 6. Klasse war die

Spurensuche

Was bringen Menschen aus ihrer Heimat in unsere Heimat mit? Wir Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse haben uns mit dem Fotoapparat auf die Suche gemacht - in unserer Stadt, unserem Viertel, unserer alltäglichen Umgebung.
Wie man an den entstandenen Ergebnissen sieht, freuen wir uns besonders über das viele leckere Essen aus anderen Ländern, das wir überall kaufen können.
Natürlich wissen wir aber, dass die meisten Ausländer in Deutschland keine Restaurants eröffnen, sondern Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Architekturbüros und vieles mehr!!!

 

Susanne Großmann (Klassenlehrerin) & Schüler der 6. Klasse (kursive Texte)

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