Hörbuch aufnehmen (2)

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule am Kräherwald/Stuttgart)

Das erste Buch der 5. Klasse war so erfolgreich, dass ich auch im 6. Schuljahr eine Epoche für eine ähnliche Aufgabe reservierte. Hier finden Sie die Stichpunkte, welche die Kinder erhielten.

Hintergrund, Vorgehensweise und Erklärungen zur Aufgabenstellung lesen Sie bitte HIER.

 

Auf der Suche nach der unentdeckten Pyramide

(Seite 1+2 freilassen. Dort erscheint später das Seitenverzeichnis)

 

1.Kapitel: Im Museum

Möglicher Anfang:

Plötzlich wurde seine Stimme sehr bedeutungsvoll: „Wir stehen hier nun vor einer Vitrine, die 5 Tontafeln aus einer Zeit von vor über 4500 Jahren zeigt." Wir befanden uns mit unserer Klasse im Museum für Frühgeschichte in ...

Inhaltsskizze:

Hauptpersonen: Du und dein bester Freund oder deine beste Freundin.
Deine Schulklasse macht als Unterrichtsrückblick auf die alten Kulturen einen Besuch im Museum für Frühgeschichte. Ihr erhaltet eine Führung. Größte Kostbarkeit: eine Vitrine mit 5 Tontafeln. Der Pharao Chafre (2547 - 2521 v. Chr, 4. Dynastie) ließ parallel zu seiner großen Grabespyramide noch eine viel kleinere Pyramide erbauen, die er für sein Leben im Jenseits mit den allergrößten Kostbarkeiten ausstatten ließ. Der Bau war geheim und nur 6 Tontafeln zeugen von der Existenz und vom Ort dieser bis heute unentdeckten Pyramide. Tontafel Nr. 5 ist immer noch verschollen. Ohne sie lässt sich die Karte jedoch nicht lesen.

Ende des Kapitels:

Beide verabreden sich für den Nachmittag im Waldgebiet am Rande der Stadt.

Fragen zum 1. Kapitel

Wie groß ist eure Klasse, wie heißt du und dein(e) Freund(in)?
Welche besondere, liebenswürdige oder erstaunliche Eigenschaft hat er/sie?
Wie gut erzählt euch die Führung von den Exponaten?
Gibt es geflüsterte Kommentare der Mitschüler?
Warum wusste man schon damals nichts vom Bauplatz der Unentdeckten Pyramide?
Warum hat der Pharao Chafre alles so geheim gehalten?
Warum sieht man sie heute nicht im Sand stehen?
Was für Kostbarkeiten vermutet man in der Pyramide?
Wo die 5. Tontafel geblieben ist, weiß man heute nicht. Was vermutet man aber?
Warum lässt sich die Karte ohne die 5. Tafel nicht lesen?
Sind die Ausführungen der Führung spannend für euch? Warum?
Wie reagieren eure Mitschüler?
Fragt jemand zwischendurch etwas?
Wann endet der Museumsbesuch?

 

Kapitel 2: Die Zeitmaschine

Du kannst dein Buch eigenständig illustrieren!

Möglicher Anfang:

Wie verabredet trafen sich _________ und __________ im Wald am Rande der Stadt. Dort gab es eine verlassen Hochsitz, den die beiden sich vor längerer Zeit gemütlich eingerichtet hatten. Sie stellten ihre Räder ab und gingen quer durch den Wald in Richtung Hochsitz. Auf einmal trat ....

Inhaltsskizze:

Treffen sich am Waldrand. Auf dem Weg zum Hochsitz. Entdecken eine vermoderte Holzklappe unter dem Laub. Treppenstufen führen herab. Raum mit einer Maschine. Begutachtung. Erkenntnis: Zeitmaschine. Es gibt eine Zeituhr. Es lässt sich jedoch nicht jede Jahreszahl einstellen, sondern nur alle runden Zehner.

Ende des Kapitels:

Beiden kommt der Gedanke, sich mit dieser Zeitmaschine auf die Suche nach der verschwundenen 5. Tontafel zu machen.

Fragen zum 2. Kapitel

Zu wie viel Uhr hatten sie sich verabredet?
Kommen Sie gleichzeitig an?
Wie hatten sie sich ihren Hochsitz eingerichtet?
Wodurch entdecken sie die Holzklappe?
Wie sehen die Treppenstufen aus?
Was vermuten sie, wo die Treppen hinführen?
Trauen sich beide hinein?
Wodurch haben sie Licht?
Was sehen sie alles?
Wie sieht der Raum aus, in dem dieser eigenartige Apparat steht?
Wie sieht die Zeitmaschine aus? Beschreibe sie genau. Du kannst zudem noch eine Skizze anfertigen. (freiwillig)
Wem kommt der Gedanke, dass es sich um eine Zeitmaschine handeln könnte?
Sieht der andere es genauso?
Sie entdecken die Zeituhr und die Zehnerabstände. Was bedeutet diese Tatsache für eine Zeitreise?
Wer kommt auf die Idee mit der 5. Tontafel? Warum kommt er auf diese Idee?

 

Kapitel 3: Bei der großen Pyramide

Möglicher Anfang:

Hier musst du schauen, ob dieser Anfang bei dir passt!

____ fragte: „Hast du behalten, wann die Regierungszeit von dem Pharao Chafre war?" „Lass mich überlegen. Ich glaube, er regierte von 2547 - 2521 v. Chr.. ..

Inhaltsskizze:

Sie bereiten sich auf die Fahrt vor. Die Zeituhr wird nach kurzer Diskussion auf das Jahr 2520 gestellt. Chafre ist seit einem Jahr gestorben. Sie steigen beide ein. Sie legen den Hebel (....) um. Die Zeitreise beginnt. Ankunft: Ihre Kleidung ist plötzlich ägyptisch. Der Raum ist unterirdisch und ganz gleich. Treppe. Öffnen die Luke und stehen auf dem Bauplatz einer riesigen Pyramide, die gerade begonnen wurde fertig ist. Jetziger Pharao: Mykerinos. Bevor sie recht wissen, was los ist, ruft ein Bautruppenleiter, sie sollen gefälligst nicht so lange Pause machen und sich zurück ans Seil begeben, das die schweren Sandsteinquader auf der Rampe nach oben zieht. Sie verstehen die Sprache und können sie sprechen. Sie müssen den ganzen Tag arbeiten. Am Abend - Essen - Behausung - Gespräch. Sie erfahren, vom sagenhaften Reichtum Chafres und der kleinen Pyramide. Aber keiner weiß, wo sie erbaut wurde. Alle Arbeiter gingen mit ins Grab.  Die 6 Tontafeln kannte man. Sie sind in der Königskammer der großen Grabespyramide verborgen. Da können sie nichts weiter ausrichten.

Ende des Kapitels:

Entscheidung: Reise in die Römerzeit 50 v.Chr. Regierung: Caesar. Der muss war über die kleine Pyramide gewusst haben. Sitzen wieder in der Zeitmaschine.

 

Fragen zum 3. Kapitel

Warum einigen sie sich auf das Jahr 2520?
Wie haben beide in der Maschine Platz?
Wie ist ihnen zu Mute?
Wie erleben sie die Zeitreise?
Was sagen sie zu der ägyptischen Kleidung, die sie plötzlich anhaben?
Was sehen sie alles auf dem Bauplatz?
Wobei müssen sie den ganzen Tag helfen? Beschreibe die Arbeit, was sie hören, sehen und erfahren.
Warum kennt keiner den Bauplatz der kleinen Pyramide?
Was wird von dem Reichtum Chafres berichtet?
Was sagt man, wo sich jetzt die Tontafeln befinden?
Warum glauben sie, dass sie in der Caesarzeit fündig werden?
Wie kommen sie ungesehen wieder zur Zeitmaschine?

 

Kapitel 4: Das Geschenk der Kleopatra

Möglicher Anfang:

Du musst schauen, ob dieser Anfang bei dir passt!

Ungesehen erreichten sie wiederum die Luke und den unterirdischen Raum. Bei der Zeitmaschine angekommen,  klopften sie zuerst den Sand und Staub aus ihrer Kleidung. ...

Inhaltsskizze:

Sie sitzen in der Zeitmaschine. Diskussion über die neue Zeiteinstellung. Ergebnis: 50 v. Chr.. Caesar hat noch 6 Jahre zu leben.  ____ will eine Kette mitnehmen, die er von einem Arbeiter geschenkt bekommen hat. Zeitreise.  Ankunft: Gleicher Raum, andere Kleidung. Die Kette ist weg. Beschreibung der Stadt. Wo kann man sich informieren? In einer Taberna Libraria (Buchhandlung) versuchen sie heraus zu bekommen, ob man etwas von der kleinen Pyramide des Chafre weiß.  Sie fragen den Bibliopola (Buchhändler). Man wusste auch in Rom noch von der Pyramide und sogar von den Tontafeln.  48 v.Chr. (also vor 2 Jahren) war Caesar in Ägypten. Caesar setzte Kleopatra in ihre Rechte als Pharaonin ein. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit schenkte sie ihm die 4., 5. und 6. Tontafel. Das war Stadtgespräch. Die anderen drei waren schon damals verschollen.  Sie versuchen bei Caesar vorgelassen zu werden, um die Tafeln anzuschauen.

Ende des Kapitels:

Sie werfen einen Blick auf die Tontafeln und sind sehr erstaunt.

 

Fragen zum 4. Kapitel

Warum einigen sie sich nicht auf 60 oder 40 v.Chr.?
Wie hat ___ die Kette geschenkt bekommen? Wie sieht sie aus?
Welche Kleidung haben sie nun an?
Sie bemerken den Verlust der Kette. Was schließen sie daraus?
Was sehen sie von der Stadt, beschreibe Einzelheiten?
Was besprechen sie, was nun zu tun sei?
Wie sieht die Taberna Libraria (Buchhandlung) aus?
Was erfahren sie dort?
Wodurch werden sie bei Caesar vorgelassen?
Was für einen Eindruck macht Caesar auf sie?

 

Kapitel 5: Der Brand beim Steinmetz

Möglicher Anfang:

Du musst schauen, ob dieser Anfang bei dir passt!

Sie sahen die 4. und 6. Tontafel sorgfältig in einem  gepolsterten, edlen Holzkästchen liegen. Die 5. Tontafel  jedoch bestand nur noch aus einem Häufchen zerbrochener Tonscherben. Ihnen blieb der Atem stehen und fragten Caesar mit erschrockener Stimme: „....?"

Inhaltsskizze:

Die 5. Tontafel ist nicht mehr erkennbar. Grund: Auf der Schifffahrt von Ägypten nach Italien kam ein starker Sturm auf. Eine Kiste löste sich aus der Verankerung und zertrümmerte die 5. Tontafel, obwohl sie sicher verpackt war. Große Enttäuschung der beiden. Gedanke: Die Pyramide wird nie entdeckt werden. Doch Klugheit Caesars: Er hatte vor der Überfahrt eine Abschrift auf einem Pergament anfertigen lassen. Dieses ist dieser Tagen bei einem Steinmetz, um die Tontafel  in Stein zu kopieren. Bis dahin ist dies aber streng geheim. Abschied. Sie dringen in der Nacht beim Steinmetz ein, finden das Pergament. Aber wie können sie es mit der Zeitmaschine transportieren? Kopieren es auf den nackten Rücken und verlassen schnell das Haus. Unmittelbar danach ein zweiter Einbrecher, ein Diener Caesars. Sucht ebenfalls nach dem Pergament. Kerze fällt um. Werkstatt mit Pergament brennt lichterloh. Einzige Kopie auf dem Rücken. Laufen zurück zur Zeitmaschine.

Ende des Kapitels:
„Hoffentlich bleibt die Zeichnung auf der Reise durch die Zeit auf deinem Rücken!", sprach ____ sehr angespannt.

 

Fragen zum 5. Kapitel

Wie reagieren sie auf das, was sie sehen?
Lass Caesar erzählen, wie es zu den Trümmern kam.
Was denken sie nun?
Sie fragen nach dem Namen des Steinmetzes.
Beschreibe mit Spannung, wie sie in die Werkstatt des Steinmetzes eindringen.
Durch welche Gedanken kommen sie auf die Idee mit dem Rücken?
Beschreibe, wie und warum wohl der Diener ebenfalls einbricht.
Wodurch beginnt das Feuer?

 

Kapitel 6: Der sagenhafte Schatz

Möglicher Anfang:

Du musst schauen, ob dieser Anfang bei dir passt!

... Sofort als sie wieder in der Gegenwart gelandet waren, sahen sie nach, ob die Zeichnung auf dem Rücken die Reise überstanden hat. ...

Inhaltsskizze:

Zeitreise in die Gegenwart. Die Zeichnung auf dem Rücken hat die Reise überstanden. Sie überlegen nun gemeinsam, was jetzt zu machen ist. Wie sollen sie vorangehen? Ihnen ist klar, dass es sich bei den Schätzen um Erbe der Menschheit handelt und nicht etwas, was man persönlich ausbuddelt und behalten darf. Trotzdem wollen sie natürlich dabei sein.

Auf welche Art soll dieses Abenteuer ein gutes Ende finden. Du darfst es dir selbst überlegen. Die unteren Fragen helfen dir dabei.

Achte darauf, dass der Verlauf realistisch bleibt!

 

Fragen zum 6. Kapitel

Welche Schritte planen sie jetzt?
Was besprechen sie miteinander?
Wen weihen sie als erstes ein? Welche Rolle spielen die Eltern?
Notwendig sind auch die anderen 5 Tontafeln.
Wie und mit wem brechen sie nach Ägypten auf?
Wie gelingt die Suche? Finden sie schnell die Spitze der Pyramide im Wüstensand?
Wie gelangen sie in die Pyramide? Wie groß ist sie?
Was entdecken sie dort? Beschreibe die Schätze. Wo werden die Schätze hingebracht.
Wann und wie erfährt die Weltöffentlichkeit von dem Fund?
Kommt die Presse? Wie heißt die Schlagzeile in der Zeitung? Was sagen sie auf die Frage, woher sie die Kopie der 5. Tontafel haben.
Welchen Abschluss findet dein Buch?
Nehmen sich die beiden für die Zukunft etwas vor?

 

 

Ein Beispiel von Carl: 

Die Suche nach der unentdeckten Pyramide

 

1. Im Museum

Das Museum war klein und hatte nur acht Räume. Es war eins dieser langweiligen Museen für Frühgeschichte, in das sie jedes Jahr bestimmt zweimal gingen. Der Führer sprach leise, so dass höchstens die ersten Reihen etwas verstanden. Tom und Scott standen ganz hinten und unterhielten sich über Mädchen. Scott hatte braunes Haar, trug einen schwarze Jacke und ausgelatschte Nike.

Als die Klasse in den nächsten Raum schlenderte, sah Scott auf einem Tisch zwei Glasvitrinen. In der einen lagen, soweit er es erkennen konnte, merkwürdige braune Plättchen und was in der anderen war, konnte er nicht sehen. Plötzlich fing der Führer wieder an zu reden und ganz ohne es zu wollen hörte Scott zu: „In der Vitrine hier sieht man fünf von sechs Tontafeln des Pharao Chafre, der von 2547 - 2521 v. Chr. in der 4. Dynastie lebte. Legt man die Tontafeln aneinander, bilden sie eine Karte, auf der man die Lage der Pyramiden erkennt. Da uns aber eine fehlt, wissen wir bis heute nicht, wo die kleine Pyramide mit ihren unermesslichen Schätzen steht."

Als der Museumsbesuch zu Ende war, verabredeten sich Tom und Scott für den Nachmittag. Als Scott weg war, schlenderte Tom zu den Mädchen und fragte July, ob sie mit ihm ein Eis essen möchte.

 

2. Die Zeitmaschine

Um zwei Uhr knallte Scott die Tür hinter sich zu, lief zum gegenüberliegenden Haus, kletterte über den Gartenzaun, ging um das Haus herum und klopfte am Zimmerfenster von Tom. Dieser las in einer Zeitschrift. Sein Zimmer sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Kleidungsstücke lagen wild verstreut im Zimmer. Zudem lagen auch Bücher und eine Chips-Packung auf dem Boden. Als Tom Scott sah, stand er auf und öffnete das Fenster: „Was geht? Siehst so wütend aus?" „Hatte mal wieder Stress mit meinen Eltern", antwortete Scott. „Kenn ich, aber sag mal, was willst du eigentlich hier?" „Wir haben uns doch für heute Nachmittag verabredet." „Ah, stimmt, aber wieso kommst du durch den Garten? Meine Mutter ist im Club, du könntest auch klingeln." „So macht's mehr Spaß", erwiderte Scott, „aber jetzt komm." „Wo willst du denn hin?" „Zum Hochsitz." „Ach so."

Der Hochsitz war ein alter verlassener Ort, den sie sich eingerichtet hatten. Sie hatten ihn mit Stühlen, Kissen und einem CD-Player ausgestattet. Eine Kiste diente als Tisch, auf der CDs und Zeitschriften lagen und an der zum Teil modrigen Wand hingen Poster.

Tom zog sich seine Jacke an und sie gingen los. Zum Jägerstand brauchte man ungefähr zehn Minuten. Auf dem Weg dorthin redete Tom pausenlos und Scott erwidert manchmal, wenn es besonders langweilig war, mit „ja" und „ach so" oder manchmal auch nur mit einem unverständlichen Brummen. Plötzlich blieb Scott stehen, guckte über seine Schulter nach hinten, machte einen Schritt zurück und dabei vernahm man ein hohles, dumpfes Geräusch. Tom hörte mit dem Reden auf und fragte langsam: „Was ist das?" „Keine Ahnung", antwortete Scott und scharrte Laub auf die Seite, so dass ein dickes, vermodertes Brett zum Vorschein kam. „Helf mal", sagte Scott und zusammen hievten sie das Brett nach oben und legten es auf die Seite. Eine schmale Wendeltreppe führte hinab in die Finsternis. Tom und Scott schauten sich erstaunt an, aber stiegen die Wendeltreppe hinunter. Kaum waren sie ein Stück gegangen, leuchtete ein helles Neonlicht auf. Als sie unten angekommen waren, standen sie in einem hell erleuchteten Raum, in dem eine Art Säule in der Mitte stand.

 

3. Bei der großen Pyramide

Die Säule bestand aus verschiedenen Segmenten. Einem großen Ring, der ungefähr einen halben Meter über dem Boden um die Säule lag. Auf ihm waren Jahreszahlen eingraviert. Im oberen Teil befand sich eine große, in Metall gefasste Kugel. Etwa zehn Zentimeter darunter war eine Metalltafel, auf der sich zwei runde Lichter befanden, zwischen denen sich eine kleine Linse hin und her bewegte. Darunter war eine Glaskuppel.

Scott fragte verwundert: „Was ist denn das?" „Keinen Plan", antwortete Tom und seine Stimme hallte in dem großen Raum. Scott ging zur Säule und berührte sie mit den Fingerspitzen. Das Glas schob sich auf die Seite. Tom näherte sich ebenfalls und schaute in die Glaskuppel. Er sah eine Inschrift: „Timetraveller." „Hey Scott, schau dir das mal an", rief Tom. Scott lief zu ihm und blickte in die Glaskuppel. „Glaubst du, das ist wahr?", fragte Scott. „Nee, Zeitmaschinen gibt's doch nur in den langweiligen Büchern für zweijährige Babys!" „Ja, aber überleg mal, wenn das wirklich eine Zeitmaschine wäre, was wir dann für Möglichkeiten hätten! Dann könnten wir Charlie Chaplin besuchen!" „Mm, oder die Tontafeln zurückholen", sagte Tom aus Spaß. „Ja, die Tontafeln!", rief Scott begeistert aus. „Weißt du noch, wann dieser Chafre regiert hat?" „Ja, ich glaube, er regierte von 2547-2521 v. Chr." „Aber wir haben noch ein Problem. Und zwar stehen da, wo man die Zeit einstellt, z.B. 2520 oder 2530 und so weiter. Also immer nur die glatten Zehnerzahlen." „Stimmt, dann lass uns doch einfach in das Jahr 2520 v. Chr. reisen." Tom wurde mulmig zu Mute: „Also, ich würde vorschlagen, dass wir jetzt ganz einfach zum Hochsitz gehen und das Ding hier unten verrosten lassen." „Komm schon, das wird bestimmt cool", sagte Scott, während er am Zeitring die richtige Jahreszahl einstellte, zwängten sie sich schon durch die schmale Öffnung in die Glaskuppel. Kaum waren sie drin, schloss die Tür luftdicht und die Kugeln begannen zu leuchten und sich zu drehen. In der Wand eingelassene kleine Kugeln begannen ebenfalls zu leuchten und dabei schossen helle Blitze zu der großen Metallkugel. Diese leitete sie in die Glaskuppel, in die ein dicker blau-roter Nebel eingedrungen war. Sie bündelte die Energie der Blitze. Diese brauchte man, um in eine so weit entfernte Zeit reisen zu können.

Toms und Schotts Bewegungen wurden unkontrollierter, plötzlich schoss ein heller Blitz durch den Raum und es ertönte ein Knall. Die gefärbte Luft verschwand und ein schwacher Blitz fuhr in Tom und Scott, teilte sich und lief über ihre ganzen Körper. Langsam kamen sie wieder zu sich und versuchte aufzustehen. Benommen sahen sie sich an. Plötzlich sagte Tom grinsend: „Wie siehst du denn aus, Lendenschurz und so komische Sandalen?" „Schau dich mal an." Da sah Tom an sich herunter und bemerkte, dass auch er einen Lendenschurz und Sandalen trug. Scott sagte: „Komm, lass uns nach oben gehen und schauen, ob es wirklich geklappt hat; denn außer, dass die hellen Lichter durch Fackeln ersetzt sind, ist alles gleich." Sie gingen die Treppe nach oben und traten ins Freie. Sie schauten sich um und bemerkten, dass sie sich auf dem Bauplatz einer riesigen Pyramide befanden. Die Pyramide war schon zur Hälfte fertig und sie konnten sehen, wie Männer in Lendenschürzen Steinquader eine riesige Rampe heraufzogen. Dort oben standen andere Männer, die die Steine millimetergenau einpassten. Plötzlich hörten sie eine Stimme und zu ihrer Verwunderung konnten sie sie verstehen: „Hey, die Pause ist vorüber, ab an die Arbeit!" Sie schauten sich um und sahen dann einen Bauleiter, der sie mit Handbewegungen zur Arbeit wies. Tom und Scott blicken sich an. Da sie nicht wusste, was sie tun sollten, gingen sie schnell zu einem der riesigen Steine, an dem bereits viele Männer beschäftigt waren, ergriffen das Seil und begann zu ziehen.

Am Abend waren sie so erschöpft, dass sie kaum noch sprechen konnte. Doch als sie mit den Arbeitern aßen, ging es ihnen schon besser. Langsam begannen sie auch wieder zu sprechen. Erst im Flüsterton, doch mit der Zeit auch wieder in normaler Lautstärke. Scott fragte in die Runde: „Wer kann mir etwas über die kleine Chafrenpyramide sagen?" Ein alter Mann mit rauer Stimme antwortete: „Ja, sie wurde erbaut. Allerdings weiß niemand, wo sie steht, da alle Arbeiter mit ins Grab gingen." Scott flüsterte Tom zu: „Ich habe eine Idee, wen wir fragen könnten." „Wen?", fragte Tom. „Caesar. Er pflegte gute Beziehungen zu den Ägyptern", sagte Scott. „Aber jetzt schlafen wir erst mal. Morgen geht's weiter."

 

4. Das Geschenk Kleopatras

Am nächsten Morgen standen sie früh auf. Sie schlichen sich aus der Hütte an den Schlafenden vorbei. Dann rannten sie ein Stück zwischen den Hütten entlang, doch als ein Aufseher hinter einer Hütte auftauchte, liefen sie langsamer und hielten sich im Schatten von Dattelpalmen. Während sie anschließend über einen freien Platz rannten, stolperte Tom über einen Stein und landete unsanft im Sand. Scott blieb stehen: „Ist alles klar Tom?" „Ja, alles klar!" „Hey, was'n das?" Scott zog eine Perlenkette aus dem Sand. Tom hob den Kopf, schaute auf die Kette und sagte dann: „Sie muss gestern einem Aufseher runtergefallen sein. Ich will sie mitnehmen."

Tom rappelte sich auf und sie gingen unbemerkt zur Zeitmaschine. Schnell stellten sie den Zeitring auf  50 v. Chr. und gingen in die Glaskuppel. Die Kugel begann sich zu drehen, der rot-blaue Nebel strömte ein, Blitze flogen und ein Knall ertönte.

Die Fackeln waren diesmal durch Öllampen ersetzt. Sie öffneten die Klappe und traten ins Freie. Nun befanden sie sich in einer kleinen Nebengasse und trugen eine vornehme Toga und lederne Sandalen. Sie schauten sich kurz um und gingen dann die Straße hinunter. Am Ende der Straße blieben sie stehen und Tom fragte: „Was sollen wir jetzt machen?" „Ich habe schon eine Idee, und zwar gehen wir zu einer Buchhandlung und fragen, ob sie etwas über die kleine Pyramide wissen."

Vor einer kleinen Taberna (Buchhandlung), die Taberna Libraria hieß, blieben sie stehen. Sie gingen hinein und erblickten einen alten Mann in einer langen Tunika. Er stand hinter einem Tisch und war in eine Schriftrolle vertieft. Als sie näher kamen, blickte der Mann auf und fragte: „Was wollt ihr?" Seine Stimme war leise, aber trotzdem gut zu verstehen. „Wir wollen wissen, ob man hier etwas über die kleine Pyramide und die sechs Tontafeln erfahren könne?", fragte Scott so vornehm, wie er nur konnte. „Die Pyramide, kleine, ah ja, die Tontafeln, mm, ja, ich weiß etwas darüber. Die Tontafeln befinden sich bei Caesar. Er hat sie von Kleopatra bekommen, da er sich für ihre Rechte als Pharaonin eingesetzt hatte. Sie war mit ihrem Bruder in Streitigkeiten um den Thron verwickelt." „Mm, und wo befinden sich die Tontafeln jetzt?", fragte Scott. „In seinem Palast. Ich kenne Caesar gut, da ich oft etwas für ihn schreibe. Ich muss ihm noch einige Werke Catos bringen. Ihr könntet mitkommen. Vielleicht zeigt er euch dann die Tafeln." „Wann?", fragte Tom. „Jetzt gleich, wenn ihr wollt, ich muss nur noch schnell die Schriften suchen."

Der Palast war groß und prunkvoll. Eine breite Treppe führte zu einem Tor an dem zwei Wachen in Uniform mit langen Speeren standen. Der Bibliopola (Buchhändler) ging zu einer Wache hin und sagte: „Ich bitte um Einlass." „Werdet ihr erwartet?" „Ja." „Wir wollen mal sehen." Der Wächter holte eine kleine Wachstafel hervor und fuhr mit dem Fingern suchend an den Namen entlang. Dann stoppte er, schaute den Bibliopola an und sagte: „Rufus." „Ita est - so ist es." „Und wer sind sie?", fragte die Wache und zeigte dabei auf Tom und Scott. „Das..., das sind meine Gehilfen aus der Taberna, ihr wisst schon, Schriftrollen halten und so." „Gut, ich las euch ankündigen." Daraufhin drehte er sich um, ging in das Wartehäuschen, sprach kurz mit einem schlanken Mann und kam wieder heraus. „Er meldet euch an." Dann ließ er sie durch das Tor.

Sie kamen auf einen großen Platz, in dessen Mitte ein Springbrunnen plätscherte. Rufus eilte weiter, Scott und Tom folgten ihm. Vor einer Tür blieben sie stehen. Die Wache, die sich dort befand, sagte kurz: „Ihr werdet erwartet", öffnete die Tür und führte sie hinein. Im Zimmer blieben Scott und Tom erschrocken stehen. Da saß Caesar in einer vornehmen, weißen Tunika und sprach ganz ruhig: „Ich habe dich rufen lassen, aber wenn ich dich fragen darf, wer sind die zwei Jungen?" „Das, ... das sind zwei Jungen, die deine Tontafeln betrachten wollen. Ich dachte, ich könnte sie einmal mitbringen." „Ah", Caesar wandte sich an Tom und Scott und sagte: „Ihr wisst bestimmt, dass ich sie von Kleopatra bekommen habe!" Caesar ging langsam zu einer Truhe, nahm einen Schlüssel hervor und öffnete sie. „Hier sind sie!" Tom und Scott gingen einen Schritt vor und schauten in die Truhe.

 

5. Der Brand beim Steinmetz

Sie sahen die vierte und sechste Tontafel in der Truhe liegen. Die fünfte jedoch bestand nur noch aus einem Häufchen zerbrochener Tonscherben. Ihnen stockte der Atem. Caesar sah den Schrecken in ihren Gesichtern und erklärte: „Auf der Fahrt von Ägypten nach Rom gerieten wir in einen heftigen Sturm und unter Deck rutschte eine große Kiste aus ihrer Verankerung und fiel direkt auf die fünfte Tontafel. Daraufhin zerbrach diese in tausend Tonscherben und hier seht ihr das, was davon übrig geblieben ist. Ich habe allerdings vor dem Unglück in Ägypten eine Kopie auf Papyrus von den Tontafeln machen lassen und sie hier in Rom einem Steinmetz gegeben, damit er eine neue Tontafel anfertige." „Wie heißt der Steinmetz?", fragte Scott vorsichtig. „Hm, wie er heißt? Er heißt Struktulus. Er hat seine Werkstatt an einer Straßenecke, aber das bleibt unter uns!" „Sehr wohl!", sagten Tom und Scott wie aus einem Mund. „Nun muss ich euch aber bitten zu gehen, denn ich will ja noch die Werke von Rufus betrachten." Mit einem tiefen Diener verabschiedeten sie sich und gingen aus dem Zimmer an der Wache vorbei, die, als sie herauskamen, erschrocken auf die Seite sprang.

Wieder aus dem Palast heraus, begann Scott zu sprechen: „Wir müssen unbedingt zu dem Steinmetz, um die Papyrusrolle zu finden." Tom warf ein: „Vielleicht bekommen wir sie für die Kette, die ich mitgenommen habe?" „Mm, das wäre eine Möglichkeit!", entgegnete Scott. Er schaute Tom an und sagte plötzlich erstaunt: „Aber wo ist denn die Kette?" Jetzt schaute Tom an sich herunter. „Hm, keine Ahnung. Das muss etwas mit der Zeitmaschine zu tun haben. Wahrscheinlich kann man nichts in eine andere Zeit mitnehmen." „Also müssen wir nach einem anderen Weg suchen, aber jetzt lass uns erst nach dem Steinmetz fragen."

Eine Frau mit schwarzen Haaren und einem kleinen Kopf kam vorbei. Scott sagte schnell: „Die fragen wir." Scott und Tom gingen zu ihr hin und Scott fragte höflich: „Entschuldigung, wissen Sie, wo der Steinmetz Struktulus seine Werkstatt hat?" Die Frau überlegte kurz und antwortete dann: „Ja, drei Straßen weiter, gleich an der Ecke." Tom und Scott bedankten sich und liefen zügig los. „Wir gehen gleich dahin und schauen uns um, ob wir eine Möglichkeit zum Einsteigen sehen. Aber so unauffällig wie möglich." Als sie die Werkstatt sahen, gingen sie hinein. Es gab einen Tisch, hinter dem ein Mann mit grauen Haaren saß. Als die beiden näher traten, hob er seinen Kopf, doch als sie keine Anstalten machten, näher zu kommen, schaute er wieder weg und schrieb weiter. Es war wahrscheinlich eine Rechnung. Tom und Scott gingen eine Weile im Raum umher und suchten nach einer geeigneten Stelle, um später einzusteigen. Sie taten aber so, als ob sie die vielen in Stein gehauenen Schriften und Figuren anschauten.

Es war schon lange nach Sonnenuntergang, als Scott und Tom immer noch vor der Steinmetzwerkstatt warteten. Hin und wieder schauten sie vorsichtig durch das kleine Fenster an der Seite um zu sehen, ob der Steinmetzt nach oben in seine Wohnung gegangen sei. Einmal, als Scott gerade durch das Fenster lugte, ging der Steinmetz zu einer Kiste, öffnete sie und holte eine Papyrusrolle heraus. Scott sagte leise zu Tom: „Das muss die Kopie der Tontafeln sein." Nach einer Weile legte er die Kopie wieder in die Kiste, nahm eine Öllampe und man konnte hören, wie er langsam die Treppe nach oben ging.

Tom und Scott gingen zur Tür. Sie war zu ihrer Verwunderung nicht verschlossen. Sie gingen hinein, schauten sich schnell um und schlichen zu der Kiste. Sie öffneten sie, holten die Papyrusrolle heraus und wollten schnell zur Zeitmaschine. Doch plötzlich sagte Tom: „Warte mal, wenn wir die Kette nicht durch die Zeit mitnehmen konnten, dann können wir die Papyrusrolle auch nicht mitnehmen." „Mm, stimmt. Ich habe eine Idee. Du kannst doch gut zeichnen, also malst du sie mir auf den Rücken. Hoffentlich verschwindet das nicht bei der Zeitreise." Okay, ich versuch‘s." Daraufhin holte Tom ein Tintenfass und eine Art Pinsel aus einem Regal und malte, so gut es ging, die Zeichnung der fünften Tontafel auf Scotts Rücken. Als Tom fertig war, räumte er das Tintenfass zurück und sie huschten aus der Werkstatt. Plötzlich hörten sie ein Rumpeln. Sie schauten durch das kleine Fenster und sahen einen Mann. Im Schein der Kerze, die auf dem Tisch stand, erkannten sie ihn. Es war der Wachsoldat Caesars, der die ganze Zeit über draußen vor der Tür stand, während sie mit Caesar gesprochen hatten. Auf einmal stieß er an den Tisch, er wackelte und die Kerze fiel auf den Boden.  Eine Matte, die auf dem Boden lag, fing Feuer, wie auch die Papyrusrolle auf der die Pläne der kleinen Pyramide eingezeichnet waren. „Das ist also der Grund, warum man nie herausgefunden hat, wo die kleine Pyramide stand", sagte Scott langsam. Dann drehten sie sich um und gingen zur Zeitmaschine zurück und stellten den Zeitring auf die Gegenwart.

 

6. Pyramidenfund

Als sie in ihrer Zeit wiederum ankamen, sahen sie nach, ob die Zeichnung auf Toms Rücken die Zeitreise überstanden hatte. Das hatte sie. Nun war die spannende Frage, wie sie vorgehen sollten. Sie entschieden sich nach langer Überlegung zur Museumsdirektion zu gehen, um ihr die Zeichnung zu zeigen. Dazu übertrugen sie diese auf ein Papier. Als Begründung für das Erscheinen der Skizze hatten sie sich überlegt, dass sie davon geträumt hätten. Nun begann für die beiden eine abenteuerliche Zeit. Sie reisten mit einem Forscherteam nach Ägypten, fanden die Pyramide und entdeckten unermessliche Schätze. Die namhaftesten Zeitungen der Welt berichteten davon. So konnte man zum Beispiel in der New York Times Folgendes lesen.

Pyramidenfund

Die beiden 12- und 13-jährigen Jungen Tom Parker und Scott Jones waren vor zwei Wochen in Ägypten, um mit Hilfe der von ihnen gefundenen Tontafeln die kleine Pyramide des Pharaos Chafre zu finden. Dies gelang ihnen mit den beiden mitwirkenden Helfern Tory Loman (Archäologe) und Steve Hideman (Forscher für Frühgeschichte).

Wie schon erwartet waren die Schätze in der kleinen Pyramide viel größer als die in der großen, von Chafre erbauten Pyramide. „Dieser Fund wird in die Geschichte eingehen", sagte Chefarchäologe der Yale Universität."

New York Times Autor Georg Artur

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