Einführung zu den Zeiten

Ein Beitrag von Franz Höflin

Ich habe die Einführung der Zeiten mit folgender Geschichte begonnen. Darin springt ein Kind das erste Mal vom Fünfmeterturm. Am Anfang ist das Kind noch ganz erfüllt von Erwartung, Hoffnung, Neugier, Aufgeregtheit und Vorfreude. All das richtet sich auf etwas Zukünftiges. Nun steht das Kind oben auf dem Turm und ist bereit. Im rechten Moment kommt der Entschluss – es springt. In dieser hochemotionalen Situation ist das Kind ganz gegenwärtig. Alle Eindrücke sind intensiv und lebendig. Hier spielt sich das Leben ab. Nun ist der Sprung geschafft, schon gehört er der Vergangenheit an. Der erste Sprung lässt sich nicht wiederholen. Stolz und das Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickeln sich an dem, was man vollbracht hat.

Ein und dasselbe Ereignis betrachtet diese Geschichte aus drei Zeitperspektiven: Zuerst liegt der Sprung in der Zukunft, dann ist er ganz gegenwärtig und anschließend gehört er schon der Vergangenheit an. Die Zeit ist im Fluss.

Am ersten Tag habe ich nur die Geschichte erzählt. Nach dem Malen des Bildes fragte ich die Kinder, was das Bild mit den Zeiten zu tun haben könnten. Es entwickelte sich ein kleines, interessantes Gespräch und diese anfänglichen Gedanken durften bis zum nächsten Tag so stehen bleiben.
 


Ein mutiger Sprung

Der Sommer in diesem Jahr ist wieder sehr heiß und was gibt es Schöneres als am Nachmittag sich im Schwimmbad ein wenig abzukühlen. Mein Vater, meine große Schwester und mein kleiner Bruder haben eine Jahreskarte, die wir kräftig nutzen.

Meistens fahren wir mit dem Fahrrad und breiten unsere großen Badetücher im hinteren Teil der Badewiese aus. Während mein Vater gerne ein Buch liest, rennen wir sogleich zum Wasser.

Im Schwimmbad gibt es auch einen 5 m Sprungturm. Meine große Schwester hat ihn im letzten Jahr zum ersten Mal geschafft und springt in diesem Jahr ganz häufig herunter. Ehrfurchtsvoll stehe ich unten und schau ihr dabei zu. Getraut habe ich mich bislang noch nicht. Heute will ich es jedoch auch einmal versuchen.

Das Schwimmbad ist noch fast leer, so früh sind wir gekommen. Mein Vater, meine Schwester und mein Bruder stehen am Beckenrand, um mir Mut zuzusprechen. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde. Aber 5 Meter sind auch ganz schön hoch. Das merke ich mit jeder Stufe, die ich die Leiter zum Turm erklimme. Ich bin ganz schön aufgeregt, mein Herz klopft. Oben angekommen sieht Papa ganz schön klein aus und das Becken auch. Wie hoch doch 5 Meter sind! Mein kleiner Bruder scheint ganz aufgeregt zu sein, alle Augen sind auf mich gerichtet. Ich gehe nach vorne. Soll ich wieder umkehren? Ich warte ein bisschen. Werde ich es wagen? Ich bin unsicher. Ganz plötzlich fasse ich einen Entschluss – jetzt! Ohne weiter nachzudenken laufe ich drei Schritte und springe. Nun gibt es kein Zurück mehr und sause in die Tiefe. Ich falle und falle. Das Wasser kommt immer näher. Dann durchbreche ich die Wasseroberfläche und tauche tief ins Becken ein. Am tiefsten Punkt angekommen beginne ich mit meinen Armen und Beinen nach oben zu rudern. Ich erreiche die Wasseroberfläche, hole tief Luft und schau zu meiner Familie. Die lachen und jubeln und klatschen. Und auch ich lache.

Ich habe es geschafft, ich bin vom 5 m Brett gesprungen und es war toll. Meine Schwester und ich steigen sofort wieder die Leiter hinauf – nur mein kleiner Bruder wartet wohl sicher noch zwei Jahre.

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